Wird es in Zeiten des Rauchverbots keine friedlichen Volksfeste mehr geben? Überall in Bayern fürchten Wirte Raufereien zwischen Qualmern, Nichtrauchern und Ordnungshütern.
Raucher aus dem Bierzelt zu werfen, kommt für den Straubinger Festwirt Anton Nothaft nicht in Frage. "Nachher fliegen die Bierkrüge", sagt er. Lieber nimmt er ein Bußgeld in Kauf. Am 13. August beginnt das Gäubodenfest in Straubing - eines der ersten Volksfeste in Bayern, auf denen im Zelt nicht mehr gequalmt werden darf. "Wir sind hier das Versuchskaninchen", sagt Günter Reimann.
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Der Geschäftsführer der Straubinger Ausstellungs-GmbH findet das Rauchverbot in Festzelten übertrieben. Diese seien gut belüftet, allein schon wegen der Hitze. Dennoch: Festzelte gelten trotz einer Deckenhöhe von bis zu 8,50 Meter und offenen Seiten als geschlossene Räume, weil sie bei Unwetter und Kälte komplett geschlossen werden können.
Anton Nothaft fürchtet, dass dieses Jahr Besucher ausbleiben: Schon am Montagvormittag hat ihm ein Stammkunde abgesagt, der für seine Geschäftsfreunde einen Tisch reserviert hatte. "Da werden nun einige beleidigt sein", sagt Nothaft. Er ist enttäuscht von dem Entscheid und von der CSU, die "nichts dazu gesagt" habe. Den Satz "leben und leben lassen" solle in Bayern keiner mehr in den Mund nehmen, schimpft er. "Schon gar kein Politiker."
Auch Marktmeister Hans Schmid vom Abensberger Gillamoos rechnet diesen September mit Einbrüchen im Geschäft, fürchtet aber, wie er sagt, Ausschreitungen. "Ich hatte den Eindruck, dass die Leute gar nicht wissen, was sie da wählen", sagt Schmid, der Schriftführer bei der Volksabstimmung war.
Festzelt-Wirt Peter Schöniger glaubt gar, dass die Leute noch gar nicht mitgekriegt haben, dass das Verbot auch in Festzelten gilt. "Das wird Ärger unter den Gästen und mit dem Wirt geben." Überhaupt findet er es ungerecht, als Wirt allein verantwortlich zu sein. Die Strafe solle der Raucher zahlen, nicht er.
Entspannt blickt der Kemptener Festzeltwirt Hans Schmid auf die Allgäuer Festwoche im August: "Zur Toilette müssen die Leute auch rausgehen. Dann können sie zum Rauchen genauso aufstehen." Schmid ist überzeugt, dass auch im Bierzelt klappt, was im Restaurant schon länger funktioniert. Der Gastronom setzt auf die Vernunft seiner Gäste, mit Einbußen rechnet er nicht. Die Zigarettenautomaten und den Zigarrenverkäufer habe er natürlich abbestellt.
Wie viel ein Verstoß gegen das Rauchverbot kostet, wussten die Ordnungsämter in Straubing, Abensberg und Kempten am Montag noch nicht. Markus Mühlbauer, Sprecher des Landratsamts Straubing-Bogen, vermutet die Zuständigkeit bei den Stellen für Öffentliche Sicherheit und Ordnung oder für Gaststättenrecht in den Landratsämtern und kreisfreien Städten.
Das Nichtrauchergesetz werde wohl "analog zum Jugendschutzgesetz" angewendet. In diesem Fall ist der Wirt verantwortlich, wenn in seinen Räumen geraucht wird.
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(SZ vom 06.07.2010)
Analyse des DFB-Kaders
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Ein altes, aber funktionierendes Gesetz. Es haben sich ein paar Spießer verständigt einen Volksentscheid herbeizufürher, zwar mit dem lächerlichen Ergebnis, von gut 30% Beteiligung. Da muss man aber noch die Gegner abziehen und schon bekommt der Initiator fast einen geistigen Orf´gasmus. Das dumme Volk ist beschäftigt und alle anderen wichtigeren Themen sind vom Tisch. Es hat wieder einmal geklappt.
z.B. § 20 Nr. 2 Gaststättengesetz: Verboten ist, in Ausübung eines Gewerbes alkoholische Getränke an erkennbar Betrunkene zu verabreichen.
Erstaunlich, dass Münchens oberster Ordnungshüter gleich verkündet, man werde nur sehr eingeschränkt kontrollieren ("keine Raucherpolizei"). Wie eingeschränkt werden denn Parkverstöße in den zahlreichen neuen Parklizenzbereichen kontrolliert bzw. wie wurde das Personal der kommunalen Verkehrsüberwachung aufgestockt?
Anton Nothaft schimpft, den Satz "leben und leben lassen" solle in Bayern keiner mehr in den Mund nehmen. "Schon gar kein Politiker." Das ist schlichtweg falsch, Herr Nothaft. Denn rauchen heißt: "sterben und sterben lassen."
............. hörte ich gestern, dass auch der Verband der Bayerischen Wirte (oder so ähnlich) den Ausgang des Volksentscheids akzeptieren wird.
Auf der Wiesn' gibt es allmählich so viele Kontrollen und Polizeieinsätze, dass schon jemand regelrechte Sehnsucht nach dem Knast haben müste, um jemandem einen Maßkrug über den Kopf zu ziehen - sind die Leute ganz dicht, dann können sie nicht einmal mehr so einen Krug hochheben.
Mir fällt auf, dass hier nie das Rauchverbot in der Türkei erwähnt wird, das vor einem Jahr in Kraft trat. Italien usw. werden immer erwähnt, aber nicht die Türkei, in der es offenbar auch kein Problem ist!
Mal ehrlich... Glaubt der Wirt, dass die Gäste seines komischen Bierzeltes alles antisoziale, gewaltbereite Schläger sind? Das Werfen mit Bierkrügen ist - sollte einer treffen - schwere Körperverletzung, fahrlässige Tötung, Totschlag oder Mord. Je nach Motivations- und Ergebnislage. Die Verursacher wären dann viele Jahre hinter Gittern, würden ihr Leben lang bezahlen.
Wenn der Wirt das tatsächlich glaubt, dann sollte er zu seinen Volksfesten eine Hundertschaft der Polizei nebst Wasserwerfer besorgen. Denn solche Leute sind auch ohne Kippen im Mund und ohne Bier latent gefährlich.
Ansonsten bleibt festzuhalten, dass der Mann offenbar sein Handwerk nicht versteht, wenn er mit den von ihm abgefüllten Gästen nicht klar kommt. Und in diesem Fall sollte die Gemeinde darüber nachdenken, ob sie ihm nicht die Ausschanklizenz entzieht. Vielleicht sollte der Herr erst einmal mit einer Würstchenbude auf dem Dorfmarkt Erfahrungen sammeln.
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