Zwiespältige Reaktionen
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Den Frust hat die Singspiel-Truppe danach mit Bier hinuntergespült, und natürlich ging auch die Diskussion los: Ist es richtig, das Spektakel abzusagen, oder hätte man die Starkbierprobe durchziehen sollen. "Die Meinungen gingen auseinander", berichtet Demmelhuber. Sie selbst sei "ein bisschen zwiegespalten", aber sie hätte es doch lieber gesehen, wäre die Veranstaltung über die Bühne gegangen. Und für den Fall, die politische Prominenz wäre ferngeblieben, hätte sie auch eine Lösung parat gehabt: "Warum nicht das Derblecken für das normale Publikum öffnen?" Man hätte es als Benefizveranstaltung deklarieren und die Eintrittsgelder den Angehörigen der Opfer zur Verfügung stellen können.
Schauspieler Michael Lerchenberg, der als Bruder Barnabas die Bußpredigt halten sollte, hat Verständnis für die Verlegung. "Man muss der Situation Rechnung tragen, wenn Staatstrauer angesagt ist." Ohnehin wäre die Stimmung angesichts der Ereignisse "nicht sehr lustig" gewesen. Natürlich sei es für einen Künstler nicht angenehm, wenn einem nach langer Arbeit "der Teppich unter den Füßen weggezogen wird". Er habe einen gewissen Adrenalinspiegel aufgebaut; dass dies nun vorerst vergebens war, "muss man erst mal verkraften".
Nach der Entscheidung vom Donnerstagabend wirkte er sichtlich erleichtert. "Ich freue mich, dass ich die Fastenpredigt nun doch halten kann." Wochenlang hatten er und sein Co-Autor Springer daran gearbeitet. Allerdings werden die beiden die Rede nun noch einmal aktualisieren müssen. Auch Regisseurin Eva Demmelhuber und die Autoren Holger Paetz und Uli Bauer werden kaum umhin kommen, ihr Singspiel zu überarbeiten.
Neue Rituale?
Ministerpräsident Horst Seehofer, der bereits am Mittwochnachmittag erwogen hatte, dem Starkbieranstich fernzubleiben, hält die Verschiebung für richtig: "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung der Paulaner-Brauerei." Ganz unbeteiligt an der vorläufigen Absage war Seehofer insofern nicht, hat er doch mit den Verantwortlichen der Paulaner-Brauerei sowie mit OB Christian Ude über die Frage gesprochen, was zu tun sei.
Es ist nun davon freilich auszugehen, dass der 2. April in den Terminplan des Ministerpräsidenten passt - auch wenn für die erste Aprilwoche wichtige Sitzungen anstehen. Sein Erscheinen ist nicht zuletzt deshalb plausibel, weil er als Ministerpräsident bei diesem Ereignis eine mehr oder minder offizielle Aufgabe hat. Es hat sich eingebürgert, dass dem bayerische Regierungschef auf der Nockherbergbühne der erste Schluck des neuen Gebräus kredenzt wird, und dies mit dem Trinkspruch "Salve pater patriae! Bibas princeps optime!" (Sei gegrüßt, Vater des Vaterlandes! Trinke, bester Fürst!) In welcher Form er diese Aufgabe am 2. April erfüllt, ist unklar: Schließlich gibt es dann keinen Salvatoranstich - die Veranstaltung trägt ja den Titel "Nachg'schenkt auf dem Nockherberg". Dafür müssen nun womöglich neue Rituale erfunden werden.
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(SZ vom 13.03.2009/vw)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
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