Von heute an ist Winter. Eros Ramazzotti hat zwei Tage lang in der Olympiahalle die Radiolieder des Sommers gesungen. Ein letztes Mal schwelgten tausende rivieraselige Zuhörer in Rhythmen, sanft wie die Brandung vor Rimini, in Melodien, süßlich wie Panna Cotta, und im unverwechselbar nasalen Timbre des Kuschelpoppers, samtig wie ein Bettlaken.

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Der graumelierte, leicht bauchige Ramazzotti sah in seinem T-Shirt mit "München"-Aufdruck so gewöhnlich aus wie ein Roadie, der sich zufällig auf die Rampe verlaufen hat. Bodenständig auch das Bühnenbild: kaum Videotamtam, Steinplatten, wie durch ein Erdbeben geborsten - vielleicht die Brüche im Leben symbolisierend, die Scheidung, den Tod der Mutter, die Ramazzottis aktuelles Album "9" sachte thematisiert. Ohne große Showeffekte, trotz Deutschlandtour-Auftakt nicht einmal mit erkennbar großer Leidenschaft absolvierte Ramazzotti ein zweieinhalbstündiges, üppiges Best-of-Programm. Obwohl er sich viel zu routiniert gab, riss er sein Publikum mit. Am lautesten schrie der Kleine-Mädchen-Chor in der ersten Reihe.

Natürlich fabriziert der 39-jährige Softie Mainstreamsound für Gardaseefahrer. Natürlich kann man froh sein, dass sich auf Italienisch alles irgendwie schöner anhört, sogar die kitschigen Texte, die er dichtet. Aber er hat ja, im Gegensatz etwa zum sozialkritischen Kollegen Zucchero, auch nie etwas anderes behauptet, als seichte Unterhaltung zu machen. In seinem Genre bringt es Ramazzotti immer noch spitze. Die anscheinend genetisch bedingte transalpine Sehnsucht der Deutschen befriedigt er auf seine Weise wunderbar.

JOCHEN TEMSCH

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