Rotlicht-Milieu Prostitution in München stark angestiegen

Der Polizeipräsident sieht die Ursache in der Visumspolitik und EU-Osterweiterung.

Die Prostitution in der bayerischen Landeshauptstadt hat stark zugenommen. Im vergangenen Jahr waren dort 650 mehr Prostituierte tätig als 2002, wie Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sagte. Dies bedeute eine Steigerung um 40 Prozent auf 2260 Prostituierte.

Rotlicht-Milieu

Auffallend viele Prostituierte kommen aus der Ukraine.

(Foto: Foto: ddp)

Dem Polizeipräsidenten zufolge dürften die tatsächlichen Prostituiertenzahlen noch weitaus höher liegen, da von einem erheblichen Dunkelfeld ausgegangen werden müsse. Von den 2260 nachgewiesenen Prostituierten arbeiteten 130 Personen illegal. 797 stammten aus dem Ausland. Auffallend viele kommen dabei aus der Ukraine, wie Schmidbauer erläuterte.

Für die zunehmende Prostitution machte Schmidbauer vor allem die europäische Visumspolitik verantwortlich. Auch die EU-Osterweiterung spiele aber eine zunehmende Rolle. Schmidbauer kritisierte zugleich, dass Gesetze der EU und des Bundes die Polizei in ihrem Kampf gegen illegale Prostitution behinderten.

Zunahme von bulgarischen Zwangsprostituierten

Die bestehenden Reiseerleichterungen für Angehörige aus Staaten Mittel- und Osteuropas kritisierte Schmidbauer scharf. So könnten bereits seit Mitte 2001 bulgarische und rumänische Staatsangehörige für drei Monate visumsfrei in die Bundesrepublik einreisen. Dies habe zu einer Zunahme von bulgarischen Zwangsprostituierten in München und viele anderen deutschen Großstädten geführt.

Auch verstärke die EU-Osterweiterung das Problem der Prostitution zunehmend. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres habe in München die Zahl der Prostituierten aus den Beitrittsländern seit dem 1. Mai diesen Jahres um rund die Hälfte zugenommen.

(sueddeutsche.de/ddp)