Der Rücktritt Lerchenbergs und Springers nimmt zweifelsohne den Druck von der Paulaner-Brauerei und dem Bayerischen Rundfunk. Immerhin hatten die Verantwortlichen der Brauerei, der Schörghuber-Gruppe und des BR den Redetext zuvor gelesen und akzeptiert. Beim Auftritt hatte Lerchenberg das ursprünglich vorgesehene Wort "Zaun" durch "Stacheldraht" ersetzt und die Bemerkung "Hamma scho moi g'habt" hinzugefügt.

Anzeige

Für Bernhard Taubenberger, dem Sprecher der Schörghuber-Unternehmensgruppe, zu der Paulaner gehört, erschloss sich die KZ-Analogie erst in der vorgetragenen Version, nicht aber im Manuskript. Brauerei-Chef Steinfatt macht geltentd, er habe die betreffende Stelle zwar als "kritisch" empfunden, sie aus Gründen der "künstlerischen Freiheit" aber doch durchgehen lassen. Steinfatt räumt ein: "Wir haben die Sache falsch eingeschätzt."

Keineswegs aber, so Steinfatt, habe man Druck auf Lerchenberg ausgeübt. Lerchenberg habe am gestrigen Freitag bei Paulaner angerufen und von sich aus seinen Rücktritt erklärt. In einer Pressemitteilung fügt Steinfatt hinzu: "Michael Lerchenberg hat die Figur des Bruders Barnabas als Bußprediger vor drei Jahren konsequent definiert und umgesetzt, er hat sie konsequent weitergeführt und genauso konsequent ist er heute bei der Entscheidung zu seinem Rücktritt."

Mit Lerchenbergs Ausstieg geht auf dem Nockherberg eine Ära zuende. Als Double Edmund Stoibers, den er erstmals 1984 verkörperte, hatte der Schauspieler eine immense Populärität erreicht. Vor drei Jahren begann seine Karriere als Bußprediger, nachdem Django Asül nur ein einmaliges Gastspiel gegeben hatte. In seiner Erklärung schreibt er abschließend: "Stolz hat mich ein Ausspruch meines erwachsenen Sohnes nach der diesjährigen Predigt gemacht: 'Vater, ich bewundere deinen Mut'."

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Barnabas' letzte Predigt
  2. Sie lesen jetzt "Vater, ich bewundere deinen Mut."
Leser empfehlen 

(SZ vom 06.03.2010/sonn)