Sanierung des Stadtklinikums Arbeiten auf eigene Gefahr

Auch das Schwabinger Krankenhaus dürfte als städtisches Klinikum vom Sanierungsplan betroffen sein.

(Foto: Catherina Hess)
  • Zunehmende Personalknappheit und die Ungewissheit über die Zukunft des städtischen Klinikums führen zu Arbeitsbedingungen, die auch zu Lasten der Patienten gehen können.
  • Nach Angaben von Arbeitsdirektorin Susanne Diefenthal sind derzeit 50 Vollzeitstellen in der Pflege unbesetzt.
  • 2000 Stellen sollen abgebaut werden, aber nicht bei den Pflegern, sondern vor allem in der Verwaltung.
Von Dominik Hutter

Der Sanierungsprozess im städtischen Klinikum hat nach Einschätzung von Betriebsräten ein kritisches Stadium erreicht. Die Verdi-Arbeitnehmervertreter haben sich mit einem Brandbrief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gewandt. Ihre Klage: Zunehmende Personalknappheit und die Ungewissheit über die Zukunft des Unternehmens führten zu Arbeitsbedingungen, die immer wieder auch zu Lasten der Patienten gingen. Viele Mitarbeiter kehrten dem Unternehmenden Rücken.

Es liege bereits eine Reihe sogenannter Gefährdungsanzeigen vor, "in denen oft detailliert beschrieben wird, dass die Beschäftigten eine Gefährdung der Patienten und auch ihrer eigenen Gesundheit nicht mehr ausschließen können", steht in dem von elf Gewerkschaftern unterzeichneten Brief. In vielen Abteilungen gebe es keine verlässlichen Dienstpläne, Pausen entfielen, die gesetzlichen Arbeitszeiten würden überschritten, Beschäftigte würden zu jeder Tages- und Nachtzeit angerufen und zum Dienst gebeten. Mit Gefährdungsanzeigen weisen Mitarbeiter ihre Vorgesetzten auf eigene Überlastung hin.

Der jetzige Zustand sei "problematisch"

Heikel ist die Situation offenbar vor allem bei den Pflegekräften. "Über die Fluktuation wurden in diesem Bereich mehr Arbeitsplätze abgebaut, als man eigentlich wollte", berichtet die Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich, die im Aufsichtsrat des Klinikums sitzt. Dabei solle der Personalabbau laut Sanierungskonzept nicht bei den Pflegern, sondern vor allem in der Verwaltung stattfinden. Dietrich mahnt dringend Ideen an, wie man das Klinikum für Pflegekräfte attraktiver machen kann. Der jetzige Zustand sei "problematisch".

Verdi kündigt Großkonflikt an

Lohnkürzungen und längere Arbeitszeiten für Mitarbeiter des Münchner Stadtklinikums will die Gewerkschaft Verdi nicht hinnehmen. Im Stadtrat zeichnet sich dagegen eine Mehrheit für das Konzept ab. Von Dominik Hutter und Katja Riedel mehr ...

Tatsächlich sind nach Angaben von Arbeitsdirektorin Susanne Diefenthal 50 Vollzeitstellen in der Pflege unbesetzt. Eine Folge des Sanierungsprozesses sei dies aber nicht, Pflegestellen würden nicht eingespart. Man bemühe sich intensiv, neue Mitarbeiter zu rekrutieren, auch aus dem Ausland, sagt Diefenthal. Die Geschäftsführung kümmere sich gezielt um Brennpunkte wie etwa aktuell den OP-Bereich des Klinikums Harlaching. Verschärft würden die Personalengpässe derzeit durch die Grippewelle. Gefährdungsanzeigen habe es auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben, sagt die Arbeitsdirektorin. Sie seien ein "probates Mittel", um auf Probleme hinzuweisen.

Sanierungskonzept sieht Abbau von 2000 Stellen vor

Nach Beobachtungen der Verdi-Betriebsräte passiert allerdings nicht genug. Viele Beschäftigte versuchten bis zum Ende ihrer Kräfte, Abteilungen am Laufen zu halten. Zudem gebe es bis heute kein klares Konzept, wie mit Mitarbeitern umzugehen ist, deren Abteilung geschlossen oder mit einer anderen zusammengelegt wird. Dabei stehen die gravierendsten Veränderungen noch bevor - wenn der Stadtrat im Sommer das Sanierungsumsetzungskonzept absegnet, das unter anderem den Abbau von 2000 Stellen vorsieht.

Zu diesem Kernpunkt der Sanierung hat es bislang nur Sondierungsgespräche gegeben. Dort seien Forderungen laut geworden, auf die sich die Gewerkschaft auf gar keinen Fall einlassen könne, sagt der zuständige Verdi-Fachbereichsleiter Dominik Schirmer. Diefenthal habe gleich zu Beginn des Gesprächs klargemacht, dass es um dauerhafte Lohneinbußen gehen müsse. "Wenn man die Gespräche scheitern lassen will, muss man mit solchen Forderungen kommen", ärgert sich Schirmer. 2000 Stellen fallen weg, dazu komme Mehrarbeit für alle Verbleibenden, das sei doch bereits ein enormer Sanierungsbeitrag der Beschäftigten. "Welchen noch größeren Anteil kann man denn erbringen?", fragt Schirmer, der auch im Aufsichtsrat sitzt. Denkbar sei allenfalls ein abgesenkter Sanierungstarif auf Zeit, bis es dem Unternehmen besser gehe.

Diefenthal hingegen erinnert daran, in welch schwieriger finanzieller Situation sich das Klinikum befinde. Bei einer Sanierung könne man es nie allen recht machen.