Prozess Vier Angeklagte sollen Tausende Privatanleger geprellt haben

  • In München stehen vier Männer vor Gericht, die über ein Schneeballsystem mehr als 4000 Anleger um 50 Millionen Euro gebracht haben sollen.
  • Der Fall spielt am sogenannten grauen Kapitalmarkt, in dem mit Genussscheinen, Schuldverschreibungen, Beteiligungen und Sachanlagen gehandelt wird - und es kaum Regeln gibt.
Von Stephan Radomsky

Das Angebot der SAM AG, es klang für mehr als 4000 Privatanleger offenbar einfach zu verlockend: Renditen von mehr als zehn Prozent im Jahr, garantiert - und das auch noch, ohne Geld überweisen zu müssen, versprachen Michael Frank O. und seine Kollegen. Die Kunden sollten ihnen oder einem Treuhänder ihre Bauspar-, Lebens- oder Rentenversicherungsverträge abtreten, das Geld werde dann viel gewinnbringender investiert. Zwischen Februar 2009 und März 2012 flossen so knapp 50 Millionen Euro in ein Vehikel, das nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ein reines Schneeballsystem war. Am Freitag nun beginnt in München der Betrugsprozess gegen O. und drei seiner Partner. O.s Verteidigerin wollte sich am Donnerstag nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der Fall spielt, wie viele andere große Anleger-Pleiten der vergangenen Jahre auch, am sogenannten grauen Kapitalmarkt: In jenem kaum reglementierten Bereich, in dem mit Genussscheinen, Schuldverschreibungen, Beteiligungen und Sachanlagen gehandelt wird. Stets versprechen die Anbieter dort viel höhere Renditen, als sie anderswo zu erzielen sind.

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Dass dabei Lebensversicherungen oder Bausparverträge als Einsatz genommen werden, sei eine gängige Masche, sagt Wolf Brandes, Graumarkt-Experte der Verbraucherzentrale Hessen. Die oft niedrig verzinsten Policen würden bei den Anlegern t schlecht gemacht und ihnen dann mit wohlklingenden Geschichten von traumhaften Gewinnen und erneuerbaren Energien abgeschwatzt. "Natürlich trennen sich die Kunden dann von so einem Vertrag viel leichter, als von Bargeld", sagt Brandes.

Die Summe von knapp 50 Millionen Euro bei der SAM AG ist zwar deutlich niedriger als bei Fällen wie dem Frankfurter Immobilienunternehmen S&K. Die in München angeklagten Männer zeigten bei ihren Geschäften nach Darstellung der Anklage aber einiges an krimineller Energie. Demnach täuschten sie allein durch den Namen ihrer in der Schweiz registrierten Firma die Anleger: Er habe Nähe zu einem erfolgreichen und etablierten Vermögensverwalter suggerieren sollen. Zudem hätten die Männer sowohl die Schweizer Finanzaufsicht Finma als auch die deutsche Bafin in die Irre geführt, um ohne die nötige Lizenz Anlegergelder einzuwerben.

Das Kapital, so hätten es die Angeklagten den Kunden vorgegaukelt, sollte mal in bahnbrechende Ultraschall-Technologien, mal in Immobilien und schließlich in Erdwärme-Kraftwerke fließen, um die fantastischen Renditen bei gleichzeitiger Sicherheit abzuwerfen.

Tatsächlich aber sei fast kein Kapital angelegt worden, glaubt die Staatsanwaltschaft. Viel mehr sei das Geld im Firmengeflecht der Angeklagten zwischen der Schweiz, Deutschland und Panama versickert. O. und seine Partner hätten dabei mit dem Kapital neuer Kunden die Auszahlungen an früher eingestiegene Kunden bezahlt und sich nebenher einen aufwendigen Lebensstil finanziert - ein klassisches Schneeballsystem. Das wenige investierte Geld sei entweder gleich verzockt oder in höchst unsichere Projekte gesteckt worden. Auf diese Weise erhielten die Anleger nur einen Bruchteil ihres Kapitals zurück, der Schaden soll bei insgesamt mehr als 40 Millionen Euro liegen.

Ob die Staatsanwaltschaft den vier Hauptangeklagten den Betrug wirklich nachweisen kann, werden die kommenden Monate zeigen. In der Praxis sei das oft sehr schwierig, weiß Verbraucherschützer Brandes. Der Fall S&K beispielsweise endete lediglich mit Verurteilungen wegen Untreue. Bis Ende Oktober jedenfalls hat das Gericht schon jetzt 37 Verhandlungstage angesetzt.

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