Restaurant Laurin Wie ein bequemer Ausflug nach Südtirol

Ein Lokal für lebhafte Stimmung und gute Laune, in dem auch die Hintergrundmusik kaum stört.

(Foto: Robert Haas)

Das Laurin am Viktualienmarkt überzeugt mit seiner Südtiroler Alpenküche und den erfreulichen Nachspeisen. Manchmal allerdings fallen die Gerichte ein bisschen arg "comfy" aus.

Von Karl-Heinz Peffekoven

Peffekoven begibt sich immer gern auf den Viktualienmarkt, ungeachtet des Lamentos mancher in seiner Umgebung, dort sei es auch nicht mehr so, wie es immer war, lauter Japaner und Schickimickis und überteuertes Gemüse und überhaupt. Das Schöne an Münchens Traditionsorten, denkt sich dagegen Peffekoven, ist doch gerade, dass jeder dort sein Plätzchen findet und die Orte dennoch, oder gerade darum, ihr Flair behalten. Das ist in den Bierhäusern so und den Biergärten und eben auch auf dem bekanntesten Markt der Stadt - halt, wir sind in Bayern! -, nein, ganz Deutschlands.

Auf dem Viktualienmarkt schätzt Peffekoven besonders die kleinen Geschäfte, zum Beispiel mit fränkischen Spezialitäten, den besonnten Biergarten und diesem gegenüber ein elegantes Altmünchner Eckhaus, das mit spitzem Giebel und säulenbekränztem Balkon wie direkt aus einem Spitzweg-Gemälde zu stammen scheint, das schönste Gebäude am Platz, heute Hotel. Untendrin befindet sich ein Lokal, das durch die großen Glasscheiben ungeheuer einladend, nach Gründerzeitcharme aussieht: das Laurin.

Wo der Koch singt und küsst

Der Pariser Koch Loïc Cantegrel fand im Westend seine neue Heimat. Im Bistro "L'Adresse 37" nehmen die Gäste gerne teil an der Inszenierung - die mit Foie Gras auch kulinarisch sehr erfreulich ist. Von Helene Töttchen mehr ...

Der Eintretende ist überrascht, dass die Einrichtung um einiges moderner wirkt, als es von draußen erschien. Es finden sich schlichte und dennoch elegante Holztische unter der eindrucksvollen alten Stuckdecke, an den Wänden Holz - es wirkt wie eine Mischung aus Wiener Café und schwedischer Blockhütte. Das ergibt in der Tat ein gewagtes, aber gut funktionierendes Interieur.

Die Küche hingegen orientiert sich an der Alpenregion, speziell an Südtirol. Peffekoven begann mit dem Schnitzel "Laurin", von der Kalbslende in Schüttelbrotpanade, dazu Röstkartoffeln und hausgemachte Preiselbeermarmelade (19,90 Euro), und war sehr zufrieden: Das Fleisch hauchzart, die Panade ließ sich etwas anheben, wie es sich gehört.

Nicht ganz so glücklich war jedoch die Begleitung mit den zart geschmorten Ochsenbackerl auf Kartoffel-Pommery-Stampf und Lagrein-Jus (21,90): zwar war das Fleisch fein, das Gericht insgesamt aber etwas pampig geraten und sehr zurückhaltend gewürzt. Weise nickte Peffekovens Begleiterin: Ihr Eindruck sei, man pflege hier das "Comfy-Food".

Lebhafte Stimmung und gute Laune

"Comfy was?", fragte Peffekoven gewandt. Comfy, die englischen Kurzform für gemütlich, bequem, erläuterte sie geduldig, so bezeichne man leckeres, wenn auch oft schweres und weiches Essen, die Erwachsenenvariante des Kinderklassikers Spätzle mit Soße. Da ist was dran. Auch das Tagesgericht Spargelrisotto mit Speck war ziemlich comfy, ebenso die Gnocchi mit Kalbsragout, das mit reichlich Tomate und Parmesan kam.

Eine andere Sache ist die Hintergrundmusik, Geschmackssache nämlich. Peffekoven mag keine Musik im Lokal, andere fühlen sich erst wohl, wenn die Bässe wuchtig wummern. Insofern ist das keine Kritik am Laurin, wo fröhlicher Pop vor sich hindudelt, gefolgt von "From Russia With Love" und anderen Songs aus alten James-Bond-Filmen.

Die wiederum schätzt Peffekoven so sehr, dass er dem Lokal sofort alle Musikberieselung verzieh; ohnehin sollte er sich langsam damit abfinden, dass sein Wunsch, sich beim Essen in Ruhe unterhalten zu können, immer mehr aus der Zeit fällt. Also: auch in dieser Hinsicht alles in Ordnung, und gar so laut ist die Musik hier nicht. Irgendwie passt sie auch wieder zur guten und lebhaften Stimmung und guten Laune im Laurin.

Freier Blick auf das Markttreiben

Begeisterung in der Runde lösten die Nachspeisen aus, so der sehr saftige Mandelhimbeerkuchen, kräftig mit Puderzucker bestäubt, dazu Schlagsahne und einen Cappuccino - herrlich! Die Kinder priesen den Kaiserschmarrn, der genau richtig sei, nicht so "angekokelt" wie anderswo manchmal; der Jüngere befand, es sei "so ziemlich der beste Kaiserschmarrn" seines Lebens. Wenn das kein Kompliment ist!

Bei warmen Wetter kann man wieder draußen sitzen und bei einem leckeren Tegernseer Hellen Markttreiben und Leute gucken. Der offene Wein ist, wie freilich fast überall in der Münchner Gastronomie, ziemlich teuer. Das kann auch die hübsche Lyrik in der Karte nicht wettmachen, die etwa zum Südtiroler Weißburgunder (Brigl) einen "leichten Apfelgeruch und trocken-fülligen Geschmack" verheißt mit "Noten von Nüssen, Äpfeln, grünem Laub, bei hoher Reife Butter".

Also, Peffekoven hat weder Laub noch Butter geschmeckt, beides allerdings auch nicht vermisst, weil der Weißburgunder vorzüglich war, ebenso wie der Grüne Veltliner aus dem Kremstal. Zu loben ist die Sorgfalt der Auswahl Südtiroler und italienischer Weine, von den viele offen zu haben sind, ein echtes Plus.

Bleibt der aufmerksame, freundliche Service zu loben - und ein praktischer Tipp: Das Lokal ist beliebt, daher für den Abend unbedingt reservieren, am besten einen Tag vorher schon.

Eine Pracht von Gastwirtschaft - mitten im Glockenbachviertel

Das Maximilian pflegt die richtigen Tugenden und wird so zum schönen modernen Wirtshaus, in dem man gut und einigermaßen bezahlbar essen kann. Von Karl-Heinz Peffekoven mehr...