Und auch Karlheim kann weglassen. Er tut das oft, so wie er meist einige Sekunden überlegt, bevor er antwortet. Etwa bei der Frage, warum er Kommunikationswissenschaften, Psychologie und Soziologie studiert hat. "Um es abzuschließen." Ein Satz, der durch seine überraschende Einfachheit wie eine Pointe wirkt. Auch ein Bogner-Satz.

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Der Regisseur erinnert sich an das erste Gespräch mit Karlheim, 2001. "Er folgt seiner inneren Linie", sagt Bogner, und der Filmemacher folgt damals wohl einer inneren Eingebung, als er Karlheim zunächst für drei Folgen von "Café Meineid" engagiert, ehe er ihn 2003 zum Polizisten Felix Kandler in "München 7" macht. Drei Jahre lang wird dafür jeden Sommer gedreht. Und was macht er den Rest der Zeit? "Zu der Arbeit gehört dazu, dass man nicht arbeitet - und das muss man können." Karlheim studiert.

Wer dem Mann gegenübersitzt und die Figur des Polizisten Kandler kennt, könnte glauben, dass eine große innere Ähnlichkeit zwischen beiden besteht. Ist das so? Pause, der rechte Mundwinkel geht hoch, die Luft zischt. "Die Frage ist doch: Wie viel Platz bekommt man, etwas von sich selbst in der Figur unterzubringen." Jemand, der sich noch mit in die U-Bahn quetscht, hätte vielleicht gesagt, er versuche, möglichst viel von sich selbst in der Figur zu zeigen.

Die Figur des Felix Kandler ist die eines jungen Polizisten, der aus seiner Zeit als Neuperlacher Kleinkrimineller den Spitznamen "Fexer" hat. Warum der Name Fexer? "Es schadet nicht, eine besondere Verbindung zu den Dingen zu haben, die nicht jeder wissen muss", sagt Karlheim. In dem Fall ist das Geheimnis, dass Bogner seinen Figuren gerne Namen gibt, in denen auch das X aus seinem Zweitnamen vorkommt.

Karlheim hat ein besonderes Verhältnis zur Schauspielerei. "Mir geht es um den Moment vor der Kamera." Und nicht um den Auftritt abseits des Drehorts. Kurz: "Nicht um die Zweitverwertung". Sich etwa, wie manche Kollegen, auf roten Teppichen fotografieren zu lassen, macht er nicht. Er tritt kaum in der Öffentlichkeit auf, gibt auch keine Interviews.

"München 7" wird 2006 in kürzester Zeit gefeiert und bald viel zitiert, wie schon Bogners Klassiker "Irgendwie und Sowieso". Karlheim spielt anschließend weiter bei Bogner, in der Serie "Der Kaiser von Schexing", ist zu sehen im Niederbayernkrimi "Sau Nummer vier", bei Soko 5113 sowie 2010 in "Orange" von Marcus H. Rosenmüller.

Vom 7. März an zeigt nun die ARD acht neue Folgen von "München 7". Bogner sagt: "Karlheim hat einen unheimlichen Sprung gemacht." Er habe jetzt eine feine Lässigkeit vor der Kamera. Und die Figur sei noch interessanter geworden. Stur, willensstark und doch lässig - offenbar hat Karlheim von Bogner viel Platz bekommen, um etwas von sich selbst in seiner Rolle unterzubringen.

Die Leute erkennen den Blonden mittlerweile, wenn der in der Innenstadt unterwegs ist. Wo Kandler auf Streife ist, zwischen Marienplatz und Viktualienmarkt, da ist Karlheim privat gerne. "Am Markt", da hat er seit Jahren seine Stammstände, so wie er seine Freunde hat seit Schulzeiten, da bleibt er sich treu, auch in dem was er schätzt.

Markt oder Gärtnerplatz? Er lacht, zum ersten Mal, wobei es mehr ein Grinsen ist mit einer Spur Unglauben. Er könnte erklären, warum ihm der Gärtnerplatz nicht taugt, aber er lässt das alles weg und antwortet in seiner Sprache: "Bekomme ich am Gärtnerplatz eine Leberkassemmel?"

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  1. Auf der inneren Linie
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(SZ vom 28.01.2012/tob)