Brauchen wir mehr oder weniger Videokameras in U- und S-Bahn? Ein Gespräch mit dem MVG-Verantwortlichen Günther Pedall.
Im Bereich der Münchner U- und S-Bahnen kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Reaktion auf derartige Zwischenfälle hat eine Erhöhung der Kameradichte in U- und S-Bahnhöfen und in den Zügen zur Folge. Ein Gespräch mit Günter Pedall, dem Leiter der Sparte U-Bahn bei den Stadtwerken München (SWM), über Überwachungskameras und Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr in München.
Günter Pedall leitet die Sparte U-Bahn bei den Stadtweken München. (© Foto: privat)
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sueddeutsche.de: Herr Pedall, die Zahl der Überwachungskameras in U-Bahnhöfen, Bussen und Straßenbahnen hat zugenommen. Haben wir im öffentlichen Nahverkehr eine Situation wie bei Big Brother?
Günter Pedall: Nein. Die Kameras dienen uns ja nicht zur umfassenden Überwachung der Fahrgäste, sondern zur Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs des Betriebs, zur Abschreckung von Straftätern und nur im Fall des Falles zur Aufklärung.
sueddeutsche.de: Aber es besteht doch ein Zusammenhang zwischen der wachsenden Zahl der Überwachungskameras und der Zahl der Straftaten in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Pedall: Die Kameras sollen die Sicherheit unserer Kunden erhöhen. Und die befürworten das auch: Videokameras tragen Untersuchungen zufolge wesentlich zum subjektiven Sicherheitsgefühl der Fahrgäste bei. Auch deshalb wird die Kameradichte erhöht. Derzeit sind in München im Bereich von U-Bahn, Bus und Straßenbahn circa 1500 Kameras im Einsatz, auch die Fahrzeuge werden zur Zeit ausgerüstet.
sueddeutsche.de: Glauben Sie, dass sich die Zahl der Straftaten durch eine noch höhere Kameradichte reduzieren lassen würde?
Pedall: Wir beobachten in den vergangenen zwei Jahren einen Rückgang der Gewalttaten im Bereich der U-Bahn. In Fahrzeugen mit Videoüberwachung gibt es auch weniger Vandalismusschäden. Einen nennenswerten Beitrag leisten die Videobilder vor allem bei der Aufklärung von Straftaten. Wer im Bereich der MVG eine Straftat verübt, muss mit größter Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass er identifiziert und bestraft wird. Es scheint logisch, dass das abschreckend wirkt.
sueddeutsche.de: Wie lange werden die Aufzeichnungen gespeichert und was wird gefilmt?
Pedall: Alles, was in den Bereich einer Kamera fällt, wird auch aufgenommen. Die Aufzeichnungen aus den Bahnhöfen speichern wir sieben Tage, danach werden die Bilder überschrieben.
sueddeutsche.de: Wer überwacht die Kameras?
Pedall: Im MVG-Betriebszentrum überprüfen Mitarbeiter mit Hilfe der Live-Bilder stichprobenmäßig oder anlassbezogen, ob alle Abläufe funktionieren. Die gespeicherten Bilder werden nur ausgewertet, wenn etwas passiert ist.
sueddeutsche.de: Aber Zwischenfälle melden Ihre Mitarbeiter doch?
Pedall: Wenn Sie Vorfälle beobachten, wird umgehend die U-Bahnwache informiert, und wenn es sein muss auch die Polizei.
sueddeutsche.de: Haben sich noch nie Fahrgäste über die zunehmende Zahl der Kameras beschwert?
Pedall: Nein, Beschwerden liegen uns keine vor. Im Gegenteil, es wird noch mehr Videoausrüstung gefordert. Auch der Stadtrat wünscht sich noch mehr Überwachungskameras im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel. Und auch die S-Bahn rüstet jetzt nach.
sueddeutsche.de: Wo liegt denn da die Grenze nach oben?
Pedall: Die Installation und Instandhaltung jeder Kamera ist teuer. Letztlich bezahlen das unsere Fahrgäste über die Fahrpreise, wir haben also gar kein Interesse an einer unbegrenzten Anzahl neuer Überwachungskameras, sondern lassen uns ausschließlich von der Zweckmäßigkeit leiten.
(sueddeutsche.de/wib/cmat)
Kapitalabzug aus Südeuropa
Die neueste Antwort
"Wir beobachten in den vergangenen zwei Jahren einen Rückgang der Gewalttaten im Bereich der U-Bahn."
In letzter Zeit wird einem in den nachrichten eher suggeriert, dass das Gegenteil der Fall ist.
Auch die Erfahrungswerte aus London zeigen, dass trotz der dortigen Einführung einer flächendeckender Videoüberwachung kein Rückgang der Gewalttaten erkennbar ist.
Etwas verwundert bin ich zudem, dass heutzutage jede Schlägerei in U-Bahnen einen Platz in den Nachrichten findet.
Ich persönlich wurde in den 1980er Jahren dreimal in der U-Bahn von betrunkenen körperlich angegriffen. Trotz Anzeige kam sowas damals nicht in den Nachrichten. Hier ist wohl am ehesten eine Veränderung festzustellen.
"In Fahrzeugen mit Videoüberwachung gibt es auch weniger Vandalismusschäden."
Mag sein. Das ist wohl das eigentliche Anliegen des MVG.
Kontrolle und Aussieben von Gewalttätern wäre natürlich noch besser. Allerdings müsste dann Sicherheitspersonal immer vor Ort sein bzw. mitfahren.
Bei Videoüberwachung erwartet man natürlich keine gelangweilten und schlafenden "Zuschauer"; sondern Sicherheitsleute, die sofort Alarm geben und schnelle Hilfe anfordern, wenn Situationen eskalieren.
Sämtliche Fälle die es in den letzten Monaten in die Schlagzeilen geschafft haben, haben gemeinsam, dass den Tätern einfach das bisschen Hirn fehlt, dass notwendig ist, um die Transferleistung von der Kamera zur Aufklärung und Bestrafung der Tat herzustellen.
Mehr Kameras führen dazu, dass die Polizei mehr fernsieht. Gegen einen gewissen Restsatz an gewaltbereiten Hohlköpfen im ÖPNV helfen aber nur Kontrolle und Aussieben beim Zugang und während der Fahrt.
Die Fragestellungen im Artikel sind ganz klar "kontra" Videoüberwachung.
Ich bin grundsätzlich gegen Überwachung, befürworte allerdings aus Vernunftsgründen Videoüberwachung in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Gefahrenprävention und Abschreckung. Außderdem können auch Sachbeschädigungen aufgeklärt werden.
Auch ohne Überwachung wird der Nahverkehr jährlich teurer. Ich bin überzeugt, daß die Mehrheit der Fahrgäste Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit befürworten.
Die schrecklichen Ereignisse der letzten Monate zeigen dies ganz deutlich!
Schon klar, ich kenne niemanden der diesen Überwachungswahnsinn gutheißt und mir ist es auch nur deshalb vollkommen egal was da geschieht, weil ich als Ganzjahres-Radler den MVV nicht nutze und auch nie nutzen werde.
Irgendwie schon recht absurd, dass die Leute für den MVV so viel zahlen und dafür auch noch die BigBrother-Infrastruktur mitfinanzieren, mit der ihre Wege nachvollzogen werden können.
Da kauf ich mir lieber alle 2 Jahre ein schönes, neues Bike vom gesparten Geld.
Aber wer glaubt diese Stasi-Infrastruktur schützt ihn vor Straftaten und vielleicht sogar noch vor Grippeviren, der soll das ruhig weiter glauben!