Direkt auf der Straße radeln: An 23 Stellen in der Stadt ist die Benutzung von Radwegen nicht mehr vorgeschrieben - weitere könnten hinzukommen. Das Kreisverwaltungsreferat überprüft derzeit 360 Straßen.
Münchens Radler bekommen mehr Freiheit: Das blaue Schild mit weißem Fahrrad, das zum Fahren auch auf holprigen oder engen Radwegen zwang, fehlt seit kurzem an einigen Stellen in der Stadt - der Radler darf nun auch direkt auf der Straße anstatt daneben auf dem Radweg fahren. An insgesamt 23 Straßen haben die Verkehrsfachleute des Kreisverwaltungsreferats (KVR) bislang die sogenannte "Radwegebenutzungspflicht" aufgehoben. Weitere zehn Straßen könnten in den nächsten Wochen folgen, heißt es aus dem KVR.
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An 23 Stellen in der Stadt ist die Benutzung von Radwegen nicht mehr vorgeschrieben - weitere könnten hinzukommen. (© Johannes Simon)
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Auslöser der Aktion ist ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig vom vergangenen Winter, das ein Mitglied des Radfahrerclubs ADFC aus Regensburg erstritten hatte. Die obersten Verwaltungsrichter hatten verfügt, dass Kommunen die Radfahrer nur noch an besonders gefährlichen Stellen zum Fahren auf dem Radweg zwingen können. Die Verkehrsplaner der Münchner Stadtverwaltung überprüfen seitdem systematisch - Straße für Straße, Stadtviertel für Stadtviertel - die jeweiligen Straßen und Radwege. Und wo es aus Sicht der Fachleute sinnvoll und vertretbar ist, geben sie Straßen für Radler frei.
Freie Fahrt auf der Straße haben die Radler nun unter anderem in der Ridler- und der Trappentreustraße im Westend, in der Thalkirchner Straße in der Isarvorstadt, in der Limesstraße in Aubing sowie der Säbener Straße in Harlaching. Auch in der Baubergerstraße in Moosach und in der Arcis- sowie der Katharina-von-Bora-Straße in der Maxvorstadt fehlen die Schilder. 30 weitere Straßen überprüfen die Verkehrsplaner des KVR derzeit. Sie schauen unter anderem, wie dicht der Kfz-Verkehr in dem jeweiligen Abschnitt ist, und ob Zustand und Breite des Radwegs noch den Anforderungen entsprechen. Stadtweit stehen insgesamt 360 Straßen zur Überprüfung an.
Bei Peter Kappel, dem Vorsitzenden des Münchner ADFC-Ortsclubs, trifft das Vorgehen der Verwaltung auf Zustimmung. "Wir sind froh, dass die Stadt das anpackt", sagt Kappel. Der ADFC plädiert auch deshalb für die Aufhebung der Benutzungspflicht, weil so aus seiner Sicht die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen Radler unterwegs sind, besser abgefedert werden können: Die schnellen Rennradler und Mountainbike-Flitzer kommen auf der Straße rasch voran, ältere Radler oder auch Eltern mit Kindern, die sich nicht auf der Straße zu fahren trauen, bleiben auf dem weiterhin vorhandenen Radweg.
Allerdings berichten Radler immer wieder davon, dass sie von Autofahrern beschimpft, angehupt oder wild gestikulierend auf den Radweg hingewiesen werden. Offenbar haben es viele schlicht noch nicht mitbekommen, dass die Stadt die Pflicht zur Benutzung der Radwege aufheben kann - und dies auch immer öfter tut. Der ADAC jedenfalls appelliert an die Stadtverwaltung, bei den noch zur Überprüfung anstehenden Straßen "sehr genau darauf zu achten, dass die Verkehrssicherheit nicht darunter leidet", wie Alexander Kreipl vom ADAC Südbayern sagt. Insbesondere bei engeren Abschnitten könne es "zu gefährlichen Situationen kommen", warnt Kreipl: "Denn auch wenn sie auf der Straße unterwegs sind, fahren ja viele Radler weiterhin nebeneinander."
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(SZ vom 21.09.2011/mil)
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Die neueste Antwort
ZITAT: "Und wo es aus Sicht der Fachleute sinnvoll und vertretbar ist, geben sie Straßen für Radler frei."
