Restaurant Heinrich Matters Dieses Lokal hat München noch gefehlt

Im "Heinrich Matters" in der Maxvorstadt kommt das Essen mit Vorliebe in Schüsseln daher, neudeutsch: Bowls.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das "Heinrich Matters" in der Luisenstraße ist ein Traum für Food-Fotografen und Hipster-Innenausstatter. Und das Essen lohnt sich auch.

Von Rosa Marín

Zugegebenermaßen ist es recht schlicht, ausgerechnet bei einer Kostprobe zu erwähnen, dass ein Lokal in aller Munde ist. Sprachlich gesehen. Beim "Heinrich Matters" darf man das ausnahmsweise. Denn jedes Gespräch über dieses neue, bemerkenswerte Lokal in der Maxvorstadt beginnt meist damit, dass keiner so recht weiß, wie man den Namen ausspricht. Matters, wie Matterhorn? Mätters, englisch?

Letzteres ist der Fall. Warum das so ist, sei später erklärt. Vorweg jedoch eines: Dieses irgendwie coole und gleichzeitig luftig-freundliche Lokal hat München noch gefehlt. Es ist ein Gewinn - optisch sogar in zweierlei Dingen: Über das Innendesign freut sich jedes Interior-Magazin. Und die Speisen sind so hübsch angerichtet, als wären Food-Fotografen am Werk gewesen.

So sieht es im Heinrich Matters aus

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Der Name also: In der Familie der Lokal-Inhaber wimmelt es nur so von Abwandlungen des Namens Heinrich - da gibt es den Henning, den Heiner und sogar noch einen Henri im hohen Norden. Der Vater des Betreibers war einst Geografie-Professor in der Technischen Universität gleich gegenüber und wurde Heinrich genannt. Eines seiner Seminare hieß "Geography matters", was sagen will, dass etwas wichtig ist und viel bedeutet. Der Name ist also eine Hommage. Sandra und Henning Dürr lieben ungewöhnliche Namen. Im Englischen Garten, bei den Eisbachsurfern, betreibt das Paar den Kiosk "Fräulein Grüneis". Hier wie dort ist den Gastronomen wichtig: hohe Qualität, Produkte aus der Region, Fleisch vom Bio-Metzger.

In den Räumen der ehemaligen Pizzeria "Bei Raffaele" bespielen sie eine größere Fläche - und dies gelingt ihnen ziemlich gut. Wo früher dunkle Holzvertäfelungen hingen, muss man nun zwei Mal hinsehen. Das riesige Schwarz-Weiß-Bild links - Nahaufnahme einer Elefantenhaut oder Luftbild eines isländischen Gletschers? Die seltsamen Formen rechts? Achja, Matrizen aus einer Fabrik für Gummihandschuhe.

Dass das Gastronomenpaar kleine, schöne Dinge sammelt, sticht überall ins Auge, von den Schulhausstühlen bis zu den bläulich marmorierten Tischen auf hellem Eichenboden. Zugegeben, Rosa Marín hat sich ein bisschen in das Dekor verliebt, will aber das Wesentliche nun nicht aus den Augen lassen: das Essen. Auch hier gibt es durchweg Positives zu berichten, wenn auch eine kleine Hürde die Anmutung der Speisekarte ist. Da hat man einen Haushaltsgummi über eine Pappe gezogen, was eigentlich von der Schlichtheit bestechend ist. Wären da nicht die Fettflecken und Eselsohren. Nur ein kleiner Abtörner. Denn die schönen Teller und Becher aus dänischem Porzellan machen es wieder wett - und vor allem das, was drauf ist.

Das erste Frühstück dort begann gesund mit einem Smoothie aus Ingwer, Limette, Apfel und Spinat (0,2 Liter für 4,50), alles frisch, mit guter Schärfe. Die Mango-Minz-Bowl (8,90) kam in Form einer Schüssel daher, in der sich eine Mousse aus Minze und Mango aufs Feinste vereinte mit Knuspermüsli, Früchten und Körnern. Eine große Portion, eine echte Entdeckung. Der griechische Joghurt mit Honig-Haselnuss-Granola (7,50) schmiegte sich an eine ordentliche Portion Blaubeeren und Erdbeeren. Und die Buttermilch-Pancakes (8,90) lagen leicht und fluffig unter Kokosraspeln, das Orangen-Blaubeerkompott dazu nicht übersüßt, toll abgerundet.

Brunch, Frühstück oder Abendessen? Das fällt im Heinrich Matters schwer

Die Entscheidung fällt schwer, ob man nun vormittags zum Brunch kommt, wenn die Fenster zur Luisenstraße weit geöffnet sind und im Lokal der Duft frisch gebackener Zimtschnecken schwebt - oder abends, wenn kleine Lichter neben Mikrovasen auf den Tischen flackern und die superaufmerksame Bedienung einem eine Schüssel Edamame mit Salz (4,90) und eine Riesenportion Krustenbrot mit Bio-Scamorza, Rucolapesto und Tomaten (7,50) reicht. Ersteres, die japanischen Bohnen, waren leicht verkocht, zweiteres, die dunklen Brote, waren fantastisch knusprig, aber kaum zu bewältigen. Denn es musste ja noch Platz bleiben für die Hauptgerichte mit Preisen zwischen 9,50 bis 16,50 Euro.

Der warme Oktopussalat in Tom-Yum-Marinade mit Quinoa, Gurke und Koriander (14.50) war butterweich, raffiniert gewürzt mit leichter Ingwernote. Auch beim Roastbeef mit krossen Bratkartoffeln (16,50) passte alles wunderbar - rosa gebraten mit gehobeltem Meerrettich war die großzügig bemessene Portion schnell weg. Und weil die Bowls am Morgen so gut waren, gab es auch eine am Abend: Buddha-Bowl mit Fjordforelle (14,50). Eine tiefe Schale, fruchtig, frisch, in der marinierter Fisch, Röstzwiebeln, Chia-Samen, Pfirsich und roter Reis mit Wasabi-Sesam-Dressing harmonisch zusammenfanden. Köstlich.

Dazu ein kühles Lammbräu oder ein Giesinger Doppel Alt. Wer sich als Nachspeise das Salted Caramel Ice mit Brownie und karamellisierten Nüssen (6,50) versagen möchte, hat die Wahl zwischen allerlei Cocktails. Wo wir wieder beim Heinrich (9 Euro) wären: Er besteht aus Gin von Hendricks, Zitronensaft, Agavendicksaft, darauf türmt sich Eiweißschaum mit einer gerollten Gurke. Da geht dann gerne noch ein zweiter Heinrich.

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