Radio M94.5 droht Verlust der Frequenz - und des jungen Publikums

Eine Sendeampel im Studio des Münchner Studentenradios M94.5: Der Sender muss sich derzeit dagegen wehren, seine Frequenz abgeben zu müssen.

(Foto: Lukas Barth)
  • Es gibt Überlegungen, dem Münchner Ausbildungssender M94.5 die UKW-Frequenz zu entziehen. Der Sender müsste dann ins Internet abwandern.
  • Nach SZ-Informationen sind - zumindest bislang - M94.5 und die Privatsender Rock-Antenne und Ego FM an dem Vergabekampf beteiligt.
  • Der Radiomarkt in Großstädten ist hart umkämpft, auch weil nach wie vor die meisten Hörer UKW nutzen und nicht die digitale Alternative.
Von Michael Bremmer

Während im Internet seit Montagabend Unterstützer für eine Petition zum Erhalt des Ausbildungsradios M 94.5 als UKW-Frequenz gesucht werden, zeigt sich in der Realität, wie hart umkämpft der Radiomarkt auf UKW- Frequenzen in Großstädten ist - und wie schwer die Einzelinteressen der Sender und Verbände zu durchschauen sind.

Mit im Vergabekampf für die Münchner UKW-Frequenz 94,5 sind nach Informationen der SZ - zumindest bislang - das Ausbildungsradio M 94.5, das seine Frequenz behalten will, der Privatsender Rock- Antenne sowie Ego FM, das ebenfalls ein junges Zielpublikum anspricht. Die Sendelizenz vergibt die bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Das Thema stand vergangenen Donnerstag auf der Tagesordnung des Hörfunkausschusses, eine Diskussion über die Vergabe wurde allerdings auf Februar verschoben.

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Worum geht es für die einzelnen Sender? Verliert M 94.5 die UKW-Frequenz, verliert das Ausbildungsradio Reichweite. Bislang hören laut der aktuellen Funkanalyse Bayern 20 000 Menschen am Tag das junge Programm - ob über UKW, DAB oder über die Internet-App, ist aus dieser Statistik nicht zu erfahren.

Der Vorstand vom Verein "Freunde von afk M 94.5" verweist auf eine im November dieses Jahres veröffentlichte JIM-Studie, laut der 75 Prozent der jungen Menschen, also die Kernzielgruppe von M 94.5, "Radio nicht über DAB+ oder über das Internet hören, sondern über den terrestrischen Empfang via UKW". Außerdem sei, so heißt es in einer Pressemitteilung, "die klassische Radionutzung über UKW im Jahr 2016 generell angestiegen". Im Gegenzug gebe es demnach immer weniger junge Menschen, die via DAB+ Radio hören.

Verliert M 94.5 die UKW-Frequenz, bedeutet das nicht das Ende des Jugendradios - es wird dann allerdings nur noch im Internet oder via terrestrisches Digitalradio DAB zu empfangen sein - für letzteres benötigt man besondere Endgeräte.

Die Freunde von M 94.5 schreiben: "Die Möglichkeit einer vollwertigen Aus- und Fortbildung unter realen Bedingungen" könne nur mit der UKW-Frequenz aufrecht erhalten werden. Hier aber widerspricht die Landeszentrale für neue Medien: "Wir haben keinerlei Interesse, die Ausbildung zu schwächen", erklärte Bettina Pregel. Um das Ausbildungsziel erreichen zu können, sei allein notwendig, dass die Sendungen live on air zu hören seien - wo oder wie auch immer.

Bleiben also die bislang zwei weiteren Interessenten, Ego FM und Rock-Antenne, letztere gehört zur Sendegruppe von Antenne Bayern. Die Überlegung der Landeszentrale, die Frequenzen umzuwidmen, habe "absolut nichts mit einer Einstellung dieser wichtigen Aus- und Fortbildungs-Aktivitäten zu tun", erklärte Karlheinz Hörhammer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Antenne Bayern. Das Ziel müsse sein, "den jungen Nachwuchs fit für das digitale Zeitalter zu machen".

Die Landeszentrale für neue Medien hat ein Hörfunkkonzept 2020 entwickelt, in dem es um die Vermarktungsfähigkeit des privaten Hörfunks in München geht. Auf dieses Papier verweist nun auch Antenne Bayern: "Teil dieses Konzepts ist die Stärkung des privaten Hörfunks durch ein besseres und breiteres Angebot im Wettbewerb um die Hörer und Hörerinnen in Bayern.

Dazu gehört auch der Ausbau des Angebots der Rock-Antenne über UKW." Dieses Anliegen missfällt nun wiederum dem Verband Bayerischer Lokalrundfunk (VBL). Dessen Vorsitzender Willi Schreiber hat vor etwa drei Wochen seine Verbandsmitglieder in einem Schreiben darum gebeten, sich bei den Entscheidungsträgern dafür einzusetzen, die UKW-Frequenz nicht an die Rock-Antenne zu vergeben.

"Es geht uns nicht um die Programmvielfalt", sagte Willi Schreiner auf Anfrage der SZ, "sondern nur um die Vermarktungsfrage." Der Verband Bayerischer Lokalrundfunk habe nie einen Antrag gestellt, dass M 94.5 die UKW- Frequenz nicht bekomme. Aber: Bevor die Rock-Antenne den Zuschlag bekomme, so Schreiber, solle man "die Frequenz lieber einfrieren".

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