Genauso wurde über Jahre und Jahrzehte verfahren: Geprüft wird nicht, wo eine Benutzungspflicht sinnvoll ist (d.h. per se fahren alle Radfahrer auf der Straße); nein, zuerst schicken sie alle Radfahrer auf die Radwege, und dann prüfen sie "systematisch – Straße für Straße, Stadtviertel für Stadtviertel", wo sie die unrechte Anordnung wieder aufheben …, und das kann dauern!
Das Regensburger ADFC-Mitglied sollte mal in München klagen …
Ach so: das habe ich in meinem Kommentar noch vergessen - es wäre schon sinnvoll, wenn die Süddeutsche Zeitung sich einer korrekten Terminologie bedienen könnte. Die Straße ist die Bezeichnung für den kompletten Verkehrsweg, inklusive Gehweg, ggf. Radweg und der Fahrbahn.
@Njepomuk: Auch ich als potentiell gefährlichster Verkehrsteilnehmer (ok, LKWs sind noch eine Stufe höher anzusiedeln, aber davon abgesehen...) habe keine Lust, Radfahrer umzu- oder zu überfahren. Deshalb bin ich auch für die weitestgehend mögliche Abschaffung von Radwegen, denn dort passiert es mir als KFZ-Fahrer ständig (trotz möglichst umsichtiger Fahrweise, Schulterblick, Spiegelbenutzung), dass ich nicht sicher sein kann, ob dort nun vorfahrtberechtigter Verkehr kommt oder nicht. Diese Situation finde ich als KFZ-Fahrer sogar noch unangenehmer als wenn ich in der analogen Situation als Radfahrer unterwegs bin.
Der gefühlte Schutz, den Radwege zu bieten scheinen, ist in Wirklichkeit ein Sicherheitsnachteil und außerdem führen Radwege auch noch zu anderen Problemen. Wer als Radfahrer beispielsweise der Ansicht ist, nur auf Radwegen sicher unterwegs zu sein, der wird in Abwesenheit von Radwegen viel eher auf Gehwegen fahren (und damit die hier in den Kommentaren auch schon angesprochenen Probleme mit Fußgängern verursachen) als dies Radfahrer tun, die um die wirklichen Gefahrenquellen im Straßenverkehr wissen. Da tut natürlich nicht nur ein einfaches Abschaffen von Radwegen bzw. deren Benutzungspflicht Not, sondern auch eine Sicherheitskampagne.
"Der ADAC jedenfalls appelliert an die Stadtverwaltung, bei den noch zur Überprüfung anstehenden Straßen "sehr genau darauf zu achten, dass die Verkehrssicherheit nicht darunter leidet", wie Alexander Kreipl vom ADAC Südbayern sagt."
Wie wäre es,wenn der ADAC = Autofahrer dürfen alles Club,erstmal
seine Mitglieder auffordern würde auf das richtige Verhalten und damit auf die Verkehrssicherheit zu achten?
* der adac appeliert an die stadtverwaltung zu überprüfen, was den autofahrern zuzumuten ist? der größte autofahrerverband deutschlands könnte doch auch die autofahrer über den aktuellen sachverhalt informieren und auf entsprechend rücksichtsvolles, partnerschaftliches verhalten aller (AUCH der autofahrer appelieren!
* vollkommen richtig: manche autofahrer werden zu - ähem - "autorambos" wenn der radfahrer zurecht auf der strasse fährt und der autofahrer das nicht kapiert. sehr spannend: lkw-fahrer die zur wildsau werden und den radler abdrängen. überrollt mich nun die hinterachse des vierzigtonners oder reicht mir der rinnstein noch? (kein schmääh, passiert schon mal)
* nebenschauplatz: fahrradfahren mit kindern: ein graus! ein kind fährt nun mal etwas langsamer und nicht so routiniert. gehweg: ärger mit fussgängern, radlweg: klar möchte der streckenradler schnell weiterkommen. strasse: wird viel zu eng überholt. und am besten: baustellen mit plötzlich verschwundenem rad- und fussweg. das kind natürlich voller eifer weiter - auf die strasse bei fahrbahnverengung und dichtem kfz-verkehr. beispiele gibt's viele, zB aktuell auch die werinhgerstrasse, hausnummer 17. die polizei schert sich darüber übrigens einen dreck!
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