Rücktritt von Michael Lerchenberg Barnabas' letzte Predigt

Der politische Druck war zu groß: Warum Michael Lerchenberg nach dem Eklat wegen des KZ-Vergleichs nicht mehr auf die Nockherberg-Kanzel zurückkehrt.

Von Wolfgang Görl

Michael Lerchenberg ist nach dem Eklat wegen des KZ-Vergleichs in seiner Fastenpredigt als Bruder Barnabas zurückgetreten. Koautor Christian Springer hat ebenfalls seinen Abschied vom Nockherberg erklärt.

Über seine Gründe schreibt Lerchenberg in einer Pressemitteilung: "Auch wenn ich aus der Bevölkerung für die Fastenpredigt 2010 unzählige zustimmende Reaktionen erhalten habe,... so ist doch der politische und öffentliche Druck auf uns und die Paulaner-Brauerei so groß geworden, dass mir eine Rückkehr in die Nockherberg-Kanzel unmöglich erscheint.

Lerchenberg hatte beim Politiker-Derblecken am Mittwochabend die umstrittenen Äußerungen von Außenminister Guido Westerwelle über Hartz-IV-Empfänger attackiert und dabei formuliert: "Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumherum ein großer Stacheldraht - hamma scho moi g'habt. Dann gibt's a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt's von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Letter: 'Leistung muss sich wieder lohnen'."

Dass Lerchenberg und Springer hier Assoziationen zu einem Konzentrationslager wecken, um mahnend den Zeigefinger zu heben, bestreiten sie gar nicht. Offenbar haben sie nicht geahnt, welche Reaktionen die betreffende Passage auslösen würde. Als Erste hat Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden, gegen den KZ-Vergleich protestiert und von einer "Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung" gesprochen.

Gleichfalls empört äußerte sich FDP-Westerwelle, der sich in einem Brief an Paulaner-Geschäftsführer Andreas Steinfatt dagegen verwahrte, "mit einem KZ-Wächter verglichen zu werden" und Steinfatt aufforderte, künftig "von Einladungen an meine Person abzusehen".

Am Freitag hat dann auch die bayerische Sozialminister Christine Haderthauer (CSU) angekündigt, den Nockherberg so lange zu boykottieren, bis die Fastpredigt zu ihrer ursprünglich humorvollen Form zurückfinde.

Schon am Donnerstagabend hatte sich abgezeichnet, dass der Druck auf Lerchenberg, Springer und die Paulaner-Brauerei übermächtig wird. Lerchenberg hatte am in Zeitungsinterviews am Morgen seine Äußerungen noch verteidigt, am Nachmittag aber ruderten er und Springer zurück und bedauerten, "die Gefühle anderer verletzt zu haben".

So war es keine Überraschung, als die beiden am Freitag ihren Rücktritt erklärten. Gleichwohl machte Lerchenberg in seiner Erklärung deutlich, dass er mit erhobenen Haupt das Feld räume: "Mein Bruder Barnabas hat mit seiner Form der politischen, auch zu Teilen ernsten und durchaus manchmal provokanten Fastenpredigt sicherlich Maßstäbe gesetzt.Nichts und niemanden hat er geschont. Er war nie parteiisch. Besonders auf Letzteres bin ich stolz."

Und nicht ohne Bitterkeit fügt er hinzu: "Wenn diese Form der anspruchsvollen, satirischen, politischen Predigt auf Dauer dem Nockherberg nicht zuzumuten ist, dann ist es besser, man zieht seine Konsequenzen und macht den Weg frei für einen unbelasteten Neuanfang."