Radfahrer in München Rad und Tat

Radfahrer in München haben es nicht immer leicht. Dennoch werden es immer mehr. Die rot-grüne Koalition im Rathaus feiert ihre Offensive für Radfahrer als Erfolg. Die Opposition geißelt das als Verschwendung und Klientelpolitik.

Von Marco Völklein

Eine besonders enge Baustellenabsperrung an der Cosimastraße, ein extrem schmaler Radweg in der Brienner Straße und ein Wegweiser auf dem "Münchner Radlring", unter dem das Schild "Radfahrer absteigen" angebracht ist - das sind in den Augen des Bund Naturschutz "Münchens wahn-witzigste Radlerfallen". Der Verband hatte die Bürger gebeten, Radlerfallen zu melden und Fotos einzusenden. Über 200 Bilder kamen zusammen. Die Naturschützer wollten damit auf die Probleme hinweisen, mit denen Radler an der Isar konfrontiert sind.

Radfahren München: Die rot-grüne Koalition im Rathaus feiert die wachsende Zahl an Radlern in München als Erfolg.

(Foto: Catherina Hess)

Doch trotz der zahlreichen Erschwernisse wächst der Anteil des Fahrrads am Gesamtverkehr weiter: Mittlerweile legen die Münchner 17,4 Prozent ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück. "Als ich im Jahr 1996 Bürgermeister wurde, lag der Wert noch bei sechs Prozent", sagte der dritte Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) am Dienstag im Stadtrat. Denn erneut hatten sich die Stadtpolitiker mit der Radverkehrspolitik und insbesondere mit der von Rot-Grün gestarteten "Radlhauptstadt"-Kampagne zu beschäftigen. Und die sorgt nach wie vor für jede Menge Streit im Rathaus.

Mit mittlerweile zwei "Radlnacht"-Aktionen, mit Sicherheitschecks auf großen Plätzen, Radlkursen in Schulen, dem "Radljoker" und der Wahl des "Radlstars" hatte die Stadt versucht, im Rahmen der Kampagne mehr Radler auf die Straße zu bringen. Und das sei auch gelungen, befand Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger. "Sie müssen sich nur die Zahlen anschauen." Laut einer Studie, die die Stadt parallel in Auftrag gegeben hatte, ist nicht nur der Anteil der Radler am Gesamtverkehr gestiegen; 12,5 Prozent der Befragten gaben vielmehr an, genau wegen dieser Kampagne nun öfter mit dem Rad unterwegs zu sein. Wichtig ist auch: Der Zuwachs beim Radverkehr ging nicht, wie in anderen Städten, zu Lasten von Bus und Bahn. Der Nahverkehrsanteil stieg ebenfalls in den vergangenen drei Jahren leicht an (von 21 auf 22,8 Prozent). Vielmehr gelingt es der Studie zufolge den Anteil der Autofahrer zu drücken - von 29 Prozent im Jahr 2002 auf mittlerweile nur noch 22,9 Prozent.

CSU-Stadtrat Robert Brannekämper bemängelte, dass für die Studie nur 750 Münchner sowie ausgewählte Verkehrsexperten befragt wurden: "Wenn ich die Fans des FC Bayern frage, welcher Verein der beste ist - dann steht das Ergebnis von vorneherein fest." Statt zusätzliche Radwege zu bauen oder Fahrradstellplätze zu schaffen, wende sich Rot-Grün mit der Kampagne an die, "die eh schon Radl fahren", so Brannekämper: "Das ist reinste Klientelbedienung Ihrer Wählergruppierungen." Orhan Akman (Linke) warf Rot-Grün vor, "Geld zum Fenster rauszuschmeißen". Daher fehle es an Finanzmitteln, um zum Beispiel mehr Personal im Kreisverwaltungsreferat zu beschäftigen, wo sich die Bürger über lange Wartezeiten an den Schaltern ärgern.

Josef Assal (SPD) entgegnete, man nehme aus dem ursprünglich geplanten Kampagnenbudget nun 300 000 Euro heraus - und reagiere so auf den Spardruck auch bei der umstrittenen Kampagne. Für 2012 stehen den Machern nun 600 000 Euro zur Verfügung, 2013 und 2014 soll der Betrag auf jährlich 500 000 Euro sinken. Damit flössen nur etwa fünf Prozent der Ausgaben, die die Stadt jedes Jahr für den Radverkehr vorsieht, in die Kampagne, sagte Grünen-Stadträtin Nallinger: "95 Prozent stecken wir in den Ausbau der Radverkehrs-Infrastruktur."