Reform des achtstufigen Gymnasiums Spaenle stellt das G 8,5 vor

Bayerns Kultusminister Spaenle hat auf die Kritik am achtstufigen Gymnasium reagiert und grundlegende Reformen präsentiert. Die SZ stellt die wichtigsten Neuerungen vor.

Von Tina Baier

Bayerns Schulminister Ludwig Spaenle will das achtstufigen Gymnasiums (G 8) grundlegend reformieren. Entsprechende Pläne stellte er am Freitag in München vor. Spaenle reagiert damit auf die chronische Unzufriedenheit unter Schülern, Eltern und Lehrern. Das sind die wichtigsten Neuerungen:

Intensivierungsjahr

Schüler der Mittelstufe (siebte bis einschließlich zehnte Klasse) sollen in Zukunft die Möglichkeit bekommen, ein Jahr länger zur Schule zu gehen und ihr Abitur dann wieder nach neun statt nach acht Jahren abzulegen. Die Entscheidung für ein solches Intensivierungsjahr sollen Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam treffen. Wer von dieser Möglichkeit Gebrauch macht, gilt nicht als durchgefallen. "Schüler, die mehr Zeit brauchen, um ihr Abitur zu machen, sollen diese auch bekommen", sagte Spaenle.

Besonders einfach lässt sich das Intensivierungsjahr nach der zehnten Klasse einschieben, da es an vielen Gymnasien bereits sogenannte Einführungsklassen gibt, in denen sich beispielsweise Realschüler auf die Oberstufe im Gymnasium vorbereiten. Diese Einführungsklassen dürfen in Zukunft auch Gymnasiasten besuchen, die sich ein Jahr länger auf die Oberstufe vorbereiten wollen. Das Zusatzjahr könnte auch dazu beitragen, dass wieder mehr Jugendliche während ihrer Schulzeit ein Jahr im Ausland verbringen, was im G 8 anders als im G 9 kaum noch jemand gemacht hat.

Entrümpelung des Lehrplans

Eine groß angelegte Umfrage unter Lehrern zum G 8 hat ergeben, dass der Lehrplan vor allem in Mathematik, Physik und Geschichte immer noch zu vollgestopft ist. In diesen Fächern sollen deswegen Themen gestrichen werden, damit mehr Zeit für den Rest bleibt. Bei anderen Themen, die bisher vorgeschrieben waren, wird den Lehrern in Zukunft freigestellt, ob sie diese durchnehmen wollen oder nicht.

Welche Themengebiete genau von den Änderungen betroffen sein werden, wird derzeit im Kultusministerium überlegt. Ziel ist aber, bereits von Herbst an nach den geänderten Lehrplänen zu unterrichten. Ein großes Manko des G 8 sehen viele Lehrer auch darin, dass Abiturfächer wie etwa Mathe und Deutsch in der Mittelstufe nur noch drei statt früher vier Stunden pro Woche unterrichtet werden. Spaenle will deshalb, dass alle Gymnasien in Zukunft verstärkt die Intensivierungsstunden nutzen, um dieses Defizit auszugleichen.

Gebundene Ganztagszüge

Bereits für kommendes Schuljahr soll ein Drittel aller bayerischen Gymnasien einen "gebundenen Ganztagszug" anbieten können. Anders als bei den offenen Ganztagsangeboten, die es an vielen Gymnasien bereits gibt, wird der Unterricht in gebundenen Ganztagsklassen rhythmisiert, das heißt, sowohl vormittags als auch nachmittags wechseln sich Lern- und Erholungsphasen miteinander ab. "In gebundenen Ganztagsklassen können die Schüler intensiver gefördert werden", sagte Spaenle. Ziel sei ein gebundener Ganztagszug in jedem bayerischen Gymnasium.

Die Schulen entscheiden aber selbst, ob sie ein solches Angebot machen wollen. Das Kultusministerium hat das Geld, um im nächsten Schuljahr 100 zusätzliche Schulen entsprechend auszustatten. Derzeit gibt es an lediglich 33 Gymnasien gebundene Ganztagsklassen.

Integrierte Lehrerreserve

Vom kommenden Schuljahr an soll an sechs bayerischen Gymnasien der Einsatz einer "integrierten Lehrerreserve" erprobt werden. Das bedeutet, dass die Schulen mehr Lehrerstunden zur Verfügung gestellt bekommen, als sie eigentlich bräuchten, um den Stundenplan abzudecken. Wie viele, das ist derzeit noch unklar.

Wenn das Kollegium vollzählig ist, können die Zusatzstunden etwa genutzt werden, um Klassen zu teilen. Wenn Lehrer etwa wegen Krankheit ausfallen, dient die integrierte Lehrerreserve dazu, für den Kollegen einzuspringen und auf diese Weise den Ausfall von Unterricht zu vermeiden.