Weniger Unterricht in der Mittelstufe, mehr Fortbildungen für die Lehrer: Wie Siegfried Schneider das "Gymnasium der Zukunft" gestalten will.
Unmittelbar nach dem Start des Volksbegehrens "G9" hat Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) Nachbesserungen für das umstrittene achtjährige Gymnasium in Bayern angekündigt. Die Unterrichtszeit in der Mittelstufe soll um jeweils eine Wochenstunde gekürzt werden. Auch in der fünften und sechsten Klasse soll es die Möglichkeit geben, eine Stunde einzusparen. "Wir kommen damit den Wünschen vieler Eltern entgegen", erklärte Schneider nach der Kabinettssitzung in München.
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Die Initiatoren des Volksbegehrens sprachen von einem "konzeptlosen Herumdoktern an den Stundentafeln". Auch SPD, Grüne und Verbände reagierten zurückhaltend.
Schneider betonte dagegen: "Das achtjährige Gymnasium ist und bleibt das Gymnasium der Zukunft." Im Interesse der Schülerinnen und Schüler werde man an seiner "Fortentwicklung" arbeiten. Dazu kündigte er auch weitere Fortbildungsangebote für Lehrer und eine Oberstufenreform an. Vorgesehen ist, Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache als Kernfächer zu stärken. Das Abitur soll in fünf statt wie bisher in vier Fächern abgelegt werden.
Kritik am Gesamtkonzept
Die Beauftragten des Volksbegehrens "G9" erklärten, die Ankündigung "populistischer Veränderungen" punktgenau zum Start der Unterschriftensammlung zeige die Planlosigkeit des Kultusministeriums. Durch den Wegfall von Stunden werde die Qualität des Abiturs weiter gemindert, andererseits werde sich nichts an der Belastung durch Nachmittagsunterricht ändern.
SPD-Bildungsexpertin Marianne Schieder verlangte ein Gesamtkonzept für das G8: "Die Flickschusterei und Konzeptionslosigkeit der Staatsregierung in puncto G8 muss nun wirklich ein Ende haben." Die Grünen forderten den Schulminister zum "Nachsitzen" auf. Es nütze nichts, eine Stunde Nachmittagsunterricht zu streichen, wenn sich nichts an der Menge des Lernstoffs ändere, erklärte Grünen- Bildungsexpertin Simone Tolle. Der Bayerische Philologenverband warnte davor, die Änderungen als Einsparpotenzial zu nutzen.
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