Schrannenhalle am Viktualienmarkt Marktleute wehren sich gegen Edeka

Die mit großen Aufwand wieder aufbebaute Schrannenhalle war ein Prestigeprojekt der Stadt. Doch ein ökonomischer Erfolg ist sie nie geworden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein Supermarkt soll die Schrannenhalle retten. Doch die Händler vom Viktualienmarkt sehen in dem geplanten Edeka eine massive Konkurrenz. Stattdessen haben sie eine andere Idee.

Von Thomas Anlauf, Peter Fahrenholz und Dominik Hutter

Die Pläne des Pächters Hans Hammer, einen Edeka-Markt als Nachfolger des Käfer-Delikatessenmarktes in die Schrannenhalle zu holen, stoßen bei den Händlern des benachbarten Viktualienmarkts auf massive Kritik. Am Mittwoch startete Elke Fett, Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Viktualienmarkthändler (IGV), eine Umfrage bei ihren Kollegen, ob sie für oder gegen eine Nutzungsänderung in der erst neun Jahre bestehenden Halle sind. Die oberste Marktfrau ist sich sicher über den Ausgang der Umfrage: "Wir wollen das nicht."

Die Marktleute sehen den geplanten Supermarkt, der auf bis zu 2000 Quadratmetern etwa zwei Drittel der Erdgeschossfläche der Schrannenhalle einnehmen soll, als massive Konkurrenz. Am Markt gebe es doch alles, wozu solle dann nebenan noch einmal ein reichhaltiges Angebot an Lebensmitteln entstehen, fragt sich Fett.

An einen Erfolg eines Supermarktes in der Schrannenhalle glaubt die Marktfrau ohnehin nicht: "Den braucht doch keiner", sagt die 69-Jährige, "wer geht denn wegen eines Bauer-Joghurts extra in die Schrannenhalle?" Tatsächlich gibt es in unmittelbarer Umgebung mehrere Supermärkte, etwa am Gärtnerplatz, im Tal, der Hofstatt und in den Fünf Höfen. Elke Fett ist überzeugt davon, dass das neue Konzept von Pächter Hammer nicht funktionieren kann. "Wo sollte der Supermarkt denn überhaupt be- und entladen?", fragt sie.

Edeka soll die Schranne retten

Die Schrannenhalle will endlich aus den roten Zahlen kommen. Ein Edeka soll den chronisch defizitären Einkaufstempel retten. Hallenbetreiber Hammer verhandelt bereits mit der Stadt, denn die muss den Supermarkt genehmigen. Doch dort ist die Skepsis groß. Von Dominik Hutter und Franz Kotteder mehr ...

Seit ihrer Eröffnung im September 2005 dümpelt die Schrannenhalle vor sich hin. Bislang hat noch kein Konzept richtig überzeugt, von den Münchnern und den Touristen wird das Angebot zu schlecht angenommen. Ende 2008 musste die damalige Schrannenhallen GmbH sogar Insolvenz anmelden, 2010 übernahm dann Hans Hammer die Halle. Seither ist der Käfer-Delikatessenmarkt Hauptmieter. Dessen Vertrag läuft zwar noch sieben Jahre, allerdings will das Feinkostunternehmen Käfer gerne vorzeitig aus der Schrannenhalle aussteigen - die Geschäfte laufen nicht so wie gewünscht.

Noch ist offen, ob der Münchner Stadtrat einer Nutzungsänderung überhaupt zustimmt. Wenn ein Edeka-Markt des Einzelhandelskaufmanns Peter Simmel einziehen soll, muss der Erbpachtvertrag entsprechend geändert werden. Und bislang waren viele Stadträte skeptisch, aus dem einstigen Prestigeprojekt im Herzen der Altstadt einen Supermarkt zu machen. Elke Fett ist auch deshalb zuversichtlich, dass es nicht so weit kommt.

Händler vom Viktualienmarkt sollen in Schrannenhalle

"Es ist das erste Mal, dass das Kommunalreferat hier voll und ganz hinter uns steht", sagt die Händlerin. "Wir sind doch das Herz von München, in allen Reiseführern stehen wir ganz oben - und jetzt wollen die uns Konkurrenz machen." Statt eines Supermarkts hätte Elke Fett eine andere Idee: Die Händler vom Viktualienmarkt könnten selbst in die Schrannenhalle gehen, in Form einer Genossenschaft. "Aber das ist mit Hammer nicht zu machen", sagt sie. Die Investoren wollten eben immer nur "Kohle sehen".

Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sieht den Supermarkt-Plan für die Schrannenhalle skeptisch und machte deutlich, dass es für ein solches Projekt hohe Hürden gibt. "Meine Begeisterung, die Schrannenhalle in einen Edeka zu verwandeln, hält sich in Grenzen", sagt Reiter am Rande einer Pressekonferenz am Mittwoch. Der Plan werde "eines breiten Diskussionsprozesses bedürfen" . In Reiters Augen müssen vor allem die logistischen Probleme gelöst werden, da ein großer Supermarkt "sehr viel Zulieferverkehr" benötige.

Auch der Einfluss auf den Viktualienmarkt müsse geklärt werden. Einen Bedarf für einen Supermarkt in der Schrannenhalle sieht Reiter nicht. In der unmittelbaren Umgebung herrsche wegen der benachbarten Kaufhäuser "kein Mangel an entsprechenden Einkaufsmöglichkeiten", sagte Reiter. Alle diese Fragen müssten in eine Gesamtbetrachtung einfließen, die dann Teil einer Beschlussvorlage für den Stadtrat sein werde.

Nicht zu erreichen für eine Stellungnahme war am Mittwoch Reiters Vorgänger Christian Ude. Pächter Hans Hammer hatte bei der Präsentation seiner Pläne am Dienstag gesagt, Ude habe ihn ausdrücklich ermuntert, die Edeka-Pläne weiterzuverfolgen. Auch Großmarkthallen-Chef Boris Schwartz, der für die Münchner Märkte zuständig ist, war am Mittwoch nicht zu sprechen.