S-Bahn Wegen Verspätung: Deutsche Bahn muss hohe Strafen zahlen

Für jeden verspäteten Zug muss die Bahn Strafe zahlen.

(Foto: dpa)
  • Als Betreiber der meisten Regionalzüge und sämtlicher S-Bahnen im Freistaat muss die Deutsche Bahn Strafen in Höhe von 13,4 Millionen Euro zahlen.
  • Die Konkurrenten der DB mussten insgesamt 4,5 Millionen Euro an die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) abführen.
  • Vielen Bahn-Kritikern reichen die Strafen allerdings nicht aus, um genügend Druck auf die Anbieter auszuüben.
Von Marco Völklein

Die Deutsche Bahn (DB) hat im vergangenen Jahr Strafzahlungen in Höhe von 400 000 Euro an den Freistaat leisten müssen, weil die Münchner S-Bahnen verspätet oder mit anderen Qualitätsmängeln unterwegs waren. Damit hat der Konzern etwa doppelt so viel gezahlt wie 2014, wie aus einer Übersicht der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) hervorgeht.

Die BEG bestellt und bezahlt die Leistungen im Schienennahverkehr im Freistaat bei der DB und bei deren Konkurrenten. Fahren die Züge unpünktlich, ohne die vereinbarte Zahl an Zugbegleitern oder mit geringerer Wagenanzahl als bestellt, so behält die BEG Abschläge von ihren Zahlungen ein, die sogenannten Pönalen.

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Im Vergleich zum Vorjahr schnitt die Münchner S-Bahn schlechter ab: 2014 hatte der Konzern als Betreiberin der Züge nur 200 000 Euro Strafe zahlen müssen. Vor einigen Wochen hatte die BEG eine Statistik vorgelegt, wonach sich die Zahl der Verspätungsminuten bei der S-Bahn im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr um etwa ein Drittel auf 130 000 erhöht hatte. Die BEG hatte damals Großstörungen als Ursachen genannt, etwa den Sturm Niklas im Frühjahr sowie einen Vorfall im Oktober, als sich eine Strickjacke in der Oberleitung verfangen und einen Kurzschluss im S-Bahn-Tunnel ausgelöst hatte. 2013 hatte die DB für die Münchner S-Bahn aber noch 1,6 Millionen Euro abführen müssen.

Viele Geschwindigkeitsreduzierungen wegen Sturmwarnungen

Aber auch bayernweit hatten die Eisenbahnbetreiber im vergangenen Jahr mit einigen Härten zu kämpfen. Die Gesamtsumme der Pönalen aller Betreiber stieg gegenüber dem Vorjahr um mehr als sieben Millionen auf insgesamt 18,7 Millionen Euro.

So hätten unter anderem ein "massiv gestiegenes Bauvolumen" sowie "Probleme in den Neigetechniknetzen" den Betrieb im bayerischen Eisenbahnnetz beeinträchtigt, sagt der Leiter des BEG-Qualitätsmanagements, Wolfgang Oeser. Zudem hätten "Geschwindigkeitsreduzierungen aufgrund von Sturmwarnungen" zahlreiche Bahnunternehmen ausgebremst.

So musste allein die Deutsche Bahn als Betreiber der meisten Regionalzüge und sämtlicher S-Bahnen im Freistaat Pönalen in Höhe von 13,4 Millionen Euro zahlen, die Konkurrenten der Deutschen Bahn, also zum Beispiel die Anbieter Agilis, Bayerische Oberlandbahn (BOB) oder Alex, führten insgesamt 4,5 Millionen Euro an die BEG ab.

Fahrgastverbände fordern höhere Strafen

Vielen Bahn-Kritikern reichen die Strafen allerdings nicht aus, um genügend Druck auf die Anbieter auszuüben. Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) wie auch des Fahrgastverbands Pro Bahn fordern immer wieder, die Pönalensummen für Verspätungen und andere Qualitätsmängel deutlich anzuheben.

Nur so könne der Freistaat sicherstellen, dass die Unternehmen ihre Leistungen deutlich verbesserten. Nicht selten investiert die BEG die einbehaltenen Gelder über Umwege wieder in das Schienennetz - und lässt sie so den "bestraften" Unternehmen über Umwege wieder zukommen. Eine "erzieherische Wirkung" habe diese Praxis daher kaum, kritisieren die Verbände.

Im Falle der Münchner S-Bahn wird sich ohnehin bald zeigen, wie ernst es dem Freistaat ist. So hatte Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) im Februar zusammen mit BEG-Chef Johann Niggl entschieden, die DB mit dem Betrieb der Münchner S-Bahn auf jeden Fall bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein betrauen zu wollen.

Die konkreten Vertragsdetails werden nun im Laufe des Jahres zwischen der DB und der BEG ausgehandelt. Dabei werde man auch versuchen, Verbesserungen bei der Qualität zu erzielen, hatte Niggl erklärt.

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