Geheimdienst Pullach und das BND-Erbe: 30 ganz geheime Hektar Grund

Das Areal in Pullach umfasst auch einige historische Gebäude, auch aus der NS-Zeit. Das früher als 'Villa Bormann' bezeichnete Stabsleiterhaus wurde zwischen 1936 - 1940 vom Architekten Roderich Fick erbaut.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Bis 2017 soll der Umzug des Bundesnachrichtendienstes nach Berlin abgeschlossen sein.
  • In Pullach bleiben 70 Hektar Fläche zurück. Ein Teil davon - etwa 30 Hektar - kann neu genutzt werden.
  • Die Bürgermeisterin beklagt, dass die Gemeinde über die BND-Pläne nur dürftig informiert werde.
Von Michael Morosow

In der Gemeinde Pullach im Süden Münchens haben seit einigen Jahren die Möbelpacker Hochkonjunktur. Täglich verlassen Umzugswagen den Ort in Richtung Berlin, beladen mit dem Hab und Gut von mehren Tausend in Pullach lebenden Mitarbeitern des Bundesnachrichtendiensts (BND). Bis 2017 soll die circa 1,3 Milliarden Euro teure Rochade der BND-Zentrale von der Isar an die Spree abgeschlossen sein. Das Erbe, das die "Schlapphüte" am Isarhochufer hinterlassen werden, lässt vor allem die Immobilienbranche aufhorchen.

Vor 60 Jahren ist die Behörde am 1. April ins Leben gerufen worden. Das Areal der alten BND-Zentrale in Pullach ist mit 70 Hektar fast so groß wie der Münchner Olympiapark. Es ist ein Filetstück im Speckgürtel der Landeshauptstadt, wo es von Haus aus um viel Geld geht, wenn die Ausweisung von Gewerbe- und Wohngebieten ansteht.

Still und dunkel steht die BND-Zentrale

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70 Hektar sind ein Zehntel des gesamten Gemeindegebiets. Zieht man die Flächen ab, auf denen denkmalgeschützte Gebäude wie die Rudolf-Hess-Siedlung stehen und Flächen, die der BND behalten will, bleiben immerhin circa 30 Hektar in bester Lage. Die zentrale Frage, die sich Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) und der Gemeinderat nunmehr stellen müssen, lautet: Was tun mit der Planungshoheit, die man für einen großen Teil des riesigen Geländes zwischen Wald und Isar besitzt?

Zu übereilten Entscheidungen sind die Kommunalpolitiker dabei nicht gezwungen. Im Rathaus geht man davon aus, dass nach dem Umzug des BND weitere neun Jahre ins Land ziehen werden, bis die ersten Flächen im eingezäuntem BND-Gelände für Baumaßnahmen freigegeben werden.

Die Zeitplanung kann sich jeden Tag ändern

"Wir rechnen mit 2022/2023", sagt die Bürgermeisterin, erklärt aber im gleichen Atemzug, dass sich der Zeitplan jeden Tag wieder ändern könne und die Gemeinde über die BND-Pläne ohnehin nur dürftig informiert werde.

Wenn der BND alleiniger Verhandlungspartner der Gemeinde wäre, dann hätte es Susanna Tausendfreund ungleich leichter bei allen Überlegungen zur Nachfolgenutzung für die alte BND-Heimstatt. "Wenn wir umgezogen sind, dann behalten wir 17 Hektar, der Rest wird an die Gemeinde Pullach übergeben", sagte ein BND-Sprecher zur SZ.

So einfach ist das freilich nicht. Was an die Gemeinde übergeben wird, das ist einzig die Planungshoheit. Eigentümer der Immobilie bleibt der Bund, vertreten durch die Bundesimmobilienanstalt (Bima). Wenigstens hat sie der Gemeinde eine Erstzugriffsoption eingeräumt - aber bereits vor wenigen Monaten den Markt eröffnet, indem sie das erste Teilgrundstück feilbot, wofür sich neben der Gemeinde die Pullacher Firma LHI-Leasing interessiert.

Die Grundstückspreise künstlich hoch zu handeln sei nicht die Absicht der Gemeinde, sagt die Rathauschefin. Ihr schwebe eine bedarfsorientierte Nutzung der Flächen vor, etwa eine Bildungseinrichtung im Campus-Stil und eine VHS-Einrichtung.

Dass die Bima keineswegs jeden Wunsch der Gemeinde erfüllen will, hat sich gezeigt, als sie die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem BND-Gelände mit dem Verweis auf Sicherheitsbedenken ablehnte. Nun will die Gemeinde eine Flüchtlingsunterkunft auf dem BND-Busparkplatz bauen - und wartet bis heute auf Antwort der Bima.

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