Prozess um Mord an Staatsanwalt Dachauer Todesschütze ist verhandlungsfähig

Während der Urteilsverkündung im Dachauer Amtsgericht schoss Rudolf U. um sich, nun hat das Gericht entschieden: Der mutmaßliche Mörder eines jungen Staatsanwaltes ist doch verhandlungsfähig. Zu diesem Ergebnis kamen die Richter nach einer Anhörung des schwerkranken Mannes.

Von Annette Ramelsberger

Der Angeklagten Rudolf U. bei seiner Festnahme durch Polizisten. Wegen seiner Erkrankung musste der Prozess verschoben werden - nun hat das Gericht den 5. November als neuen Termin festgelegt.

(Foto: dapd)

Der Angeklagte Rudolf U., dem vorgeworfen wird, im Amtsgericht Dachau einen jungen Staatsanwalt erschossen zu haben, hat sich nach seiner Beinamputation so weit erholt, dass er als verhandlungsfähig gilt.

Richter, Verteidiger und Landgerichtsarzt haben den Mann am Donnerstag in der Haftanstalt Stadelheim besucht. Er habe die Fragen verstanden und einen klaren Eindruck gemacht, erklärte eine Gerichtssprecherin. "Er hat dem Gericht erklärt, dass er an der Verhandlung teilnehmen will."

Demgegenüber hatte sein Wahlverteidiger aus Landshut wiederholt erklärt, sein Mandant wolle in Ruhe sterben. Der Anwalt wirft der Justiz vor, dem Angeklagten gegen seinen Willen das Bein abgenommen zu haben, um ihn "auf die Anklagebank zu zerren". Auch das war Gesprächsgegenstand bei dem Besuch des Gerichts. Dabei erklärte der Angeklagte aber, er habe die Entscheidung zur Amputation selbst getroffen. Er habe Angst vor dem Tod gehabt.

Der Prozess gegen den Transportunternehmer aus Dachau soll nun am 5. November beginnen.