Eine seltsame historische Volte: In der frühen Weimarer Republik entwickelte sich ausgerechnet München zum Brennglas der Extreme. Der Räterepublik folgte kurz danach der Hitler-Putsch.
Sie liegen tot am linken Rand des Bildes, und vielleicht hat der Maler sie absichtlich dort platziert. In der Mitte dominiert eine leere Gasse, dahinter eine Mauer mit zahllosen Anschlägen und Einschusslöchern. Die Toten sind Opfer der Kämpfe am Ende der Münchner Räterepublik von 1919. Der Maler, Emanuel Bachrach-Barée, stand ihr nahe und verewigte als einer der wenigen das elende Ende einer einzigartigen historischen Episode in Münchens Geschichte, auf dem Gemälde "Im Morgengrauen".
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München, ein halbes Jahr nach dem Sturz der Monarchie: Ein Demonstrationszug von Räteanhängern in der Ludwigstraße vor dem ehemaligen bayerischen Kriegsministerium (li.) am Nachmittag des 22. April 1919 (© Foto: SZ Photo/Scherl)
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Es ist eine seltsame historische Volte, dass ausgerechnet München zum Brennglas der Extreme in der frühen Weimarer Republik wurde. Die Bayern stürzten als Erste ihre fast tausendjährige Monarchie; München, nicht das "rote Berlin" wurde Heim der ersten Räterepublik in einer deutschen Großstadt, um schon bald danach Schauplatz des Hitler-Putsches von 1923 zu werden, bevor die Stadt schließlich zur unglückseligen "Hauptstadt der Bewegung" wurde.
Gegenüber diesem verhängnisvollen Aufstieg Münchens nimmt sich die Räte-Episode wie eine Randnotiz aus. Am 21. Februar 1919 wurde Ministerpräsident Kurt Eisner von den Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) auf dem Weg in den Landtag von dem nationalistischen Fanatiker Graf von Arco-Valley erschossen. Arbeiter und Soldaten radikalisierten sich, und am 7. April kam es schließlich zur Ausrufung der Bayerischen Räterepublik. Die sozialdemokratische Regierung unter Johannes Hoffmann musste nach Bamberg fliehen.
"Wir haben Räteregierung à la Russe", schrieb Thomas Mann Ende Februar in sein Tagebuch. Das war nicht nur verfrüht, sondern bezeichnete die erste Räterepublik auch nicht ganz korrekt. Denn diese hatte an ihrer Spitze Literaten und Anarchisten wie Erich Mühsam, Ernst Toller und Gustav Landauer. Ihre Vorbilder waren eher Bakunin und Tolstoj als Marx und Lenin, ihre Verordnungen widersprachen sich, und ihre politische Kraft reichte kaum über den Tag hinaus.
Schon am 13. April war sie zu Ende, und es folgte ihr die zweite Räterepublik, getragen von der KPD um Eugen Leviné und Max Levien. Ein Aktionsausschuss und ein Vollzugsausschuss wurden gegründet, der Matrose Eglhofer bewaffnete die Arbeiter und Soldaten. Und in Bamberg rüstete man zum Gegenschlag.
Bayerische und württembergische Freikorps und eine Division der Reichswehr marschierten auf München, insgesamt etwa 30.000 Mann. Die frischgegründete "Rote Armee" hatte dem nicht viel entgegenzusetzen. Unter dem Druck von außen radikalisierte sich die Rätebewegung, es kam zu standrechtlichen Erschießungen.
In vollkommen überzogenen Vergeltungsaktionen mordeten und wüteten die Freikorps in der Stadt. 145 Menschen starben im Lauf der Kämpfe, 226 nach dem Sieg der Regierungstruppen. Am 2. Mai war das rote München Geschichte, verewigt am linken Rand des Gemäldes von Bachrach-Barée.
Umschwung ins andere Extrem
Es starben auch viele derer, die mit der radikalisierten Räterepublik gar nichts zu tun hatten. "Ein Zeuge, an dessen Glaubwürdigkeit ich nicht zweifle, berichtete mir, dass die letzten Worte Gustav Landauers, die er seinen Folterern, seinen Mördern zurief, lauteten: 'Erschlagt mich doch! Daß ihr Menschen seid!'", schrieb Ernst Toller aus der Haft an Maximilian Harden. Und als Toller selbst auf dem Gefängnishof am toten Landauer vorbei geführt wurde, rief ihm ein Soldat zu: "Da liegt er jetzt, euer Spezi!"
