Schwarze Leinwände statt einer Live-Übertragung des Papst-Gottesdienst: In der Münchner Innenstadt ist am Sonntagvormittag die Enttäuschung groß.
Die Leinwände sind schwarz. Egal ob an der Frauenkirche, am Odeonsplatz, vor der Oper oder auf dem Marienplatz: Der Gottesdienst mit dem Papst in der Messe Riem wird am Sonntagvormittag nicht in der Innenstadt übertragen, obwohl dort zahlreiche Leinwände hängen.
Anzeige
"Wir hocken da, wie bestellt und nicht abgeholt", sagt Johanna Mayer. Sie sitzt auf einem winzigen Klappstuhl auf dem Marienplatz und wartet mit ihren zwei Freundinnen vergebens, dass die Bildschirme anspringen. "Ich habe mich gestern Abend extra noch erkundigt, und da hieß es: Hier wird es übertragen", sagt Elfriede Hertler. Sie ist wie Johanna Mayer mit einem Bus aus der Nähe von Stuttgart angereist, im Gepäck auch Karten für die Messe. Aber sie haben gestern schon stundenlang ausgeharrt, um den Papst zu sehen. "Wir können nicht schon wieder stehen. Wir haben gestern schon fünf Stunden gestanden. Das geht nicht. Und irgendwie muss man doch auch an solche Leute denken, und nicht nur an die Jugend."
Die Enttäuschung ist groß. Etwa hundert Menschen stehen auf dem Marienplatz. Auch Familien mit Kinderwagen sind gekommen. Sie sind nicht nach Riem gefahren, weil immer wieder daraufhingewiesen wurde, dass mit dem Gottesdienst Anstrengungen verbunden seien wie lange Wartezeiten, keine Sitzgelegenheiten, eventuell große Hitze oder Regen. Aber nun stehen sie mitten in der Stadt und bekommen von der Messe gar nichts mit. Mirko-Michael Naundorf aus Potsdam ist mit seiner Frau und seiner Tochter aus Potsdam nach München gekommen, um den Papst zu sehen: "Wir hatten gedacht, dass wir zumindest auf dem Marienplatz der Gottesdienst auf Leinwänden sehen können. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall."
Es geht das Gerücht um: Die Polizei habe die Übertragung kurzfristig abgesagt, weil zu wenig Menschen da wären. Wenn man die Polizisten befragt, wissen sie aber nichts von dieser Entscheidung. Sie hätten wiederum gehört, es gäbe technische Probleme. Ja, was denn nun? Ein Anruf beim Erzbistum München klärt auf: "Das war nie geplant, dass der Gottesdienst übertragen wird auf den Leinwänden. Wir haben ausreichend kommuniziert, dass am Samstag auf den Videowänden die Ankunft des Papstes und das Gebet an der Mariensäule gezeigt wird und dann wieder am Sonntag von 17 Uhr bis 19.15 Uhr, also die Fahrt im Papamobil und die Vesper im Liebfrauendom", sagt Adelheid Utters-Adam vom Erzbistum München.
Diese Information hat die Menschen nicht erreicht, die am Sonntagvormittag vor schwarzen Leinwänden stehen. Sie sind zwar nicht massenhaft erschienen, aber es sind genügend da, die sich sehr gefreut hätten, gemeinsam mit anderen Gläubigen den Papst-Gottesdienst im Großformat zu erleben. Viele von ihnen verschwinden schnell wieder. Sie eilen nach Hause, um wenigstens noch den Rest der Messe mitzubekommen.
(sueddeutsche.de)
Die neueste Antwort