Scholl-Hinrichtung Würdevoller Umgang mit Guillotine

Hans und Sophie Scholl, Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose": In welchem Rahmen soll die Guillotine gezeigt werden, mit denen die Geschwister hingerichtet wurden?

Nach dem Auftauchen der Guillotine, mit der Hans und Sophie Scholl 1943 hingerichtet wurden, ist in München eine Diskussion über den Umgang mit dem Fund entbrannt. Eine mögliche Ausstellung des Tötungsinstruments erfordert Fingerspitzengefühl und Aufklärung.

Die aufgetauchte Guillotine, mit der Nationalsozialisten die Geschwister Scholl 1943 hingerichtet haben, hat eine Debatte ausgelöst. Am Freitag war bekannt geworden, dass die Guillotine sich seit Jahrzehnten im Depot des Bayerischen Nationalmuseums in München befindet. Im Raum steht nun die Frage über den sensiblen Umgang mit dem tödlichen Instrument. Eine Ausstellung des Fallbeils sei nur denkbar, wenn zugleich der historische Kontext des nationalsozialistischen Staatsterrors sorgfältig dargestellt werde, sagte Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung. "Ja, man sollte das Mordinstrument sichtbar machen, aber in einem geeigneten Umfeld."

Hans und Sophie Scholl gehörten neben Alexander Schmorell, Kurt Huber, Willi Graf und Christoph Probst zur Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Die Geschwister Scholl und Probst waren am 22. Februar 1943 in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim hingerichtet worden. Mit Flugblättern hatten sie friedlich gegen das Terrorregime der Nationalsozialisten protestiert.

Würdevoller Rahmen für mögliche Ausstellung

Sieben Mitglieder der "Weißen Rose" und 1000 weitere Menschen seien mit dem Fallbeil getötet worden, sagte die frühere SPD-Landtagsabgeordnete Kronawitter. Sie sprach sich gegen Überlegungen aus, die Guillotine im neuen Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu zeigen. Dieses soll 2018 eröffnet werden. Kronawitter bezweifle, dass dort ausreichend Raum für die nötigen Erläuterungen sei.

Auch Karl Freller, der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und CSU-Landtagsabgeordneter, fordert Sensibilität und größte Behutsamkeit. Eine Ausstellung des Fallsbeils könne für die Auseinandersetzung mit den Schrecken der NS-Zeit hilfreich sein, sagte Freller. Doch die Tötungsmaschine dürfe nicht wie ein Sensationsstück präsentiert werden. "Das Ganze muss Würde haben für die Opfer."

Nach Auffassung von Freller sollte die Weiße Rose Stiftung eng in die weitere Planung eingebunden werden. Er regte zudem eine Prüfung an, ob eine Präsentation im künftigen NS-Dokumentationszentrum in München sinnvoll sein könne. Auch Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU), zuständig für die staatlichen Museen in Bayern, hatte sich für einen würdevollen Umgang mit dem Fund im Museumsdepot ausgesprochen. "Es ist kein Exponat, das beliebig in einer Ausstellung zu sehen sein sollte."

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