Der Staatsanwalt wirft dem 40-Jährigen Übergriffe im Zeltlager vor, der Angeklagte bestreitet das entschieden.
Es ist ein schwerer Vorwurf und er könnte dem Lehrer Hans H. (Name geändert) nicht nur das Ende seiner Beamtenlaufbahn, sondern auch eine Freiheitsstrafe einbringen. Der 40 Jahre alte Mathematiklehrer soll 2005 während drei Zeltlager-Aufenthalten mit einer Handball-Schülermannschaft einen 13-jährigen Jungen insgesamt fünfmal sexuell missbraucht haben. Am Mittwoch beim Prozessauftakt im Amtsgericht bestritt er die Vorwürfe entschieden.
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Prozess: Ein Lehrer soll einen Schüler im Zeltlager sexuell missbraucht haben. (© Foto: dpa)
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Der groß gewachsene Hans H. war der Anklage zufolge damals in einem Münchner Gymnasium als Lehrer tätig und trainierte dort die Handball-Schülermannschaft. Gleichzeitig leitete er ehrenamtlich das Training einer Vereinsmannschaft. Im Jahr 2005 fuhr er mit der Jugendmannschaft insgesamt dreimal ins Zeltlager, immer mit von der Partie war dabei der 13-Jährige, der ihn als Mathelehrer kannte. Die Staatsanwaltschaft wirft Hans H. vor, dem Jungen bei fünf Gelegenheiten nachts im Zelt in die Unterhose gegriffen und sein Geschlechtsteil angefasst zu haben.
"Mein Mandant hat die Taten nicht begangen. Er ist unschuldig und daher freizusprechen", sagte sein Verteidiger Jochen Uher. Der Anwalt spricht von einem "Rufmord" und "bösen Gerüchten", die nicht zutreffend seien. Aus seiner Sicht handele es sich um "reine Phantasien" des Jungen, der wegen schlechter Noten die Schule habe wechseln müssen und deshalb gegenüber seinen Eltern in "Erklärungsnotstand" geraten sei. Auch habe sich der Schüler in der Handballmannschaft zurückgesetzt gefühlt, weil er nur auf der Bank gesessen sei.
Lehrer Hans H. soll vom Schuldienst suspendiert worden sein, er ist aber auf freiem Fuß. Die Schuldfrage steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit des Jungen, dessen Aussage beim Ermittlungsrichter wie in solchen Fällen inzwischen üblich auf einem Video festgehalten ist. Das Gericht hat außerdem ein mehr als 100-seitiges Gutachten über die Glaubwürdigkeit des Schülers erstellen lassen.
Der Vater des Jungen sagte zum Prozessauftakt als Zeuge aus. Der 49-jährige Techniker erklärte, sein Sohn habe ihm erst 2006 von den Vorfällen berichtet. "Ich fragte ihn, ob das wahr ist. Er sagte: Glaubst du mir etwa nicht?" Der Mathelehrer sei zunächst der "Lieblingslehrer" seines Sohnes gewesen, dann aber habe sich das geändert. Sein Sohn habe ihm auch erzählt, es sei ein großer Fehler gewesen, die Sache erst ein Jahr später zu erzählen. "Ihm war das peinlich", so der Vater. Inzwischen sei der Junge auf einer anderen Schule, wo er sich wohlfühle. "Es geht ihm gut." Er selbst wolle keine zivilrechtlichen Ansprüche an den Angeklagten stellen, so der Zeuge. "Aber ich will, das sowas bestraft wird."
Der Amtsrichter ließ bereits durchblicken, dass der Fall wohl mehrere Tage in Anspruch nehmen werde. Zwei weitere Termine im Mai sind bereits vorgemerkt.
(SZ vom 17.04.2008)
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