MVG Neues Nahverkehrsangebot: Busse ohne Linien

Von Herbst an bis voraussichtlich Mitte 2020 findet eine öffentliche Testphase für die neuen Sammeltaxis statt.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Münchner Verkehrsgesellschaft will künftig ihr Angebot um Sammeltaxis erweitern.
  • Über eine App bestellt der Fahrgast ein Fahrzeug, das er sich mit anderen Gästen teilt. Die Fahrtroute legt ein Algorithmus unter der Berücksichtigung anderer Fahraufträge fest, ein- und aussteigen lässt sich nur an ÖPNV-Haltepunkten.
  • Der Preis soll sich laut MVG-Projektleiter Andreas Steinbeißer irgendwo zwischen ÖPNV und Taxi einpendeln.
Von Andreas Schubert

Bei Anruf Tiger: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) will künftig ihr Angebot um Sammeltaxis erweitern. Und weil Sammeltaxis nichts Neues sind und der Service nicht mehr per Telefon geordert wird, sondern per App, muss das alles schon mal ganz anders heißen. "IsarTiger" nennt sich das Angebot, natürlich offiziell geschrieben mit Binneninitial, wie man es heute halt so macht. Und es ist auch kein Sammeltaxi, sondern ein "On-Demand-Service" respektive ein "Ridesharing-Angebot".

Zunächst wird das System getestet. Von Mitte Juni an dürfen ausgewählte Inhaber des Isarcard-Abos den Service für drei Monate kostenlos nutzen, begleitet wird das Ganze mit einer Marktforschung. Von Herbst an bis voraussichtlich Mitte 2020 findet eine öffentliche Testphase für jedermann statt, das kostet dann allerdings etwas. Wie teuer eine Fahrt mit dem Isar-Tiger wird, ist noch offen. Der Preis soll sich laut MVG-Projektleiter Andreas Steinbeißer irgendwo zwischen ÖPNV und Taxi einpendeln.

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Das Ganze funktioniert so: Der Kunde lädt sich die MVG Isar-Tiger-App auf sein Smartphone und bestellt sich so den Fahrdienst. In der App, die es für die Betriebssysteme iOs und Android geben wird, gibt er zunächst sein Ziel innerhalb des Bediengebiets an. Daraufhin prüft das System, welches Fahrzeug zur Verfügung steht und macht dem Kunden ein individuelles Angebot. Vorgeschriebene Linienwege und Fahrpläne gibt es nicht. Die genaue Fahrtroute legt ein Algorithmus unter Berücksichtigung von Fahraufträgen weiterer Kunden fest, die unterwegs als Mitfahrer zusteigen können.

Wer den Service ordert, zahlt einen Preis, der sich aus einer Grundpauschale und einem Kilometerpreis zusammensetzt. Wenn ein Fahrgast Glück hat, steigt niemand anderes zu und das Ziel wird direkt und ohne Umweg angefahren. Wenn weitere Fahrgäste einsteigen, verlängert sich zwar der Weg, der vorab errechnete Fahrpreis bleibt aber gleich. Mitfahrer innerhalb einer Buchung zahlen pauschal nur die Hälfte, für Isarcard-Abokunden gelten Sonderpreise.

Der Fahrgast bestimmt zwar vorab sein Ziel, ein- und aussteigen kann er aber nur an offiziellen ÖPNV-Haltepunkten. 450 davon sind derzeit im Geschäftsgebiet vorgesehen, die App zeigt dem Fahrgast den jeweils kürzesten Weg zum Haltepunkt an, das kann eine U-Bahn-Station sein, eine Tram- oder Bushaltestelle. Ebenso ist auf der App ersichtlich, wann das angeforderte Auto kommt. Nach der Fahrt bekommt der Nutzer eine Rechnung per E-Mail, die Zahlung erfolgt über die App.

Das Geschäftsgebiet ist 33 Quadratkilometer groß und umfasst teilweise die Bezirke Moosach, Neuhausen-Nymphenburg, Laim, Schwanthalerhöhe, Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, Maxvorstadt und Schwabing West, nicht alle Bezirke sind dabei komplett abgedeckt. Die MVG ist bei dem Projekt nicht alleine. Die Software stellt das Berliner Unternehmen door2door zur Verfügung. Ähnliche Pilotprojekte gibt es auch in anderen Städten, zum Beispiel in Berlin. Doch die MVG ist das erste Verkehrsunternehmen, das eine Einführung konkret als Ziel hat. 20 Fahrzeuge gehören zur Isar-Tiger-Flotte. Diese besteht aus VW-Caddys m it Erdgas-Antrieb und Platz für bis zu sechs Personen sowie - während der Testphase - auch aus VW eGolfs und BMW i3, in die bis zu drei Passagiere passen.

MVG-Geschäftsführer Ingo Wortmann bezeichnet das Angebot als "Mobilität nach Maß". Es schließe Lücken, die der klassische öffentliche Nahverkehr nicht schließen könne, etwa in Gebieten, in denen sich ein Bus nicht rentiere. Zunächst wird der Service freitag- und samstagabends von 19 bis 2 Uhr getestet, von Herbst an (nach dem Oktoberfest) auch an Sonntagen. Door2door-Chef Tom Kirschbaum erklärt, das System könne maßgeblich zur Luftreinhaltung beitragen. Laut einer OECD-Studie können drei Shuttles im Sharing-System 100 private Autos ersetzen. Einen gegenteiligen Effekt habe der Fahrdienst Uber. Seit der in New York eingeführt wurde, sind dort mehr als 50 000 Autos als Uber-Taxis unterwegs. Weitere Infos über das neue Angebot unter mvg.de/isartiger.

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