Rathaus Unveröffentlichte Studie zeichnet verheerendes Bild von städtischer IT

Alles im Blick: das städtische Rechenzentrum.

(Foto: Florian Peljak)

Ein Großteil des Inventars weist nur noch einen Restwert von null Euro auf. Die Folge: Computerausfälle - und damit Frust bei Mitarbeitern und Bürgern.

Von Dominik Hutter

In den Büroetagen der Stadtverwaltung gehört es schon fast zum guten Ton: das Schimpfen über die Computerausstattung, die manchmal ganze Abteilungen lahmlegt. Das Negativimage ist offenbar in weiten Teilen berechtigt: Das Beratungsunternehmen Accenture ist bei einer Untersuchung der kommunalen IT-Struktur auf gravierende Defizite gestoßen.

Zwar sei die im vergangenen Jahr abgeschlossene Reform, bei der die gesamte interne IT-Organisation umgekrempelt wurde, ein richtiger Schritt und dringend notwendig gewesen. Das Programm sei aber zu ehrgeizig ausgefallen, diverse Schwierigkeiten habe man "massiv unterschätzt".

Dazu kommen Organisationsmängel und mangelndes Vertrauen zwischen den verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung. Mit dem Ergebnis, dass in einer Befragung nur 55,1 Prozent der städtischen Mitarbeiter Zufriedenheit mit der Technik auf dem eigenen Schreibtisch bekundeten.

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In dem bislang noch unter Verschluss gehaltenen Zwischenbericht, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, geht es nicht um die unter Münchner Computernerds so beliebte Grundsatzfrage "Windows oder Linux" (die Stadt setzt überwiegend auf Linux). Sondern vor allem um die internen Strukturen, mit denen rund 1400 IT-Mitarbeiter gut 15 000 Computerarbeitsplätze koordinieren.

Ein Großteil des Inventars weise nur noch einen Restwert von null Euro auf

Und es geht um die Rechner selbst, die in den Augen des Beratungsunternehmens an Alterserscheinungen leiden. Ein Großteil des Inventars weise nur noch einen Restwert von null Euro auf. Prinzipiell sei der Gerätebestand nicht ausreichend erfasst, der Aufwand für Vereinheitlichung und Modernisierung deshalb unterschätzt worden.

Dieser aufwendige und langwierige Prozess sei nun der Grund dafür, warum der kommunale Dienstleister IT@M nicht die Qualität und Leistung liefern könne, die man eigentlich erwarte. Dazu kommen noch viel zu viele verschiedene und teilweise auch veraltete Betriebssysteme, die nicht einmal mit allen Programmen umgehen können.

Laut dem Zwischenbericht reichen die bisherigen Modernisierungsmaßnahmen der Stadt nicht aus, um alle veralteten Technologien abzulösen und wichtige IT-Systeme regelmäßig zu aktualisieren.

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Die Folge seien Computerausfälle - und damit Frust nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch bei den Münchnern, deren Behördengang damit deutlich langwieriger ausfällt und manchmal sogar wiederholt werden muss.

Viele städtische Angestellte behelfen sich mit selbstgeschneiderten Provisorien, im Jargon der Berater "individuelle Umgehungslösungen". Was den Systemen nicht immer guttut und obendrein Sicherheitsprobleme auslöst.

Viele Dinge kann die städtische IT gar nicht, bei anderen mangelt es noch

Wenig ruhmreich fällt auch die sogenannte Reifegradbewertung aus, mit der Accenture die Fähigkeiten der städtischen IT benotet. Eine "ausgeglichene untere Stufe" sei erreicht - Stufe eins von fünf ("Grundlagen").

Was bedeutet: Viele Dinge kann die städtische IT gar nicht, bei anderen mangelt es noch erheblich an Professionalität. Allerdings sei dies in der aktuellen Situation zu erwarten gewesen, da höhere Stufen erst nach einem längeren Prozess zu erreichen seien.

Hinderlich für eine funktionierende IT ist es laut dem Gutachten auch, wenn die Abteilungen und Referate nicht gut zusammenarbeiten - was in München der Fall sei. Die Kooperation der IT-Fachleute funktioniere "nicht durchgängig" beziehungsweise sei ineffizient.

Das liege daran, dass zu viel auf Eigeninteressen beharrt werde, die Verantwortungen unklar seien und es an Mut und gegenseitigem Vertrauen mangele. Informationen würden zurückgehalten, Termine nicht eingehalten und Abmachungen nachträglich wieder kassiert.

Die Untersuchung soll in einem späteren Stadium auch Lösungsansätze aufzeigen, wie die Stadt ihre IT-Probleme in den Griff kriegt. Damit die Münchner irgendwann nicht mehr so lange auf ihre Pässe warten müssen.

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