Sanierung des Konzertsaals Stadt legt Gasteig-Pläne auf Eis

Eine "akustische Optimierung" des Gasteigs hatte OB Christian Ude versprochen - doch derzeit sieht es nicht so aus, als würden die Pläne umgesetzt. Eine Entscheidung werde nicht vor der Landtagswahl 2013 fallen, sagt Kulturreferent Küppers. Die CSU ist empört.

Von Peter Fahrenholz, Christian Mayer und Christian Krügel

Wird vorerst offenbar nicht saniert: der Gasteig.

(Foto: dpa)

Die Stadt rückt immer weiter von ihrem Versprechen ab, den Gasteig umfassend zu sanieren und dabei auch die seit langem beklagte Akustik der Philharmonie zu verbessern. Faktisch legt die Stadt ihre Pläne vorerst auf Eis. Die Stadtrats-CSU warnt bereits davor, die Zukunft des Gasteigs werde "vergeigt".

Die Münchner Philharmoniker als Hauptnutzer des Gasteigs hatten in einem Brief an Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) beklagt, wegen der ungeklärten Situation um den Bau eines zweiten Konzertsaals werde die Sanierung des Gasteig auf die lange Bank geschoben.

Der zuständige Kulturreferent Hans-Georg Küppers reagierte ausweichend auf die Vorwürfe. Der Aufsichtsrat der Gasteig GmbH habe beschlossen, 2013 Gespräche mit den Gasteig-Nutzern über "notwendige Maßnahmen zur Verbesserung" für die Philharmoniker, die Volkshochschule und die Stadtbibliothek zu führen, teilte Küppers mit. Wenn die Nutzer ihre Wünsche geäußert hätten, werde "erneut diskutiert, was davon umgesetzt werden kann und ob eine Finanzierung überhaupt möglich ist".

Träume aus Stahl und Glas

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Die Entscheidung darüber werde der Stadtrat treffen. Oberbürgermeister Christian Ude will sich derzeit überhaupt nicht öffentlich zum Thema Gasteig äußern.

Das hatte vor mehr als eineinhalb Jahren, im März 2011, noch ganz anders geklungen. Da hatte Ude den Symphonikern des Bayerischen Rundfunks einen Kooperationsvorschlag für eine gemeinsame Nutzung des Gasteigs unterbreitet, um damit den Bau eines neuen Konzertsaals überflüssig zu machen. Ude hatte eine "akustische Optimierung" des Gasteigs angekündigt.

Gasteig-Chefin Brigitte von Welser hatte schon das Modell eines neuen Konzertsaals präsentiert, der in den bestehenden Saal hineingebaut werden sollte. Auch eine grobe Kostenschätzung hatten die Verantwortlichen bereits vorgelegt. Bei der Nutzung durch nur ein Orchester sollte die Sanierung 60 Millionen Euro kosten, bei zwei Orchestern hätte sich der Umbau um weitere zehn Millionen Euro verteuert.

Das scheint jetzt alles in weite Ferne gerückt. Grünen-Fraktionschef Florian Roth, der auch Mitglied im Gasteig-Aufsichtsrat ist, sagte, die Entscheidung über einen Umbau des Gasteigs werde "sicher nicht vor der Landtagswahl 2013 fallen". Dann müsse es "mittelfristig" um eine akustische Verbesserung gehen. Vorher seien aber "die anderen am Zug". Der Freistaat müsse erklären, ob nun ein neuer Konzertsaal für die BR-Symphoniker gebaut werde oder nicht.

Die Stadtrats-CSU übte scharfe Kritik an der neuerlichen Verzögerung. Es sei ein "schwerer Fehler" die Verbesserung der Akustik im Gasteig vom "Nicht-Bau eines weiteren Konzertsaals" abhängig zu machen, erklärte CSU-Stadtrat Richard Quaas. Damit werde die Konkurrenzfähigkeit der Philharmonie im Gasteig "bewusst aufs Spiel gesetzt". Quaas' Kollegin Beatrix Burkhardt machte die rot-grüne Rathausmehrheit für den "Sanierungsstau" verantwortlich. Die Philharmoniker und die Besucher des Gasteigs seien "Opfer jahrelanger Fehlplanungen und des ewigen Zögerns seitens der Stadtspitze".

Die Verantwortlichen des BR-Symphonieorchesters reagierten auf die neue Diskussion um den Gasteig zurückhaltend. Sie verweisen auf die Stadtratsdebatte vom Februar: Damals hatte Symphoniker-Intendant Stephan Gehmacher betont, dass eine Modernisierung der Philharmonie auch unabhängig von der Frage eines weiteren Konzerthauses dringend notwendig sei. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", sagte Gehmacher damals. Gerade nach einem Auszug der BR-Symphoniker müsse es im Interesse der Stadt sein, eine konkurrenzfähige, moderne städtische Philharmonie zu haben.

Auch in den Augen von Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) hat eine Sanierung des Gasteigs nichts mit dem Bau eines neuen Konzertsaals zu tun. Die Stadt müsse "aus Fürsorge für ihr eigenes Orchester" handeln. "Das ist Hausaufgabe der Stadt", erklärte Heubisch.