Schwanthalerhöhe Kreative Attacke auf das Schnitzelhaus

Mehr Botschaft als Hausbesetzung: Am Schnitzelhaus an der Holzapfelstraße wurden Transparente angebracht.

(Foto: privat)
  • Aktivisten teilten am frühen Samstagmorgen mit, ein Haus an der Schwanthalerhöhe besetzt zu haben.
  • Die Suche der Polizei nach Besetzern aber blieb ergebnislos.
  • Offenbar kam es bei der Aktion vor allem darauf an, Aufmerksamkeit auf die Leerstands-Thematik zu lenken.
Von Thomas Kronewiter, Schwanthalerhöhe

Als "Schnitzelhaus" ist es nicht nur auf der ganzen Schwanthalerhöhe bekannt - es ist ein Symbol für die Leerstands-Debatte, genauso wie das nahe gelegene Döner-Haus. Doch was im Schnitzelhaus am frühen Samstagmorgen geschah, ist für die ermittelnden Polizeibeamten nicht ganz einfach zu rekonstruieren. Sicher ist man sich nur in einer Einschätzung: Um eine Hausbesetzung, wie von Aktivisten in einer eiligen Pressemitteilung bekannt gemacht, hat es sich an der Holzapfelstraße 10 nicht gehandelt.

So erreicht die Beamten am Samstagmorgen gegen 8 Uhr die Nachricht, dass das Anwesen besetzt worden sei. Herbeigeeilte Polizeikräfte stellen zwar fest, dass an der Fassade entsprechende Transparente angebracht worden waren. Die Suche nach Besetzern aber bleibt ergebnislos. Die Beamten finden lediglich einen Schlafsack und einige Flugblätter. Wie lange der Schlafsack schon im Gebäude lag, kann zunächst nicht festgestellt werden. Natürlich aber muss zuvor jemand in das Haus eingedrungen sein, um die beiden Transparente an der Fassade zu befestigen.

Es geht aufwärts

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Offenbar kam es bei der sogenannten Besetzung vor allem darauf an, Aufmerksamkeit auf die Leerstands-Thematik zu lenken. Das legt zumindest eine versandte Pressemitteilung nahe, die das Schnitzelhaus in "Für Lau Haus" umbenannte und einen "Umsonstladen" ankündigte, der von sofort an Anwohnern wie allen anderen Bürgern als Tausch- und Mitnahmeplattform offenstehe.

Kurzfristig für den Samstagabend angemeldet wurde danach zudem eine Versammlung im Zusammenhang mit der angeblichen Besetzung. Die fand auch statt, es nahmen circa 50 Menschen teil und diskutierten friedlich. Die Versammlung, so notiert es der Polizeibericht, verlief im Zeitraum von 20.30 Uhr bis 23 Uhr "ohne Zwischenfälle".

Dass es sich bei der Schnitzelhaus-Kaperung um eine gut abgestimmte Publicity-Aktion gehandelt haben muss, unterstrich auch eine Pressemitteilung mehrerer Grünen-Politiker, die bereits am Sonntagmorgen den Redaktionen zuging. "Fünf Jahre Leerstand, in einer Stadt wie München, in der Wohnraum immer knapper und für viele Menschen nicht mehr oder kaum noch bezahlbar ist, ist schlicht unerträglich", äußert sich darin der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek.

Das Haus ist ein Dauer-Zankapfel im Viertel

Und die ebenfalls den Grünen angehörende Bezirksausschuss-Vorsitzende Sibylle Stöhr schlägt in die gleiche Kerbe: "Die städtischen Behörden müssen entschiedener gegen Leerstand vorgehen." Eigentümer, die ihre Gebäude verfallen ließen, müssten stärker in die Pflicht genommen werden. "Da ist es schon nachvollziehbar, wenn sich angesichts der Untätigkeit der Behörden Widerstand im Viertel regt und Menschen versuchen, mit kreativen Ideen das Heft des Handels in die Hand zu nehmen."

Das Mehrfamilienhaus an der Holzapfelstraße ist seit Jahren ein Dauer-Zankapfel im Viertel. Im September vergangenen Jahres hatten mehrere Gruppen deswegen schon einmal eine Kundgebung vor dem Schnitzelhaus anberaumt - inklusive symbolischer Versteigerung. Der tatsächliche Eigentümer, eine Erbengemeinschaft, ließ indessen Fristen verstreichen und das Haus verfallen, bevor zu Jahresbeginn 2017 die Lokalpolitiker durch überraschende Bauarbeiten aufgeschreckt wurden.

Im städtischen Planungsreferat hatte sich der Eigentümer zunächst den Umbau und die Vergrößerung der einst im Erdgeschoss ansässigen Gaststätte, später auch einen Dachausbau, einen Umbau von Wohnungen sowie einen Neubau von Treppen, Balkonen und eines Aufzugs genehmigen lassen. Die Arbeiten begannen gerade noch rechtzeitig, sodass die bis Januar 2017 verlängerte Baugenehmigung Bestand hatte. Allerdings stockten sie auch immer wieder - was rechtlich zulässig sei, wie die städtische Planungsbehörde damals urteilte.

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