Prozess in München Betrug mit Skulpturen von Giacometti

Von der Skulptur "Walking Man" existieren zahlreiche Fälschungen.

(Foto: AP)
  • Ein Kunsthändler, sein Komplize und seine Ex-Frau stehen wegen versuchten Betrugs und Urkundenfälschung vor Gericht.
  • Sie sollen versucht haben, mit einer Giacometti-Fälschung Geld zu machen.
Von Christian Rost

Der Handel mit gefälschten Kunstwerken ist ein lukratives Geschäft. Acht Millionen Euro soll sich eine Bande um den niederländischen Kunstfälscher Robert Driessen mit nachgemachten Skulpturen des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti (1901 - 1966) ergaunert haben. Zwei Haupttäter, der Kunsthändler Herbert S. und der ehemalige DDR-Lokführer Lothar Se., der sich als Graf ausgab, wurden 2011 in Stuttgart wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu neun Jahren beziehungsweise sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. 1000 von Driessen gefertigte Giacometti-Fälschungen hatte die Polizei zuvor in einem Keller der Bande in Mainz entdeckt. Die Bronze-Skulpturen wurden eingeschmolzen, damit sie nicht irgendwann doch wieder auf dem Kunstmarkt landeten, wo noch immer Driessens Machwerke kursieren, wie ein aktueller Prozess am Landgericht München I zeigt.

Angeklagt sind der 67-jährige Assessor Wolf G. aus Berlin, seine Ex-Frau Ulrike G., eine 63-jährige Rechtsanwältin, sowie der 60-jährige Kunsthändler Hans K. Die Staatsanwaltschaft München I wirft den beiden Männern versuchten Betrug und Urkundenfälschung vor, die Frau soll Beihilfe geleistet haben. Auch deren 92-jährige Mutter sollte mit auf der Anklagebank vor der 20. Strafkammer sitzen. Die Seniorin, ebenfalls der Beihilfe beschuldigt, schickte jedoch von Teneriffa ein ärztliches Attest ans Gericht, wonach sie nicht reisefähig sei. Die Kammer unter dem Vorsitz von Sigrun Broßardt trennte das Verfahren gegen die Dame ab.

Damals das teuerste Kunstwerk der Welt

Die verbliebenen Angeklagten sollen versucht haben, mit einer Giacometti-Fälschung Geld zu machen. Es handelte sich um die Skulptur "Walking Man" ("L'Homme qui marche" oder "Der schreitende Mann" ). Im Original gibt es mehrere Bronze-Güsse dieses Werks. Eines davon wurde 2010 bei Sotheby's von der Witwe eines libanesischen Bankiers für 74 Millionen Euro ersteigert und war das damals teuerste Kunstwerk der Welt.

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Die Angeklagten sollen vorübergehend im Besitz einer der Fälschungen Driessens gewesen sein und im Juli 2008 versucht haben, diese Nachahmung zu Geld zu machen. Laut Anklage hatte Wolf G. die Kopie in einem Tauschgeschäft vom früheren Lokführer Lothar Se. bekommen und im März 2009 Kontakt zum Schweizer Auktionshaus Koller aufgenommen, um sie in den Kunstmarkt einzuschleusen.

Damit wollte G. offenbar die Aufnahme dieses "Walking Man" in das offizielle Werkverzeichnis Alberto Giacomettis erreichen. Er lieferte die Skulptur in der Münchner Repräsentanz des Aktionshauses ab und nannte dabei einen Schätzpreis von fünf Millionen Schweizer Franken. Obwohl sich die Angeklagten Mühe gegeben haben sollen, die Echtheit der Skulptur mit falschen Herkunftsnachweisen vorzugaukeln, flog der Schwindel auf. Auf den ersten Blick erkannten der Besitzer des Auktionshauses sowie ein herbeigerufener Giacometti-Experte der Zürcher Kunsthalle, dass es sich letztlich nur um eine Nachahmung aus Driessens Fälscherwerkstatt handelte. Das Auktionshaus schickte G. den "Walking Man" umgehend zurück.

Spur in Frankfurt wieder aufgenommen

Laut Staatsanwaltschaft versuchte es G. anschließend zusammen mit dem mitangeklagten Kunsthändler Hans K. bei einem privaten Sammler, von dem sie 350 000 Euro für den wertlosen Bronze-Guss verlangten. Der Mann zeigte Interesse, konnte das Geld aber nicht aufbringen, weil er von seiner Bank keinen Kredit bekam. Schließlich verlor sich die Spur des "Walking Man", bis er einige Monate später bei Sotheby's in Frankfurt zur Versteigerung eingereicht und erneut abgelehnt wurde. Danach nahm Lothar Se. das Plagiat wieder an sich und bot es im Juli 2009 einem verdeckten Ermittler des Landeskriminalamtes Baden Württemberg für 1,5 Millionen Euro zum Kauf an. Bei der geplanten Übergabe in einem Hotelzimmer wurde er festgenommen und die Skulptur sichergestellt. Im Zuge der Ermittlungen rund um den falschen "Walking Man" kam die Polizei auf Wolf G., Hans K. und Ulrike G.

Die Angeklagten machten zum Prozessauftakt zunächst keine Angaben. Fünf Verhandlungstage hat die Kammer angesetzt. Unbehelligt blieb bislang der Kunstfälscher Robert Driessen selbst. Er betreibt in Thailand ein Café und kann nicht ausgeliefert werden. Als der Spiegel ihn dort 2013 aufstöberte, sagte der Niederländer: "Wer glaubt, für 20 000 Euro einen echten Giacometti kaufen zu können, verdient es, hinters Licht geführt zu werden."

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