Von Alexander Krug

Der Ehemann der ermordeten Susanne T. sagt als Zeuge aus, den Angeklagten würdigt er keines Blickes.

Es muss ein schwerer Gang gewesen sein für ihn. Im Angesicht des mutmaßlichen Mörders seiner Ehefrau zu sitzen und im Bewusstsein, wie dieser sie wiederholt in den Schmutz gezogen hatte. Im Prozess um die ermordete Patentanwältin Susanne T. nahm am Mittwoch ihr Ehemann Stephan, 43, auf dem Zeugenstuhl Platz.

Anzeige

Den Angeklagten Rick T. würdigte er keines Blickes. Gefasst und ruhig schilderte er den Werdegang seiner Frau. Erst als ihn der Richter fragte, wie er mit dem Tode seiner Frau "zurechtkomme", übermannten ihn die Emotionen, und er brach in Tränen aus.

Mehrmals hatte der wegen Mordes angeklagte Rick T. in Vernehmungen behauptet, mit der Patentanwältin Susanne T. ein Verhältnis gehabt zu haben. Erst am zweiten Prozesstag war er endgültig von dieser Version abgerückt, allerdings nur, um dem Gericht eine weitere obskure Version von vermeintlichen Drogendealern zu präsentieren, die ihn zur Tat gezwungen hätten.

Rick T. und sein Opfer trennten Welten. Susanne T. sei eine "hochintelligente" und "ehrgeizige" Frau gewesen, meinte ihr Ehemann. Die 39-Jährige stammte aus einer christlich geprägten Familie, der Vater war evangelischer Pfarrer. Kennen gelernt hatten sie ihren Mann während ihrer Ausbildung zur Patentanwältin, 1999 heiratete das Paar.

"Sie war eine toughe Frau"

In der Karriere ging es schnell steil nach oben, bald schon war Susanne T. Partnerin in einer Patentanwaltskanzlei. "Sie war eine toughe Frau, gleichzeitig war sie sehr beliebt, offen und gradlinig", meinte ihr Mann. Der Preis für die Karriere sei eine sehr hohe Arbeitsbelastung gewesen, ein zwölf-Stunden-Tag völlig normal gewesen.

Im Sommer 2005 hätten sie sich den Traum von einem eigenen Haus mit Garten in Trudering erfüllt. Am Vortag der Tat (19. Dezember 2005) hätten sie noch gemeinsam Geschenke verpackt und sich auf die Weihnachtszeit gefreut. Am Tattag brach Stephan T. zum Flughafen auf, seine Frau habe ins Büro fahren wollen.

Nach seiner Rückkehr am Nachmittag habe er dort gleich angerufen. "Die Sekretärin war ganz verstört, denn Susanne war gar nicht gekommen." Er sei dann nach Hause nach Trudering gefahren und habe schon einen "ziemlichen Paniklevel" erreicht. "Ich ging ins Obergeschoss und dann hab' ich sie im Schlafzimmer gefunden."

Er sei nach der Tat in ein "tiefes Loch" gefallen, so Stephan T. Ein Psychologe habe ihm viel geholfen, doch "vergessen kann man das nie". Er versuche, positiv in die Zukunft zu schauen, "aber an einem Tag wie diesem fällt das schwer". Den Eltern der Getöteten gehe es "tendenziell noch schlechter" als ihm, sie "leben in dem Konflikt zwischen dem christlichen Verzeihen-Wollen und dem Nicht-Können".

T. verfolgte die Aussage des Ehemanns äußerlich ungerührt, aber konzentriert. Während er sein Kinn mit einer Hand abstützte, schien er Stephan T. zu beobachten. Das Gericht wird noch weitere Zeugen vernehmen, bevor die Gutachter das Wort haben. Ein Urteil wird erst für den 1. März erwartet.

Leser empfehlen 

(SZ vom 15.2.2007)