Rosenstolz im Interview Lust, Liebe, Leben

"Es ist das Leben, das uns die Gefühle vorgibt": Das Duo "Rosenstolz" über 16 gemeinsame Jahre, einen wichtigen Zettel und die große Liebe.

Interview: Birgit Ackermann

Rosenstolz zählen zu den umsatzstärksten deutschsprachigen Bands. Sängerin AnNa R. alias Andrea Natalie Rosenbaum und der Songwriter und Sänger Peter Plate sprechen darüber, wie es sich anfühlt, Rosenstolz zu sein.

Süddeutsche Zeitung: Im Video zu "Gib mir Sonne" sitzen Sie am Steuer eines Busses, Peter Plate ist der Beifahrer. Haben Sie auch in der Band das Sagen?

AnNa R: Darauf werde ich oft angesprochen. Ich finde es schön, dass es auffällt. Im Lied geht es darum, wie wertvoll das Leben ist. Und es selbst in die Hand zu nehmen.

Plate: Aber wir haben ein Doppelsteuer in der Band.

SZ: Es gibt Rosenstolz seit 1991; aber erst 1998 kam der große Erfolg.

AnNa R: Für uns war jede Platte ein Erfolg, selbst wenn sie wenig verkauft wurde, 500 Stück waren für uns am Anfang schon irre viel. So war jedes Jahr ein Erfolg. Und es fühlte sich nie so an, dass der Erfolg über Nacht kam.

Plate: Ich komme aus dem Westen und habe meinen Freund Ulf bei seinem ersten Westbesuch kennen gelernt. Es ist eine große Liebe, die mich ermutigt hat, mein Studium zu schmeißen, nur noch Musik zu machen und dafür nach Berlin zu ziehen. Kaum waren wir da, hat ein gemeinsamer Freund mir Anna empfohlen.

AnNa R: Es gab ja noch kein Handy. Ich stand vor der Tür, er war nicht da. Da gab ich einen Zettel für ihn ab. Nun sitzen wir 16 Jahre später noch immer zusammen.

Plate: Wir haben sofort einen Song aufgenommen, das Keyboard stand in der Küche auf dem Herd.

SZ: Wie halten Sie Rosenstolz seit so vielen Jahren am Laufen?

Plate: Unser Sprit ist die Lust, die Liebe zur Musik.

AnNa R: Und wir nehmen uns oft frei, sehen uns dann auch kaum in der Freizeit. Ich mache schöne Sachen mit meinem Mann und Freunden.

Plate: Ich liebe Wochenendtrips. Und ich habe eine Regel: Alle elf Tage mache ich einen Tag nur für mich! So fahre ich morgen nach Barcelona.

SZ: Sie setzten sich für die Rechte von Schwulen und Lesben ein.

Plate: Ulf und ich waren übrigens auf dem Standesamt und sind jetzt "verpartnert". Alles ist in punkto Steuer und Adoptionsrecht ganz anders geregelt als bei einer Ehe. Leider. Fast ein Scheidungsgrund!

AnNa R: Aber wenigsten können sich zwei Jungs hinstellen und, wenn sie wollen, beide ein weißes Kleid tragen.

SZ: Wie kommt es, dass Sie die großen Gefühle in Ihren Songs so gut vermitteln können?

AnNa R: Wir sind Gefühlsmenschen.

Plate: Viele Themen ergeben sich von alleine mit zunehmendem Alter - wie Tod und Verlust. Wir haben all das musikalisch verarbeitet. Natürlich kann man sich fragen, ob derartiges etwas in der Popmusik verloren hat - aber diese Frage beantworten wir mit einem klaren Ja. Es ist das Leben, das uns die Gefühle vorgibt.

(Konzert am 5. Dezember, 20 Uhr, Olympiahalle.)