Prozess in München Angeklagter soll zugestochen haben, um den Tod seiner Schwester zu rächen

  • Ein 38-Jähriger muss sich wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht München I verantworten.
  • Laut Staatsanwaltschaft wollte der Angeklagte mit der Messerattacke den Tod seiner Schwester "abstrafen".
  • Der Bruder des Opfers soll die Schwester 1994 in Rumänien getötet haben.
Aus dem Gericht von Andreas Salch

Aurel A. suchte als Bauhelfer Arbeit in München. Wie so viele seiner rumänischen Landsleute sah er sich am Münchner Hauptbahnhof um. Dort kam er Mitte Oktober vergangenen Jahres mit Doru L. (Name geändert), einem Landsmann, ins Gespräch. Die Männer stellten fest, dass sie aus dem selben Ort stammen.

Sie tranken Bier, Wodka und aßen miteinander. Noch ahnte keiner der beiden, dass sie noch etwas miteinander verbindet. Ein Verbrechen, das vor über zwanzig Jahren in Rumänien geschah. Nach einer Weile hatte Aurel A. jedoch bemerkt, dass sein Landsmann der Bruder seines früheren Schwagers ist. Aurel A. soll sich daraufhin sofort entschlossen haben, Doru L. zu töten.

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Seit Donnerstag muss sich Aurel A. vor der 2. Strafkammer am Landgericht München I verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den 38-Jährigen Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Es war kurz nach 21 Uhr am 17. Oktober vorigen Jahres, als Aurel A. in der Bernhard-Wicki-Straße in der Nähe der Hackerbrücke mit einem Taschenmesser mit einer Klinge von knapp sieben Zentimeter Länge von hinten auf ihn eingestochen haben soll.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft habe der 38-Jährige mit der Tat Doru L. für den Tod seiner Schwester "abstrafen" wollen. Doru L.s Bruder hatte A.s Schwester 1994 in Rumänien getötet. Angeblich aus Wut darüber, weil sie mit Doru L. entweder ein Verhältnis gehabt hatte oder von ihm vergewaltigt worden war. Für die Tat 1994 soll der ehemalige Schwager von Aurel A. in Rumänien zu 18 Jahren Haft verurteilt worden sein.

Zum Prozessauftakt sagte der 38-Jährige Bauhelfer nur wenig zu der Tat, die ihm vorgeworfen wird. Stattdessen verlas seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Birgit Schwerdt, eine Erklärung ihres Mandanten. Darin entschuldigt sich Aurel A. für die Messerattacke. Dass Doru L. so schwer verletzt wurde, tue ihm leid. Er hoffe, der Geschädigte werde ihm eines Tages vergeben. Allerdings sei Doru L. es gewesen, der den Streit vom Zaun gebrochen habe.

Als er erkannt habe, dass der Mann, der da im Hauptbahnhof vor ihm stand, der Bruder seines ehemaligen Schwagers ist, sei er "perplex" gewesen, so A. Doru L. soll, als auch er Aurel A. erkannt habe, dessen Familie und seine tote Schwester schwer beleidigt haben. In diesem Augenblick sei "die Stimmung gekippt", heißt es in der Erklärung.

Doru L. habe ihn gepackt, so der Angeklagte und damit gedroht, ihn umzubringen. Daraufhin soll L. seinem Widersacher erst eine Kopfnuss gegeben und dann ein Messer gezogen haben. Aurel A. soll es gelungen sein, Doru L. das Messer zu entwinden. Ob er dann damit auch auf ihn eingestochen habe, wisse er er nicht mehr, so A. "Ich stand zu sehr unter Adrenalin."

Er und Doru L. seien schließlich auf den Boden gefallen. Dabei habe er mehrmals zugestochen, räumt der Angeklagte ein. Doru L. habe geschrien, er solle aufhören, da habe er auch sofort aufgehört, versichert der 38-Jährige in der Erklärung. Als das Opfer "Polizei, Polizei" geschrien habe, sei er geflüchtet, so Aurel A. Wenige Wochen nach der Tat wurde der 38-Jährige in Italien festgenommen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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