Und täglich grüßt das S-Bahn-Chaos: Ein defektes Kabel und Probleme mit neuer Computer-Software im Stellwerk Ostbahnhof haben gestern eine bislang beispiellose Pannenserie weiter verlängert. Besserung verspricht die Bahn erst für nächsten Sommer.
Wie schon am Montag und am Freitag mussten zehntausende Fahrgäste Verspätungen und Umleitungen hinnehmen. Die aus dem Westen kommende S4 fuhr gestern Vormittag nur bis zum Hauptbahnhof, die S7 aus dem Süden nur bis Giesing.
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So wollten die Fahrdienstleiter den S-Bahn-Tunnel unter der Innenstadt entlasten, durch den sich die Züge der übrigen Linien in stockendem Tempo vorantasteten. Damit ging im Tunnel immerhin mehr als am Abend vorher: Da zuckelten mitten im Berufsverkehr überfüllte Pendelzüge auf der Strecke zwischen Ostbahnhof und Pasing. Wer in die Vororte wollte, musste seine S-Bahn am Ostbahnhof oder im Starnberger Bahnhof, in Pasing oder in Giesing suchen.
Einen Grund für das Chaos fanden Bahntechniker gestern morgen am Ostbahnhof, nachdem sie die ganze Nacht gesucht hatten: Als mangelhaft stellte sich ein Kabel heraus, das in der Stellwerksanlage am Ostbahnhof verbaut war. Dort fahren die S-Bahnen seit dem Wochenende auf fünf statt bisher vier Gleisen.
Nicht nur diese Umstellung scheint den Zuglenkrechner genannten Stellwerks-Computer derart zu verwirren, dass er den korrekten Dienst verweigert und sich die S-Bahnen im Tunnel stauen. Dazu kommt, dass die neu angeschlossene Steuerungselektronik nicht recht kompatibel mit den Altanlagen zu sein scheint.
Dabei sollen die Bauarbeiten an der Signaltechnik des Tunnels, die derzeit den S-Bahnverkehr auch abends und am Wochenende einschränken, solche Pannen eben vermeiden. "Wir fahren immer noch mit der 1972 gebauten Technik", erklärt S-Bahn-Sprecher Horst Staimer, "und die ist ans Ende ihrer Lebensdauer angekommen." Ausgelegt war die 31 Jahre alte Technik für täglich 250.000 Fahrgäste, heute bewegen die Züge auf Deutschlands meistbefahrener Bahnstrecke fast 750.000 Passagiere.
Da spielen die veralteten Systeme nicht mehr zuverlässig mit: Ausfälle im Stellwerk Ostbahnhof hatten immer häufiger dazu geführt, dass im Tunnel wenig bis nichts ging. Allein in den vergangenen zwei Wochen zählte die S-Bahn an die zwanzig größere und kleinere Betriebsstörungen.
Der derzeitige Einbau eines modernen Signalsystems der Marke Siemens, das den Zehn-Minuten-Takt der einzelnen S-Bahn-Linien ermöglichen und von der Donnersberger Brücke aus gesteuert werden soll, scheint die Anfälligkeit der alten Anlagen noch erhöht haben. Wer schuld hat an der Pannenserie, ob es die für Infrastruktur zuständige Bahn-Tochter DB-Netz oder der die Signaltechnik liefernde Siemens-Betrieb Transportation System Rail Automation aus Erlangen, will die Bahn in den nächsten Wochen klären. Sie steht unter Druck: Je unpünktlicher ihre Züge fahren, desto höher fallen die vertraglich vereinbarten Strafgebühren aus, die sie an den Freistaat zahlen muss - in diesem Jahr wohl einen zweistelligen Millionenbetrag.
Die Fahrgäste bekommen keine Entschädigung. Sie können warten und hoffen: Im Sommer soll die S-Bahn mit modernster Signaltechnik und damit, so versprechen die Bahner, pannensicherer fahren.
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