Prozess 34-Jähriger bedroht BMW-Fahrer mit Messer

Der Mann wollte offenbar den Wagen stehlen. Doch ein wichtiges Detail hatte er vergessen: den Schlüssel.

Von Christian Rost

War es ein versuchter Raub? Oder nur die Tat eines Betrunkenen, der nicht bei Sinnen war? Danny D. muss sich seit diesem Dienstag vor dem Landgericht München I verantworten. Die Staatsanwaltschaft hält ihm vor, mit einem Messer einen Autofahrer bedroht zu haben, um dessen BMW zu entwenden. Der 34-jährige Angeklagte bestreitet das. Er habe damals Stress mit seiner Freundin gehabt, sei in Suizidabsicht mit einem Messer durch die Stadt gelaufen und habe sich einfach so in das Auto gesetzt, weil die Tür offenstand.

Laut Anklage parkte der Autofahrer am Morgen des 29. August 2015 seinen BMW am Rindermarkt. Er blieb noch eine Weile im Wagen sitzen, um sich seine Krawatte zu binden. Danny D. hatte laut Staatsanwaltschaft beobachtet, wie das Auto einparkte, und sich entschlossen, den 30 000 Euro teuren Wagen notfalls mit Gewalt an sich zu bringen. D. soll an die Fahrertür herangetreten sein und den Mann in ruhigem Ton aufgefordert haben, auszusteigen.

Warum der Mann scheiterte

Der Geschädigte ging davon aus, dass er beim Einparken einen Unfall verursacht hatte. Deshalb zog er den Zündschlüssel ab, woraufhin sich die automatische Türverriegelung ausschaltete. Sofort soll D. die Fahrertür aufgerissen und den Autofahrer mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser bedroht haben. Laut Anklage sagte D. zu dem Mann: "Steig aus oder ich stech dich ab!" Weil der Mann kurz zögerte, soll der Angeklagte noch verbal nachgelegt haben: "Willst du sterben?"

Das Opfer stieg schließlich aus und flüchtete in sichere Entfernung. Den Fahrzeugschlüssel hatte er bei sich. Danny D. setzte sich dann in den Wagen, löste die Handbremse und drückte vergeblich auf den Startknopf. Als er erkannte, dass ihm der Schlüssel fehlte, ließ er den Wagen stehen und flüchtete zu Fuß. Vor Gericht sagte er, er habe sich nur in den BMW gesetzt, um zu sehen, ob er im Handschuhfach Tabak finde. Und auf den Startknopf habe er nur gedrückt, weil er so etwas noch nie vorher gesehen habe. "Interessant" habe der Startknopf auf ihn gewirkt.

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Der Geschädigte litt nach dem Überfall an einem schweren Schock und Herzbeschwerden. Er musste zum Arzt und wurde eine Woche krankgeschrieben. Der Prozess dauert an.