Ramersdorf Wohnungen mit inneren Werten

Die Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung zeigt mit einem Ramersdorfer Projekt, wie energetische Sanierung in einem denkmalgeschützten Haus gelingen kann - womöglich ein Modellfall für den Umgang mit solchen Objekten

Von Hubert Grundner, Ramersdorf

Das erste, was beim Betreten einer der insgesamt acht Wohnungen sofort auffällt, ist die Stille. Eine Erfahrung, die angesichts der Lage des Wohnhauses an der Aribonenstraße 22, also direkt neben Mittlerem Ring und Rosenheimer Straße, geradezu an ein Wunder grenzt: Vom Dröhnen, Hupen und Motorjaulen der Verkehrslawine, die sich hier täglich vorbei quält, ist im Inneren des sogenannten Straub-Hauses fast nichts mehr zu hören. Und alleine, dass es gelungen ist, das denkmalgeschützte Anwesen mit so viel Lärmschutz zu versehen, dass die künftigen Bewohner wohl auch nachts ihren Schlaf finden werden, ist schon eine beachtliche Leistung.

Wiederauferstanden: Bis vor wenigen Jahren noch galt das Straub-Haus regelrecht als Schandfleck im Ortskern von Ramersdorf.

(Foto: Stephan Rumpf)

Eine Leistung, die sich die Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) zu Recht auf ihre Fahnen schreiben darf. Denn was Anfang 2012 angekündigt wurde, ist inzwischen in beeindruckender Weise zur Realität geworden: Die heruntergekommene Villa am Rand des Ramersdorfer Ortskerns ist wieder ein in frischen Farben leuchtendes Schmuckstück im Stadtbild. Das eigentlich Wertvolle an den nun abgeschlossenen Arbeiten spiegelt sich aber in den "inneren Werten" des Gebäudes: "Energetische Sanierung im Denkmalschutz heißt das Ziel, das Fachleute bisher als völlig unrealistisch bezeichneten." Mit diesen Worten hatte der damalige MGS-Geschäftsführer Helmut Steyrer vor rund sechs Jahren des Projekt vorgestellt.

Sie jedenfalls sind auf das Ergebnis stolz (v. li.): Architekt Jörg Homeier, Projektleiter Oliver Kreipe und GWG-Geschäftsführerin Gerda Peter.

(Foto: Stephan Rumpf)

Genau das scheint gelungen zu sein, wie sich jetzt bei einer Besichtigung des Gebäudes zeigt. Als Modellbauvorhaben könnte es künftig wegweisend im Umgang mit vergleichbaren Objekten sein. Und dieses Verdienst gebührt nicht zuletzt dem Architekten Jörg Homeier vom Büro Architekten am Pündterplatz. "Die Auflage war, denkmalpflegerisch alles zu erhalten, was zu erhalten ist", erklärt er. Das heißt, am Erscheinungsbild des Hauses durfte sich möglichst wenig ändern. Gleichzeitig sollten Wärmedämmung und Lärmschutz heutigen Maßstäben entsprechen und zeitgemäßer Wohnraum entstehen.

Nach der aufwendigen Sanierung, die Hand in Hand mit dem Denkmalschutz erfolgte, erstrahlt die Villa in neuer Frische.

(Foto: Stephan Rumpf)

Was das bedeutet, wird schon kurz hinter der Eingangstür klar: Der Boden mit den alten weißen und schwarzen Fliesen blieb weitgehend erhalten. Das gilt auch für das Treppenhaus mit dem schmiedeeisernen Geländer samt hölzernem Handlauf, das aus Sicherheitsgründen etwas erhöht wurde. "Die eigentliche Herausforderung waren dann die Fenster und Türen", erklärt Homeier beim Rundgang. Auf Fotos hat er dokumentiert, in welch jämmerlichem Zustand diese waren. "Möglichst viele haben wir geflickt, andere wurden mit den Originalprofilen nachgestaltet."

Während man sich also zum einen bei der Rekonstruktion der Bausubstanz altgedienter Handwerkskunst bediente, suchte man zum anderen moderne Lösungen. Denn der effektive Lärmschutz ließ sich nur mithilfe einer fortschrittlichen Belüftung der Innenräume erreichen. Im Grunde erlaubt es der massive Verkehrslärm am Mittleren Ring nicht, nachts die Schlafzimmerfenster zu öffnen. Auf ein anderes Beispiel verweist Projektmanager Oliver Kreipe von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG. So wurde die Dämmung nach innen gebracht, "da hat sich technisch viel getan in den letzten Jahren".

Das Ergebnis der aufwendigen Sanierung ist jedenfalls überzeugend. Und auch GWG-Geschäftsführerin Gerda Peter wollte ihren Stolz auf das Projekt nicht verhehlen: "Ich finde, dass das hier wahnsinnig gut gelungen ist." Die Mieter, die von Mai an einziehen werden, dürften kaum widersprechen. Vielleicht freuen sie sich sogar über ihr neues Zuhause wie einst die ersten Eigentümer: Um 1900 hatte das Ehepaar August und Maria Seebauer für sich und die drei Kinder den Prachtbau errichten lassen, der heute als Stammhaus der gleichnamigen Gärtnerdynastie gilt. Später überließen die Eltern ihrer Tochter Ottilie und deren Ehemann Hermann Straub die Villa, fortan Straub-Haus genannt.