Restaurant Madame Hu Essen wie in der Straßenküche

Passend zum Streetfood-Motto sind auch die Wände im Madame Hu gestaltet: Teilweise wirken sie naturbelassen, das Porträt einer Asisatin und eine Straßenszene sollen Authentizität vermitteln.

(Foto: Stephan Rumpf)

Unspektakulär, aber gut: Das Madame Hu im Münchner Westend trägt als Namenszusatz den Begriff "Asia street kitchen". Es überzeugt mit vietnamesisch-chinesischer Kost und feinen Cocktails.

Von Pep Rooney

Über Streetfood wird derzeit viel geschrieben. Zum Leidwesen mancher Sprachpuristen hat sich der englische Begriff für moderne Straßenkost durchgesetzt. Das liegt zum einen daran, dass sich die Streetfood-Köche von den altbekannten Arten der Fastfood- und Imbisskultur abgrenzen wollen, weil sie mit Schaschlik und Fleischpflanzerlsemmel wenig am Hut haben.

Zum anderen suggeriert ein englisches Wort natürlich Internationalität. Und weil vor allem Asienreisende nur selten der dortigen Sprachen mächtig sind (wer kann schon Khmer oder Vietnamesisch?) bringen sie die auf Englisch erlernten Begriffe hierher mit. Die Streetfood-Märkte Asiens, sei es in Thailand, Kambodscha oder Vietnam, gehören zum Erstaunlichsten, was diese Länder zu bieten haben. Es gibt praktisch nichts, das es nicht gibt - aber oft sind es gerade die einfachen Gerichte, die überzeugen: Nudelsuppen, gegrilltes Fleisch oder Meeresfrüchte mit scharf-fruchtigen Soßen oder im Wok gebratene Speisen mit viel Gemüse.

Vietnamesisch-chinesische Kost und feine Cocktails gibt es hier.

(Foto: Stephan Rumpf)

Auf diese Art der einfachen, aber schmackhaften Kost hat sich das Madame Hu im Münchner Westend spezialisiert, das als Namenszusatz den Begriff "Asia street kitchen" trägt und in dem vietnamesisch-chinesische Küche serviert wird. Das Madame Hu ist quasi der Nachfolger des Lokals Monsieur Hu, das nach sechs Jahren in der Dreimühlenstraße Mitte 2014 geschlossen wurde. Der Mietvertrag sei abgelaufen und der alte Standort sei nicht mehr geeignet gewesen, erfährt man nun auf Nachfrage im neuen Restaurant. Das kulinarische Konzept ähnelt dem des Vorgängers, doch statt eines durchgestylten loungeartigen Interieurs setzt das Madame Hu nun auf ein Erscheinungsbild, das jünger wirkt und gut zum Streetfood-Motto passt. Die Wände sind so gestaltet, dass sie teilweise naturbelassen wirken, die Bilder - etwa ein Porträt einer Asiatin, eine Straßenszene und das Logo des Restaurants - sind angenehm unaufdringlich und gingen auch als Straßenkunst durch. Dazu gibt es dann die Straßenkost, die natürlich nicht wirklich eine solche ist, schon allein vom Preis her.

München, nicht Ho-Chi-Minh-Stadt

Aber die Schwanthalerhöhe liegt nun mal in München und nicht in Ho-Chi-Minh-Stadt. Trotzdem bleibt die Speisekarte im Madame Hu bezahlbar, großartige kulinarische Überraschungen darf man dafür allerdings nicht erwarten. Aber hier gibt sympathischerweise auch niemand vor, die asiatische Küche neu erfinden zu wollen. Was serviert wurde, kam einem weitgehend bekannt vor - stimmte aber rundum zufrieden. So schmeckten die hausgemachten Frühlingsrollen (mit Hackfleisch oder mit Gemüse und Glasnudeln für je 3,50 Euro, mit Garnelen für vier Euro) wirklich hausgemacht und hoben sich positiv ab von den vertrockneten Röllchen, wie man sie etwa von einigen Lieferdiensten kennt. Der Hähnchenspieß kam mit einer dezent scharfen Erdnuss-Soße (vier Euro) auf den Tisch, und dass Rindfleisch und Zitronengras wunderbar harmonieren, zeigte sich bei den gefüllten Wildbetelblätter-Röllchen (fünf Euro). Dass die Spieße mit einer kleinen Flamme zum Selbergrillen serviert werden, ist dabei wohl eher ein Gag der Küche, notwendig ist es nicht.

Richtig glücklich machten auch die Glücksrollen - mit Ente und Tofu gefüllte Röllchen aus Glasnudelteig, die eine kalorienarme Alternative zu Frühlingsrollen sind (4,50 Euro), die lauwarmen Reisnudeln mit gegrillten Garnelen (14 Euro), bei denen alle Kräuter genau richtig dosiert waren, und vor allem die wirklich schmackhaften Suppen. Hier merkt man die Mühe an der Brühe, sie war fein abgeschmeckt und dezent würzig - nur der Schweinebauch in der großen Nudelsuppe (zehn Euro) hätte ein bisschen weicher sein dürfen. Die chinesische Wellness-Suppe (fünf Euro) dafür bezauberte mit ihrer Mischung aus asiatischen Heilkräutern, deren Aroma entfernt an grünen Tee erinnerte, aber sehr gut schmeckte - unabhängig davon, ob das Zeug nun wirklich gesund macht oder nicht. Schon oft gegessen, aber immer wieder gut: das Chili-Huhn aus dem Wok mit seinem erfrischenden Zitronengrasaroma (elf Euro) und das rote Curry mit Rindfleisch (14 Euro).

Angenehmes Ambiente, gutes Essen, freundlicher Service, der einem die Gerichte gerne erklärt: Das Madame Hu im Westend.

(Foto: Stephan Rumpf)

Letzteres konnte man als Gast keiner bestimmten Länderküche zuordnen, aber auch hier stimmten die Proportionen der Gewürze und Kräuter: Es überzeugte mit unaufdringlichen Noten von Thai-Basilikum, Chili und Koriander. Leider ein wenig zäh war hingegen der gegrillte Oktopus mit Chili für 15 Euro, aber auch der war kein totaler Ausfall - die Zitronengraswürze und wohldosierte Schärfe machten die gummiartige Konsistenz des Tintenfischs erträglich.

Apropos Schärfe: Natürlich ist deren Grad an den hiesigen Gaumen angepasst und deutlich schwächer als in Asien. Wer es heißer mag, für den steht die scharfe Soße am Tisch (Vorsicht mit der Dosierung!). Und wem das auch nicht reicht, der wähle als Digestif von der kleinen, aber feinen Cocktailkarte den Madame Hu Special (acht Euro). Dank Chili-Wodka wärmt der richtig schön - zum wieder Abkühlen kann man sich ja ein Tegernseer (0,33 Liter für 2,50 Euro) oder ein thailändisches Sing Ha-Bier (3,50 Euro) bestellen.