Restaurant Herzog Edles Essen in Design-Ambiente

Das Herzog hat schon Designpreise gewonnen, Leuchtstäbe hängen in verschiedenen Höhen von der Decke, der Tresen ist aus schwarzem Beton gegossen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Restaurant Herzog am Maximiliansplatz ist nicht günstig. Aber schick - und die Küche ist köstlich.

Von Juniper Rocket

Versteckt hinter dem BMW-Pavillon am Maximiliansplatz liegt das Restaurant Herzog, ein geschütztes Sehen-und-Gesehen-werden-Refugium für den seligen Teil der Bevölkerung, der sich von der Münchner Mietpreisentwicklung nicht behelligt fühlen muss. Im Herzog sieht man einander durch Designersonnenbrillen auf der großzügigen Terrasse, oder man nimmt drinnen Platz im Lounge- oder im Essensbereich, die jeweils über ihre eigenen, tagesformabhängigen Regeln verfügen. Ist der Himmel zum Beispiel leicht verhangen und Regen zu späterer Stunde nicht auszuschließen, gibt es kein Essen von der Speisekarte auf der Terrasse. Den Aperitif hingegen gern noch unter freiem Himmel, oder auch etwas von der Barfood-Karte. Oder man ist heute personell schlecht aufgestellt, weswegen die Drinks natürlich nach draußen gebracht werden, aber kein Essen, von keiner Karte.

Man nickt als Gast dann verdutzt, fragt sich ob all dieser einleuchtenden Erklärungen, wie andere Restaurants das hinkriegen mit diesem komplizierten Terrassenbetrieb, trinkt folgsam seinen Aperitif draußen und wird dann von einem Kellner an die Hand eines anderen gegeben, der einen zum Tisch bringt, und ein neuer taucht auf, der die Speisekarte bringt.

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Allesamt schöne und junge, freundliche und professionelle Menschen arbeiten hier, die jede Menge Gäste mit Küsschen links, Küsschen rechts begrüßen. Eine hohe Stammgästequote ist immer vielversprechend. Die Bandbreite im Lokal reicht von vornehm-gediegen bis jung-stylish, von Geschmack-lässt-sich-nicht-kaufen bis Vogue-druckfertig, von über die Schultern gelegten Pullovern bis zu hohen Absätzen.

Das Herzog selbst hat schon Designpreise gewonnen, der Tresen ist aus schwarzem Beton gegossen und Leuchtstäbe hängen in unterschiedlicher Höhe von der Decke. An der Wand grüßt ein klassisches Porträt von Herzog Wilhelm dem Frommen, der einst die Maxburg erbauen ließ. In der Hand hält er einen Drink, wie ihn das kompetente Bar-Team hinter dem Betontresen zusammenstellt. Werke des ein oder anderen Schönheitschirurgen lassen sich auch verstohlen betrachten, aber wir sind in erster Linie wegen der Kochkunst hier. Überhaupt ließe sich hier, Stichwort Sehen-und-gesehen-werden, böse eine überkandidelte Show-off-Küche zu überhöhten Preisen vermuten.

Aber die Gebrüder Lukas und Felix Adebahr haben im Tantris gelernt, und sie haben dort wirklich kochen studiert. Schon die Vorspeisen bewirken, dass wir uns für diese Vermutung schämen. Artischockenherzen, gefüllt mit Ratatouille und Ziegenkäse (16,50 Euro), fein komponiert, so nämlich, dass der herbe Ziegenkäse die zarte Artischocke im Geschmack nicht völlig unterbuttert. Die Jakobsmuscheln (18,50) kommen auf einem Linsenbett und sind perfekt getroffen in der Konsistenz, schmecken intensiv und haben wie als Ausrufezeichen noch eine ganz leichte Schärfe im Abgang.

Der Salzstreuer scheint dem Koch an diesem Tag recht locker im Handgelenk zu sitzen, und der wunderbar zarte Zander hat das besonders zu spüren bekommen. Das ihn begleitende Röstkraut hätte ein wenig weniger bitter sein können, gut, Geschmäcker sind verschieden. Nichtsdestotrotz ein gutes Hauptgericht, bei dem Preis von 29,50 Euro darf aber auch wegen Kleinigkeiten genörgelt werden.

Um den Spargel (25,50) ist eine krosse, dünne Ciabattascheibe geschlungen, er ist gebettet auf Spinat mit kleinen Zwiebelstückchen und Morcheln, begleitet von einem Ei, das Eigelb wachsweich. Das geröstete Brot gibt dem Gang Biss, herzhaft dank der Morcheln und doch so zart und weich und spargelfein, jeder Bissen eine Freude. Wir würden nur für dieses Gericht immer wieder kommen, aber wie es sich für ein Restaurant dieser Klasse mit allerlei Stammgästen ziemt, wechselt die Karte regelmäßig.

Nichts, was wir bei einem unserer Besuche im Herzog probiert haben, enttäuschte uns. Auch die Barkarte bietet immer kreative Feinheiten, cremige Quinoa-Pflanzerl (13,50) auf Feldsalat zum Beispiel, ein klassisches Rindertatar (15,50) oder Garnelen im Tempurateig (11,50). Die Garnelen sind perfekt gegart, der Teig dünn genug, die Currywürze ausreichend subtil, um das Meergetier nicht zu erschlagen.

Es ist aber nicht nur die großartige Küche, mit der das Herzog punkten kann. Die Cocktails hat Herzog-Barchef Florian Saxinger zusammen mit seinem Team entworfen, und das Lokal nennt sich nicht umsonst "Restaurant & Bar". Der "Pink Coud" (15) zum Beispiel mit Wodka und Himbeere, Zitrone, Vanille, Tonkabohne und Milch, im Messingglas serviert, riecht nach Mini-Milks und Badeseen der Kindheit, ihn ziert ein adrettes rosa Schäumchen. Der "Dr. Artis Joke" schmeckt herb und frisch nach Cynar, Wermut, Sloe Gin und Minze (14). Ein günstiges Vergnügen sind die Cocktails nicht, aber ein Vergnügen allemal. Und wer im Herzog genießt, der achtet wohl nicht allzu krampfhaft auf seine Ausgaben.

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