Schulprojekt Grundschüler laufen für gesunde Luft

Gewonnen hat die Klasse 3g das Schulmaskottchen, die Giraffe Führix, bei dem Wettbewerb unter dem Motto "Zu Fuß zur Schule".

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Kinder der Führichschule verzichten darauf, mit dem Auto gebracht zu werden. Und lösen damit ein Problem, mit dem sich viele Schulen herumplagen.

Von Melanie Staudinger

Wer ist immer zu Fuß gegangen?", fragt eine Schülerin in die Runde. Die Worte sind kaum ausgesprochen, da schnellen schon die Daumen nach oben, hier in der neuen Turnhalle der Grundschule an der Führichstraße.

Während Politiker, Umweltverbände und Lobbyisten noch immer überlegen und reden und verhandeln, wie man die Luft in München denn verbessern könnte, haben die Kinder in Ramersdorf einfach mal etwas gemacht: Seit den Pfingstferien gehen fast alle Erst- bis Viertklässler zu Fuß in die Schule, das Auto der Eltern soll zu Hause bleiben. Ein dreister Eingriff ins Privatleben? Falsch, von den Vätern und Müttern kam sogar die Initiative für das Umweltprojekt.

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In München kursiert immer mal wieder ein Gerücht: Wer die nächste Grundschule im Viertel suche, der müsse nur schauen, wo um kurz vor acht das größte Verkehrschaos herrscht. Dann nämlich bringen viele Eltern ihre Kinder mit ihren teuren und durchaus geländetauglichen Fahrzeugen zum Unterricht, wird halb im Scherz, halb boshaft immer wieder behauptet.

Tatsächlich ist der sogenannte Bringverkehr ein Problem, mit dem sich viele Schulen herumplagen. Die einen appellieren an die Familien, die anderen lassen die Kinder bunte Plakate malen, die Grundschule Berg am Laim hat während den Sanierungsarbeiten ihren Eingang auf die rückwärtige Seite verlegen lassen, damit die Kinder wenigstens ein kleines Stück laufen müssen.

Und andere, wie die Grundschule an der Ostpreußenstraße oder eben die Führichschule, veranstalten kleine Olympiaden, um die Kinder zu einem Schulweg ohne Auto zu ermuntern.

In Ramersdorf las Mutter Catrin Keil von den Ergebnissen einer Greenpeace Studie in der Süddeutschen Zeitung. Vor 20 Münchner Grundschulen hatten die Umweltschützer im Februar zwei Wochen lang den Stickstoffdioxid-Gehalt gemessen. An nur drei Schulen wird der geltende Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft eingehalten, alle anderen sind darüber - auch die Führichschule, bei der ein Wert von 44,75 gemessen wurde. Nun ist diese Studie methodisch nicht ganz korrekt, weil normalerweise Jahresmittelwerte bestimmt werden und nicht nur ein Zeitraum von zwei Wochen. Alarmiert waren die Eltern in Ramersdorf trotzdem.

Anders als Politiker wollten sie aber nicht öffentlichkeitswirksam nach Dieselverboten schreien, sondern vor ihrer eigenen Tür dafür sorgen, dass die Luft für ihre Kinder ein bisschen gesünder wird. Schulleiterin Susanne Löffler war vom Vorstoß des Elternbeirats sofort begeistert. Denn ohne die Väter und Mütter ließe sich ein solches Projekt kaum stemmen.

Wettbewerb unter dem Motto "Zu Fuß zur Schule"

"Ich hätte mich gar nicht getraut, die Eltern so in die Pflicht zu nehmen", sagt Löffler. Umso besser, dass der Vorschlag vom Elternbeirat kam. Die Schule gestaltete daraus einen Wettbewerb unter dem Motto "Zu Fuß zur Schule". Jede Klasse konnte in der Zeit seit Pfingsten Bälle sammeln, je nachdem wie viele Kinder tatsächlich nicht mit dem Auto gebracht wurden.

Die Siegerklasse bekommt für die nächsten Monate das Schulmaskottchen Führix, eine etwa einen Meter hohe Giraffe. Gewonnen hat die 3g, die Ganztagsklasse. "Das finde ich bemerkenswert, weil am Nachmittag eigentlich fast noch mehr Kinder mit dem Auto geholt werden als mittags", sagt Löffler.

Gelernt haben die Schüler viel, und zwar nicht nur, dass die Abgase die Umwelt schädigen und schnell ein Chaos verursachen, das zu Unfällen führen kann, wie sie bei ihrer Schulversammlung am Dienstag berichten. "Zu Fuß, mit dem Rad oder dem Roller ist man eh schneller als mit dem Auto", sagt eine Schülerin. Bleibt das Fahrzeug stehen, spart die Familie Geld. Außerdem tut es der Gesundheit gut, wenn man zu Fuß geht.

Und das beste an der Sache: Wenn die Eltern nicht dabei sind, kann man mit Freunden zur Schule laufen - und dabei wichtige Dinge bequatschen. Löffler und Keil hoffen nun, dass die Geh-Euphorie die Sommerferien überlebt. Denn wenn der Winter und die Glätte kommt, ist es im Auto noch viel gefährlicher.

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