Interview: Christiane Wild

Brauchen wir mehr oder weniger Videokameras in U- und S-Bahn? Ein Gespräch mit dem MVG-Verantwortlichen Günther Pedall.

Im Bereich der Münchner U- und S-Bahnen kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Reaktion auf derartige Zwischenfälle hat eine Erhöhung der Kameradichte in U- und S-Bahnhöfen und in den Zügen zur Folge. Ein Gespräch mit Günter Pedall, dem Leiter der Sparte U-Bahn bei den Stadtwerken München (SWM), über Überwachungskameras und Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr in München.

Günter Pedall privat

Günter Pedall leitet die Sparte U-Bahn bei den Stadtweken München. (© Foto: privat)

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sueddeutsche.de: Herr Pedall, die Zahl der Überwachungskameras in U-Bahnhöfen, Bussen und Straßenbahnen hat zugenommen. Haben wir im öffentlichen Nahverkehr eine Situation wie bei Big Brother?

Günter Pedall: Nein. Die Kameras dienen uns ja nicht zur umfassenden Überwachung der Fahrgäste, sondern zur Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs des Betriebs, zur Abschreckung von Straftätern und nur im Fall des Falles zur Aufklärung.

sueddeutsche.de: Aber es besteht doch ein Zusammenhang zwischen der wachsenden Zahl der Überwachungskameras und der Zahl der Straftaten in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Pedall: Die Kameras sollen die Sicherheit unserer Kunden erhöhen. Und die befürworten das auch: Videokameras tragen Untersuchungen zufolge wesentlich zum subjektiven Sicherheitsgefühl der Fahrgäste bei. Auch deshalb wird die Kameradichte erhöht. Derzeit sind in München im Bereich von U-Bahn, Bus und Straßenbahn circa 1500 Kameras im Einsatz, auch die Fahrzeuge werden zur Zeit ausgerüstet.

sueddeutsche.de: Glauben Sie, dass sich die Zahl der Straftaten durch eine noch höhere Kameradichte reduzieren lassen würde?

Pedall: Wir beobachten in den vergangenen zwei Jahren einen Rückgang der Gewalttaten im Bereich der U-Bahn. In Fahrzeugen mit Videoüberwachung gibt es auch weniger Vandalismusschäden. Einen nennenswerten Beitrag leisten die Videobilder vor allem bei der Aufklärung von Straftaten. Wer im Bereich der MVG eine Straftat verübt, muss mit größter Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass er identifiziert und bestraft wird. Es scheint logisch, dass das abschreckend wirkt.

sueddeutsche.de: Wie lange werden die Aufzeichnungen gespeichert und was wird gefilmt?

Pedall: Alles, was in den Bereich einer Kamera fällt, wird auch aufgenommen. Die Aufzeichnungen aus den Bahnhöfen speichern wir sieben Tage, danach werden die Bilder überschrieben.

sueddeutsche.de: Wer überwacht die Kameras?

Pedall: Im MVG-Betriebszentrum überprüfen Mitarbeiter mit Hilfe der Live-Bilder stichprobenmäßig oder anlassbezogen, ob alle Abläufe funktionieren. Die gespeicherten Bilder werden nur ausgewertet, wenn etwas passiert ist.

sueddeutsche.de: Aber Zwischenfälle melden Ihre Mitarbeiter doch?

Pedall: Wenn Sie Vorfälle beobachten, wird umgehend die U-Bahnwache informiert, und wenn es sein muss auch die Polizei.

sueddeutsche.de: Haben sich noch nie Fahrgäste über die zunehmende Zahl der Kameras beschwert?

Pedall: Nein, Beschwerden liegen uns keine vor. Im Gegenteil, es wird noch mehr Videoausrüstung gefordert. Auch der Stadtrat wünscht sich noch mehr Überwachungskameras im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel. Und auch die S-Bahn rüstet jetzt nach.

sueddeutsche.de: Wo liegt denn da die Grenze nach oben?

Pedall: Die Installation und Instandhaltung jeder Kamera ist teuer. Letztlich bezahlen das unsere Fahrgäste über die Fahrpreise, wir haben also gar kein Interesse an einer unbegrenzten Anzahl neuer Überwachungskameras, sondern lassen uns ausschließlich von der Zweckmäßigkeit leiten.

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(sueddeutsche.de/wib/cmat)