Radwege - schmal, holprig, gefährlich Tut die Stadt zu wenig für Radler?

Kritik des Fahrradclubs ADFC: Viele Strecken entsprechen nicht der Verkehrsordnung, und aus dem Parkhaus am Hauptbahnhof wird vorerst nichts.

Von Von Michael Tibudd

München ist eine Fahrradstadt, doch viele Radler sind mit der offiziellen Verkehrspolitik unzufrieden So wird das seit Jahren geplante Radl-Parkhaus am Hauptbahnhof wahrscheinlich erst 2010 fertig. Und der Allgemeine Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) kritisiert, dass die Stadt ihr Geld zur Verbesserung des Radweg-Netzes an der falschen Stelle ausgebe. Eine Fachtagung im Herbst soll neue Wege aufzeigen.

Radwege - schmal, holprig, gefährlich

An den Rand gedrängt: Radfahrer in München.

(Foto: Foto: dpa)

"Wann das Radl-Parkhaus kommt, hängt von den Planungen für die zweite S-Bahn-Stammstrecke ab", sagt Bahn-Sprecherin Bianca Walter. Als Grundstückseigentümerin ist die Bahn verantwortlich für den von der Stadt gewünschten Bau des Parkhauses. "Wenn wir das jetzt bauen würden, steht es später womöglich im Weg." Anvisierter Baubeginn ist laut Andreas Wüth vom Bayerischen Verkehrsministerium erst Ende 2006, die voraussichtliche Fertigstellung nicht vor 2010.

Damit erteilt die Bahn den Wünschen der Stadt München eine deutliche Abfuhr. Die Stadt kündigt das Radl-Parkhaus schon seit Jahren an. Dabei sollen bewachte und überdachte Abstellmöglichkeiten mit angeschlossenem Reparatur-Service entstehen. "Jetzt geht's los, und im nächsten Jahr wird die Station fertig gestellt", hatte Bürgermeister Hep Monatzeder bereits im August 2002 gesagt. "Ein leidiges Thema" sei das Radl-Parkhaus, sagt Monatzeder jetzt.

Er beklagt die Verhandlungspolitik der Bahn. "Da hat allein vier Mal der Verantwortliche gewechselt." Zuletzt habe die Stadt der Bahn für einen schnellen Baubeginn einen Zuschuss von einer Million Euro angeboten. Die Bahn habe abgelehnt.

Grundsätzliche Kritik an der städtischen Politik bei der Verbesserung des Radwege-Netzes kommt vom Fahrradclub ADFC: "Es entstehen zwar neue Radwege", sagt der Münchner ADFC-Geschäftsführer Hannes Bojarsky. "Aber es müssen vor allem die bestehenden besser werden."

Thalkirchner, Dachauer oder Nymphenburger Straße - an vielen Stellen entsprächen die Radwege nicht den Mindeststandards nach der Straßenverkehrs-Ordnung. Dazu müssten die Wege mindestens 1,50 Meter breit sein und die Fahrstreifen durchgehend asphaltiert. Außerdem kritisiert Bojarsky die Streckenführung. Radwege, die von der Fahrbahn für Autos abgetrennt sind, erhöhten oft sogar das Unfall-Risiko.

"90 Prozent aller Fahrrad-Unfälle passieren an Kreuzungen", sagt Bojarsky. Radfahrer tauchten dort für Autofahrer unerwartet auf - die Folge seien Zusammenstöße. Die Forderung deswegen: "Rechtzeitig vor Kreuzungen müssen Radfahrer auf die normale Fahrbahn geleitet werden, damit Autofahrer sie früher sehen."

Genau das will die Stadt im Hinblick auf den allgemeinen Verkehrsfluss aber nicht. "Das würde auf jeden Fall die Kapazität für Autos verringern", sagt Bürgermeister Monatzeder. "Und Autofahrer haben eine starke Lobby."

Warum die Stadt nicht mehr im Sinne des ADFC macht, erklärt Jürgen Marek vom Baureferat: "Es ist eine Frage der Finanzierbarkeit." Die Stadt habe jedoch im Jahr 2004 immerhin 2,56 Millionen Euro für die Sanierung von Radwegen ausgegeben. Abgesehen davon scheiterten Pläne für breitere Wege oft am fehlenden Platz oder weil die Stadt nötige Grundstücke nicht bekomme.

Noch vor dem nächsten Jahrzehnt könnte sich indes die Situation für Münchens Freizeitradler verbessern. Um deren Belange wird es bei einer Tagung von Stadt und Fachleuten gehen. Anlass ist ein Gutachten von Stadt und der Abteilung Verkehrskonzepte von BMW.

Es kritisiert die Ausschilderung der Radwege von der Innenstadt zu Erholungsgebieten am Stadtrand. Im Herbst wollen die Fachleute neue Möglichkeiten für eine bessere Beschilderung vorstellen.