Schlachthof in München Blutgeruch liegt in der Luft

Auf dem Schlachthofgelände verkaufen Firmen Fleisch, das von anderen Schlachthöfen stammt.

(Foto: Florian Peljak)

Obwohl hier immer noch Schweine und Rinder geschlachtet werden, steht auf dem Münchner Schlachthof heute eher der Verkauf im Vordergrund. Und es gibt noch mehr Pläne für die Zukunft des Geländes.

Von Tilman Schröter

Ein Rind liegt noch einsam herum, der Rest des Zulaufs zur Schlachtung ist leer. Ein paar Häuser weiter pickt eine Krähe in einer kleinen Blutpfütze. Geschäftig laufen Männer und Frauen in weißen Kitteln und mit weißen Hauben über den Hof, Lieferwagen fahren aufs Gelände, Blutgeruch liegt in der Luft. Schilder von Fleischhändlern sind allgegenwärtig, Kunden stehen Schlange an den Verkaufsständen. Es herrscht geschäftiges Treiben im Münchner Schlachthof. Doch inzwischen hat man den Eindruck, dass auf dem Gelände eher der Verkauf als die Schlachtung von Tieren im Vordergrund steht.

Anfang der 2000er Jahre wurden die Schlachtbetriebe für Rinder und Schweine privatisiert, der Hof hat sich über die Zeit stark verkleinert. An der Kapuzinerstraße hat in einem großen Teil der ehemaligen Anlage das Arbeitsamt seinen Platz gefunden. Die Geschäfte, so ist von Beschäftigten auf dem Schlachthofgelände zu hören, seien schwierig. Die Fleischbranche sei durch Preisdumping kaputt gemacht worden, Fleisch werde auch von außen zur Verarbeitung angeliefert. Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen.

Die Desinfektion von Fleischtransportern wird auf dem Viehhof durchgeführt.

(Foto: Florian Peljak)

Die Schlachtbereiche sind seit gut zehn Jahren an zwei GmbHs verpachtet: an die Schweineschlachtung und die Schlachthof Betriebs GmbH, die Rinder tötet und zerlegt. Hinter der Schweineschlachtung stehen die großen Drei der Münchner Fleischbranche: Vinzenzmurr, MRT Leidmann und Fleischgroßhandel Bauer, sie sind zugleich diejenigen, deren Tiere dort fast ausschließlich geschlachtet werden. Für kleinere Metzger lohnt es sich kaum noch, selbst zu schlachten. Fleisch ist so billig, dass nur die Masse Gewinn bringt. Hinter der Rinderschlachtung, die 8000 Quadratmeter des Schlachthofs gepachtet hat, steht die Firma Attenberger. Sie kann nach eigenen Aussagen 70 Tiere in der Stunde schlachten, wie viele es tatsächlich sind, ist nicht zu erfahren.

Es ist ein verschlossenes Metier. Vor drei Jahren gab es mächtig Ärger auf dem Gelände. Da verloren 25 Schweineschlachter über Nacht ihren Auftrag, den sie 30 Jahre lang erfüllt hatten: als Gemeinschaft, per Werkvertrag hatten sie Sauen getötet und halbiert, zum Stückpreis von 2,50 Euro, plus 4300 Euro Reinigungspauschale monatlich. Als ihre Auftraggeber den Preis drücken wollten, kam das Aus. Die Arbeit übernahmen, wie an nahezu allen deutschen Schlachthöfen, Schlachter aus Osteuropa.

Die Rinderbetäubung ging früher noch ein wenig rustikaler vonstatten, wie dieses Relief zeigt.

(Foto: Florian Peljak)

Die Behörden und Politiker hüllten sich damals zu den Vorgängen in Schweigen, denn seit 2004 ist die Stadt nur noch der Betreiber des Geländes. "Das ganze Schlachthofgelände ist zwar in städtischem Besitz, allerdings gilt für die Privateigentümer das Erbbaurecht", sagt Gerhard Harter, Verwaltungsleiter des Eigenbetriebs, zu dem auch Viehhof und Großmarkthalle gehören. Dass der Schlachtbetrieb geschrumpft ist, wundert Harter nicht. "Das Konsumverhalten hat sich verändert", das merke man daran, dass immer mehr Schlachthöfe zusammengelegt werden. "Es wird weniger geschlachtet, wenn weniger Bedarf da ist", so Harter.

Polizei erschießt Kuh

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