Von Michael Zirnstein

Die Münchner Schwulen- und Lesben-Szene feiert bei "Queer Beats" in allen Sälen des Muffatwerks. "Anders" ist vor allem die Musik.

Ricky Martin hat sich auf seiner Internetseite geoutet - und damit keineswegs ins Aus gestellt. "Ich bin stolz, sagen zu können, dass ich ein glücklicher homosexueller Mann bin." Schön für ihn.

Muffatwerk München

Am 4. April findet im Muffatwerk das Queer Beats Festival statt. (© Foto: Alessandra Schellnegger)

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Dass darum nun ein solches mediales Gedöns gemacht wird, war wohl werbestrategisch erwünscht. Und es zeigt, wie neugierig die - aus ihrer Sicht - Normalen auf das sexuelle Leben der - für sie - Anderen auch noch 41 Jahre nach dem Aufstand in der Christopher-Street sind.

Ricky Martin ist also schwul, deswegen hätte seine Musik aber noch lange keinen Anspruch auf einen Stammplatz auf den Plattentellern im Candy Club, der Münchner Partyreihe für homo- und transsexuelle Freunde irgendwie andersartiger Pop-Musik.

Längst ist es auch für Normale ganz normal, hier mitzufeiern, und so war die übergroße Jubiläumssause zum Zehnjährigen ein solcher Renner, dass der Veranstalter Thomas Lechner nun jedes Jahr einmal ein solches Queer Beats Festival im ganzen Muffatwerk veranstalten will.

Schwul oder lesbisch zu sein, ist keine Bedingung, weder für den Eintritt, noch für den Auftritt. Die Künstler verbindet allein ihre "Queerness", also der "Mut zum Nicht-Normgerechten und Unerwarten" und, dass Indie-DJ und -Kenner Lechner sie für mindestens sensationell befindet.

Man kann seinem Gespür für Extravagantes vertrauen. Aufs Neue (wie stets bei den "Bavarian Open"-Festivals im BR) präsentiert er viele gerade nach vorne preschende Musiker als Erster in der Stadt: Dansette Junior zeigen ihre furiose Drum'n'Bass-Indie-Pop-Show erstmals außerhalb von Großbritannien.

Die Fagget Fairys, die etwa von lesbischer Anmache singen, kommen erstmals nach München, die tanzenden Stockholmer Beat-Freaks Slagsmalsklubben erstmals nach Bayern, die Rock'n'Roller Hunx and his Punx aus Oakland erstmals nach Deutschland, die Indierocker Hunter Valentin aus Toronto erstmals nach Europa.

Da zielt Lianne Hall aus Brighton (München-Premiere!) mit ihrem Folk in die emotionale Tiefe, derweil die schwergewichtige Disco-(Drag-)Queen Hard Ton aus Venedig, verschnürt wie ein Rollbraten, falsettierend mit Kilos und Klischees klotzt.

Neben Stars aus New York (Men mit JD Samson von Le Tigre), Amsterdam, Prag und Lyon zeigt auch die Münchner Szene, dass sie Überraschendes zu bieten hat: zum Beispiel die aufreizend-neckische Burlesque-Entkleidetanztruppe The Filly Follies.

Queer Beats Festival, So., 4. April, 20Uhr, Muffatwerk, Zellstraße 4, 0180/11001200

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(SZ vom 01.04.2010/rs)