Von Astrid Becker

Alle müssen raus: Service-Mitarbeiter und Händler sollen die Schrannenhalle räumen. Künftig soll ein reiner Veranstaltungstempel entstehen.

Aus der Schrannenhalle soll künftig ein reiner Veranstaltungstempel werden. Zumindest, wenn es nach dem Geschäftsführer der jetzigen Betreiberin, Münchner Schrannenhalle GmbH, Jürgen Lochbihler, geht. Einen entsprechenden Vertragsentwurf hat Lochbihler, der auch als Wirt des "Pschorr" fungiert, der Hauptgläubigerin, der Deutschen Bank London, bereits vorgelegt. Einziges Problem: Weder Stadt noch der eigentliche Vermieter, Zwangsverwalter Johannes Mauder, sind in die geplante Nutzungsänderung involviert.

as Kritiker befürchtet hatten, könnte nun Realität werden: Die Schrannenhalle soll ein reiner Veranstaltungstempel werden. Kunsthandwerk und Gastronomie-Stände wird es spätestens Mitte 2009 nicht mehr geben. (© Foto: Haas)

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Als die Halle Anfang August unter Zwangsverwaltung gestellt worden war - weil, wie berichtet, der Erbpachtnehmer der Stadt seinen Verpflichtungen bei den Kreditgebern nicht nachgekommen war -, hatte Jürgen Lochbihler noch getönt, der laufende Betrieb der Halle werde dadurch nicht beeinträchtigt. Eine Aussage, die er nun wohl revidieren muss, weil die Geschäfte in der Halle offenbar immer schlechter laufen. Bereits für den Monat Oktober hat die Betreibergesellschaft, die von Lochbihler geführt wird, laut Zwangsverwalter Johannes Mauder die Miete gemindert, im November dann überhaupt keine Zahlung mehr geleistet: "Mir fehlen insgesamt rund 150.000 Euro", klagt der Anwalt - und hat bereits bei Gericht Zahlungsklage erhoben. Und Lochbihler?

Der reagiert auf das ökonomische Trudeln des Hallenbetriebs mit einem neuen Konzept. Die Halle, so erklärt er, soll künftig nur mehr für Veranstaltungen genutzt werden. Lochbihler denkt dabei vor allem an Konzerte, "nicht von Bands wie Metallica, aber von Big Bands oder von Brian Ferry unplugged", wie er sagt. Zudem kann er sich vorstellen, regelmäßig "dultähnliche Wochenmärkte" abzuhalten.

Während dieser Events soll es zu trinken und zu essen geben, die bisherige gastronomische Dauerbetrieb werde jedoch verschwinden. Die entsprechenden Standlbetreiber seien bereits darüber informiert, sagt Lochbihler. Auch dem Service-Personal ist offenbar bereits gekündigt worden - die Halle soll tagsüber leer stehen und von Touristen als historisches Denkmal bewundert werden.

Lochbihler geht offenbar felsenfest davon aus, dass sein neues Konzept auf breite Zustimmung treffen wird. Nach einem Gespräch mit der Hauptgläubigerin, der Deutschen Bank London, hat er jedenfalls bereits einen Vertragsangebot ausgearbeitet und vorgelegt. Eine Kopie davon hat Mauder erhalten, doch über das Konzept weiß er nichts.

Nur, dass Lochbihler in Zukunft nur mehr ein Drittel der jetzigen Miete bezahlen und auch die Dauer des Pachtvertrags verkürzt sehen will: von Ende 2015 auf Ende 2009, weil dann, wie Lochbihler sagt, die Halle "eh' zwangsversteigert wird." Mauder jedenfalls ist vergrätzt: "Lochbihler hätte erstmal mit mir, seinem Vermieter, reden sollen." Auch Kommunalreferentin Gabriele Friedrich weiß von den Plänen bis jetzt nichts: "Ich bin überrascht - wenn aber die Nutzung verändert wird, muss erstmal der Stadtrat darüber befinden."

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(SZ vom 12.11.2008/sonn)