Schnäppchenjagd Zwei Kilo Klamotten, bitte

Zur Neueröffnung stand ein Fake-Gardist für Schnäppchen-Queens Spalier.

(Foto: Catherina Hess)

Der Kleidermarkt im Tal ist zurück. Der Laden heißt jetzt "Pick & Weight" und verkauft neben Kleidung aus zweiter Hand auch Accessoires und Retro-Dekoration. Ein Spaziergang.

Von Laura Kaufmann

Als vor zwei Jahren der Kleidermarkt im Tal schließen musste, war das nicht nur für die Schnäppchenjäger der Stadt eine schlechte Nachricht. "Das war auch für uns ein Schock", sagt Leila Mesgarzadeh, Geschäftsführerin der Second-Hand-Kette "Modemarkt Freestyle", die neben Filialen in Hamburg und Berlin auch den Kleidermarkt betrieb. Der Mietvertrag wurde nicht verlängert. "Aber uns war klar, dass wir hier einen neuen Laden eröffnen. Man mag das vielleicht nicht glauben, aber die Nachfrage in München ist groß."

Vor drei Monaten eröffnete sie einen kleinen Laden in der Schellingstraße, am Samstag folgte dann der Modemarkt im Tal. "Pick & Weight" heißt das neue Konzept beider Filialen, eine Anspielung auf das Konzept des Ladens: Die Klamotten werden nach Kilopreis verkauft, wie Obst oder Gemüse können Kunden probewiegen. Rot gekennzeichnete Artikel wie Jeans oder Lederjacken kosten 25 Euro pro Kilo, blaue, sehr leichte wie Seide, 85 Euro.

Kiloweise Klamotten bekommt im Pick &Weight eine ganz neue Bedeutung.

(Foto: Catherina Hess)

Der Kleidermarkt eröffnete 1990. Auf drei Etagen erstreckten sich Dirndl, speckige Lederjacken, glitzernde Abendkleider. Und immer roch es ein wenig nach Mottenkugeln. Wer heute den "Pick & Weight"-Store gegenüber vom alten Laden betritt, kann auf den ersten Blick nur schwer einen Zusammenhang herstellen: Kofferradios und andere Schätze sind dekorativ in den Regalen drapiert, daneben stehen Blechschilder, auf denen das Konzept erläutert ist und schicke Lampen. Angesagter Retrostil. Der ehemalige Kleidermarkt ist hip geworden.

Retro und Vintage sind kein Nischenstil mehr

"Diese individuellen Kleidungsstücke haben es verdient, in einer aufregenden Atmosphäre präsentiert zu werden", sagt Mesgarzadeh. Und: Das Image von Secondhand-Klamotten hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. "Es ist auch ein gewisser Lebensstil, den man so nach außen trägt", sagt die Geschäftsführerin. Abgelegte Kleider kauft nicht mehr nur, wer kein Geld für ein neues Outfit hat. Gebrauchte Sachen zu kaufen passt in den Zeitgeist von nachhaltiger Lebensweise und der Sharing-Kultur. Retro und Vintage sind kein Nischenstil mehr, sondern Thema auf den Modeblogs der Welt. Mittlerweile ist ein München jedes Wochenende ein anderer Flohmarkt mit Livemusik und Streetfood, ein Event statt schnöder Stöberei. Der "Pick & Weight" mit seinem neuen Look ist da die passende Neuerfindung des Kleidermarkts.

Für die deutschlandweit acht Filialen der Modemarkt Freestyle Gmbh werden monatlich 10 000 Kilo Kleider von der Mutterfirma Soex angekauft, aus Deutschland, den USA und Japan. Im Laden stapeln sich College-Jacken neben Kimonogürteln. Und selbstverständlich Tracht, "schau mal, Lederhosen", ruft einer seinem Freund zu, "hier sind Pfadfinderuniformen", entgegnet der. Zwischen den Gängen spielen zwei kleine Mädchen mit den Ballons, die zur Eröffnung im Laden verteilt sind, und ein Verkäufer mit Schiebermütze erklärt einem Pärchen mit Mops an der Leine gerade das System. Die Kunden drängen sich aneinander vorbei, der Laden ist eng. Immer noch eine Schatzkiste, in der sie wühlen müssen, um die besten Stücke zu Tage zu fördern. "Sag mal, deine Mama kann doch Schuhe nähen, oder?", sagt ein Bartträger ins Handy, "ich müsste das gleich wissen, kann ich dir ein Bild schicken?"

Leder-Rüstung gefällig?

(Foto: Catherina Hess)

Durch etwa 15 000 Kleider kann sich im neuen "Pick & Weight" wühlen, wer die Muße dafür mitbringt. Ein Drittel weniger hat die Filiale in der Schellingstraße. Leila Mesgarzadeh ist damit erst einmal zufrieden: "Weitere Pläne für München haben wir nicht."

Tal 15, 80331, Tel 089-25545677, Öffnungszeiten Mo bis Sa 9 bis 20 Uhr