Risse in der Rotunde Pinakothek der Mängel

Wegen Rissen in der Rotunde bleibt die Pinakothek der Moderne in der "Langen Nacht der Museen" geschlossen, erste Ausstellungen sind bereits abgesagt. Nun hat sich der Architekt des Bauwerks zu Wort gemeldet - und schildert seine Sicht auf die Ursache der Probleme.

Von Christoph Wiedemann und Sabine Buchwald

Die Ankündigung, dass die Pinakothek der Moderne in der "Langen Nacht der Museen" am Wochenende geschlossen bleibt, löst Verärgerung und eine politische Diskussion aus. Wie berichtet, werden in der zentralen Eingangsrotunde Gerüste aufgebaut, um die Ursache der erneut aufgetretenen Risse in der Vorsatzschale untersuchen zu können.

Die Museumsleitung war von der Obersten Baubehörde vergangene Woche informiert worden. Angesichts des zu erwartenden Besucherandrangs während der Langen Nacht am kommenden Samstag wollte man kein Risiko eingehen. Verengte Zugangswege bei Menschenansammlungen bergen unkalkulierbare Gefahren. Zudem mussten zwei geplante Ausstellungen bereits abgesagt werden.

Ob der Gerüstbau ausgerechnet kurz vor der Museumsnacht nötig war, darüber wird jetzt spekuliert. Kunstminister Wolfgang Heubisch verweist in einer ersten Stellungnahme auf seine Verantwortung als oberster Hausherr. Das Urteil der Fachleute habe schnelles Handeln erfordert. Man werde jetzt gutachterlich prüfen lassen, ob Vertragsverletzungen vorliegen und dementsprechend dann juristisch vorgehen.

Auskunft über Kosten und den Zustand des Gebäudes hat auch die SPD umgehend gefordert. "Wir fragen uns, ob für diese erheblichen Schäden noch jemand haftbar gemacht werden kann", schreibt die Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias. Relativ gelassen reagiert Klaus Schrenk, Direktor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen: Er hoffe, dass eventuelle Sanierungsarbeiten bei laufendem Betrieb ausgeführt werden können. Schlimmeres wolle er sich nicht ausmalen.

Gleichwohl sind bereits Auswirkungen auf den Ausstellungsbetrieb in der Pinakothek der Moderne erkennbar. So musste Florian Hufnagl, Direktor der Neuen Sammlung, die für den Rest des Jahres geplanten Ausstellungen mit den Designern Linde Burkhardt und Stefan Wewerka absagen. Der Raum, der ihm für derartige Wechselausstellungen zur Verfügung steht, befindet sich im zweiten Obergeschoss der maroden Rotunde.

Am wenigsten überrascht zeigt sich der Architekt. Stephan Braunfels, der für diesen Bau internationale Preise gewonnen hat, hatte schon einigen Ärger mit dem Museum - vor Jahren führte er mit dem Auftraggeber, dem Freistaat Bayern, langwierige Prozesse.

Gerade aus Mauritius zurückgekehrt, wo er die Sanierung des dortigen Opernhauses übernehmen wird, meldete er sich von seinem Berliner Büro aus, um Stellung zu beziehen. Die Bauaufsicht sei ihm seinerzeit entzogen und durch das Landbauamt und die Oberste Baubehörde besorgt worden. Insoweit könne er also keine Verantwortung für die aktuellen Probleme übernehmen.

Diese seien im übrigen gar nicht so aktuell. Schon zur Eröffnung 2002 habe er den Behörden eine Liste mit mehr als 200 Mängeln übergeben und sich immer gewundert, dass nichts unternommen wurde. So funktioniere schon seit fünf Jahren die Verschattungsanlage nicht mehr - und zwinge eines der schönsten Tageslichtmuseen zu künstlicher Beleuchtung.

Braunfels sieht vor allem in den Sparzwängen während der Bauphase die Ursache der Probleme. So habe der Kubikmeter nicht mehr als 500 Euro kosten dürfen. Und Braunfels bringt gleich einen Vergleich: Beim Brandhorst-Museum durften die Erstellungskosten 1000 Euro pro Kubikmeter betragen.

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