Von Alexander Krug

Nach dem Scheidungstermin lauerte er seiner Ex-Frau auf. Dem angeklagten Iraker, der das Opfer erstochen und angezündet haben soll, droht lebenslange Haft.

Sazan B., 24, hatte keine Chance. Auf dem Heimweg wurde sie von ihrem Ex-Ehemann abgefangen, Mahmud K., 36, zog ein Messer und stach auf sie ein. Dann überschüttete er sein schwerverletztes Opfer mit Benzin und entzündete es.

Tatort in Garching Bild vergrößern

Passanten legen Blumen am Tatort nieder. (© Foto: Ulla Baumgart)

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Vorboten dieser Bluttat im Oktober vorigen Jahres in Garching gab es viele. Wäre sie deshalb zu verhindern gewesen? Diese Frage wurde damals gestellt und sie wird wieder aktuell, wenn am kommenden Donnerstag der Prozess gegen ihren Ex-Ehemann und mutmaßlichen Mörder im Schwurgericht beginnt.

Mahmud K. ist Kurde und wuchs mit neun Geschwistern im nordirakischen Sulaimanija auf. 1996 flüchtete der gelernte Automechaniker nach Deutschland, wo er einen Asylantrag stellte. Der wurde zwar abgelehnt, doch Mahmud K. bekam eine "Duldung". Zunächst schlug er sich als Putz- und Spülhilfe durch, dann fand er einen Job in einem Schnellrestaurant.

Den Ermittlungen zufolge entschloss er sich im Jahr 2000 zu heiraten, die Auswahl seiner Braut übernahm die Familie in der Heimat. Die damals 17-jährige Sazan B. soll mit der Heirat nicht einverstanden gewesen sein, doch sie musste der Tradition folgen. 15.000 Euro soll der Brautpreis betragen haben, die Mahmud K. zahlte.

Überfall nach dem Scheidungstermin

Wie Sazan B. nach Deutschland kam, ist ungeklärt. Wahrscheinlich waren es bezahlte Schlepper, die sie 2001 nach München brachten. Im August desselben Jahres kam ein Sohn zur Welt, die Spannungen zwischen den Eheleuten sollen sich danach vertieft habe. Die Rede ist von Schlägen, Drohungen und sogar Vergewaltigungen.

Fest steht, dass Sazan B. ein Kontaktverbot erwirkte, doch Mahmud K. hielt sich nicht daran. "Wir haben ihn immer wieder angezeigt, festgenommen und ins Präsidium geholt, aber zu mehr hat es vom Gesetz her nicht gereicht", sagte ein Polizeisprecher kurz nach der Bluttat am 25. Oktober 2006.

Jener Tag hatte für Sazan B. zunächst wie ein Freudentag angefangen. Denn am Mittag war Scheidungstermin im Gericht und nach der Trennung soll sie laut einer Freundin sehr glücklich gewesen sein. Nur Stunden später war sie tot.

Die Anklage wirft Mahmud K. vor, seiner Frau in Garching aufgelauert und vor den Augen des kleinen Sohnes und einer Vielzahl von Passanten niedergestochen und in Brand gesetzt zu haben. Sazan B. lebte noch zwei Stunden, bevor sie in einer Klinik ihren Verletzungen erlag.

Typischer Fall des Ehrenmordes

Für die Ankläger ist es ein typischer Fall des sogenannten Ehrenmordes, auch wenn sie es nicht so offen aussprechen. Mahmud K. soll schon früher gedroht haben, seine Frau umzubringen. Ihre Unabhängigkeit, vor allem aber ihr Streben nach einer Scheidung, empfand er als Schande.

Angeblich soll auch der Vater von Sazan B. die Tat gutgeheißen haben. Dies soll der Angeklagte bei einem Verhör geäußert haben. Beweise dafür gibt es nicht, die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater eingestellt. Dieser tritt im Prozess auch als Nebenkläger auf, ob er im Gericht erscheint, ist aber noch unklar.

Verteidigt wird Mahmud K. vom Münchner Rechtsanwalt Markus Meißner. Der weiß um die Schwierigkeit des Mandats, denn das Urteil "lebenslang" scheint aufgrund der Beweislage fast schon festzustehen. Allein drei Mordmerkmale sehen die Ankläger erfüllt, Grausamkeit, Heimtücke und niedrige Beweggründe.

Nach vorläufigem Gutachten ist Mahmud K. auch voll schuldfähig. Anwalt Meißner hat angekündigt, dass sein Mandant am Donnerstag im Gericht selbst zu den Vorwürfen Stellung nehmen wird. Eines Tages wird er auch seinem kleinen Sohn Rede und Antwort stehen müssen. Der lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie.

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(SZ vom 01.10.07)