"Die Münchner kommunistische Episode ist vorüber", beschied Mann, die roten Fahnen verschwanden von den Gebäuden, und München wandelte sich erneut. "Früher hatte die schöne, behagliche Stadt die besten Köpfe des Reiches angezogen. Wie kam es, dass die jetzt fort waren, dass an ihrer Stelle alles, was faul und schlecht war im Reich und sich anderswo nicht halten konnte, magisch angezogen nach München flüchtete?", schrieb Lion Feuchtwanger in seinem Roman "Erfolg" von 1930.
Die verhängnisvolle Allianz der republiktreuen Kräfte, in den Anfangsjahren namentlich der Mehrheitssozialdemokraten, mit den Eliten aus Heer, Justiz und Verwaltung beließ in Bayern wie im ganzen Reich die stärksten Gegner der neuen Republik in Schlüsselpositionen der Macht. In Bayern beförderte sie den raschen Umschwung ins andere Extrem: von der Räterepublik zur rechts-konservativen, antirepublikanischen, zunehmend braun unterwanderten autoritären Regierung.
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Klar gibt es diese personellen (teils ideologischen) Überschneidungen.
Darstellungen wie die Ihre KÖNNTEN aber von der Substanz der Konflikte ablenken.
Tatsache ist, dass es die Freikorps und die übriggebliebenen Heeresverbände waren, die die räterepublikanischen Aufstände niedergemet.zelt haben und dass speziell aus jenen Freikorps sich viele N.Sler und N.S-nahe rekrutiert haben.
Gerade diese Tatsache (das Niederschie.ßen und -met.zeln) macht es sehr schwer, verkürzte Darstellungen über (vermeintliche und tatsächliche) Verbindungen zwischen Linkssozialisten und Anarchisten und den N.S-Anhängern zu lesen. Der größere Teil der Wahrheit gehört in eine solche Aussage unbedingt hinein.
'Starker linker Flügel' der N.S.DAP und woher der im Einzelnen kam, ist wieder eine andere Frage.
Kein ernstzunehmender Historiker wird heutzutage widersprechen, das mindestens 75% der N.S-Parteimitglieder und -Wähler aus den bürgerlichen und kleinbürgerlichen Milieus kamen.
Liebe SZ-Moderatoren:
Was soll das?
Ich habe auf eine unter allen ernstzunehmenden Historikern völlig unumstrittene Tatsache hingewiesen, nämlich daß die N.zipartei eine starken linken Flügel hatte und daß der später eliminiert wurde (und zwar, falls Sie es nicht wissen sollten, 1934, "Röhm-Putsch").
Das steht unter einem Artikel über den Putsch von 1923, ist also durchaus relevant für diesen Artikel.
Was, bitte, gibt es da wegzuzensieren????
Oder paßt das nicht zur gewünschten "Wahrheit"?
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eins muss man münchen lassen; gänend langweilig für uns intellektuelle aber spannend, was die bevölkerung betrifft.
Interessant ist aber auch die Tatsache, dass Sie sich anscheinend irgendwie von den "Roten" verfolgt zu fühlen scheinen. Sie führen einen Kampf, der am meisten nur belustigt, wie Don Quichote.
Aber ich habe etwas für Sie:
Is das Wetter richtig sche,
dann wars die CSU,
zieht der Himmel aber zu,
dann hat Schuld die SPD.
Das können Sie übrigens mixen, falls Sie doch mal das politische Lager wechseln sollten.
Im übrigen ist das einer der langweiligsten und oberflächlichsten Artikel, die ich über dieses Thema bisher gelesen habe. Ich bekomme den Eindruck nicht weg, dass hier nur geschrieben wurde, damit irgendetwas geschrieben worden ist. Das Niveau der Süddeutschen unterhalb der Was-ist-Was Bücher, sehr traurig.
Paging