Prozess Jérôme Boateng streitet mit Makler um knapp 300 000 Euro

  • Eine Grünwalder Firma verlangt vom FC-Bayern-Profi Jérôme Boateng 300 000 Euro für die Hilfe beim Hauskauf.
  • Boateng zahlte nicht, weil er die Abmachung als Freundschaftsdienst verstanden hatte - seine Kinder und die des Maklers besuchen denselben Kindergarten.
  • Nun trifft man sich vor dem Landgericht München.
Von Susi Wimmer

Verzichtet man einfach mal so auf viel Geld, nur um der Freundschaft willen? Eine Frage, mit der sich der Grünwalder Immobilien-Makler Alexander von Barkenstein auseinandersetzen muss. Er verweist auf einen Vertrag mit Fußball-Profi Jérôme Boateng, dem er bei einem Hauskauf behilflich war. Fast 300 000 Euro Maklergebühr verlangte die Grünwalder Firma dafür von dem Bayern-Spieler. Doch der zahlte nicht, weil er den Deal als "Freundschaftsdienst" verstanden hatte. Borkenstein klagte und vor Gericht war es erst einmal vorbei mit der Freundschaft. Zumal der eine Freund, Jérôme Boateng, gar nicht zur Verhandlung erschien.

Das Medieninteresse an der Verhandlung war enorm, sodass die Sitzung vor dem Landgericht München I in einen größeren Saal verlegt werden musste. Kameramänner wuselten hin und her, Fotografen lauerten, doch irgendwann war klar, dass der Fußball-Star persönlich nicht erscheinen würde. "Herr Boateng lässt sich entschuldigen, ich habe die entsprechende Vollmacht von ihm erhalten", erklärte sein Anwalt Hans-Thomas Rosenkranz.

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Mit Christian Nerlinger, ehemaliger Bayern- und Nationalspieler und jetzt Berater von Boateng, erschien zumindest ein halbwegs prominentes Gesicht im Gerichtssaal. Allerdings hielt sich der 43-Jährige mit Aussagen zur Verhandlung zurück und erklärte nur, dass sich sein Schützling nach seiner Brustmuskel-Verletzung weiterhin auf einem guten Weg der Besserung befinde.

Die Verhandlung selbst hielt Richter Klaus Mickat kurz und klar. Boateng und von Barkenstein, so erklärte er, seien befreundet, weil ihre Kinder denselben Kindergarten besuchten. Der Immobilienmakler soll dem Kicker seine Hilfe angeboten haben beim Kauf eines Hauses in Grünwald. Via Handy soll Boateng seinem Freund geschrieben haben, dass er "schon etwas kriegen" sollte für die Vermittlung des Anwesens. "Aber es fiel keine konkrete Zahl", sagte Richter Mickat. Am 18. Mai 2016 sei Boateng dann in die Immobilien-Firma einbestellt und es sei ihm eine Vereinbarung vorgelegt worden. Darin wurde ein Maklerhonorar von 250 000 Euro plus Umsatzsteuer festgeschrieben, also insgesamt eine Summe von 297 500 Euro. Jérôme Boateng unterschrieb. Als dann aber die Rechnung eintrudelte, da soll Boateng realisiert haben, was er da unterschrieben hatte, so der Richter.

Rechtsanwalt Axel Anker sagte der SZ, dass sich sein Mandant Barkenstein "ein Dreivierteljahr lang dahintergeklemmt hatte", um die von Boateng gewünschte Immobilie für 500 000 Euro weniger als angeboten an Land zu ziehen. Den Gewinn, so war es angeblich ausgemacht, wollte man sich teilen. "Hier sehe ich schon einen Haken", meinte der Richter, zumal die Immobilienfirma auf die 250 000 Euro Provision noch 19 Prozent Umsatzsteuer draufgelegt hatte. "An Herrn Boatengs Stelle wäre ich auch enttäuscht, wenn ein naher Freund, mit dem man herzlich engagiert Whatsapp-Kontakt pflegt", mit einer derartigen Provisionsforderung daherkäme.

"Das ist kein Freundschaftspreis, sondern der normale Satz eines Maklers", erklärte Richter Klaus Mickat. Er sagte auch: "Schade, dass Herr Boateng heute nicht da ist." Als Freundschaftsdienst wollte der Richter aber die Maklertätigkeit auch nicht verstanden wissen. "Wenn man befreundet ist, schließt das doch keine Geschäftsbeziehung aus."

Boatengs Rechtsvertreter, Hans-Thomas Rosenkranz, zweifelte an der Wirksamkeit der unterschriebenen Vereinbarung und meinte: "Boateng ist kein Immobilien-Kaufmann, sondern ein Verbraucher". Sein Mandant habe dem Freund schlichtweg vertraut. Die Gegenseite konterte mit der Bemerkung: "Wollen Sie, dass ich sage, wie viele Immobilien Herr Boateng hat?" Boateng habe sich immer ehrenhaft verhalten, aber er stehe "zuweilen unter Einfluss". Detaillierter wurde die Gegenseite mit ihrer Vorhaltung allerdings nicht.

Der Preis der Freundschaft, er ist jetzt Verhandlungssache. 220 000 Euro schlug von Barkenstein vor, 150 000 Euro der Anwalt von Boateng. Der Richter strebte einen Vergleich bei 185 000 Euro an und gab drei Wochen Zeit zum Nachdenken. Einigen sich die Parteien nicht, wird ein neuer Verhandlungstermin terminiert. Was hatte Mickat noch über den Freundschaftspreis gesagt? "Es ist eine Art moralischer Appell, der zeigen soll, dass Freundschaft etwas wert ist. Auch wenn man jetzt nicht mehr befreundet ist."

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