Jahrelang hat das Münchner Hofbräuhaus mit dem Gesicht einer Kellnerin geworben - doch die wusste von nichts.
Fast zehn Jahre lang war eine junge Kellnerin vom Oktoberfest das strahlende Werbegesicht des Hofbräuhauses in der ganzen Welt - und sie hatte keine Ahnung davon. Sylvia Mützel prangte auf riesigen Plakaten in New York, Las Vegas oder Shanghai. Die blondgelockte Augsburgerin lächelte von unzähligen Bierfilzln, Sixpacks oder stemmte Maßkrüge als Download-Bildschirmschoner von der HB-Internetseite.
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Porträt vor dem Hofbräuhaus in Shanghai: Sylvia Mützel wusste von nichts. (© Foto: oh)
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Die Überseekampagne des Münchner Brauhauses war der jungen Frau aber erst bekannt geworden, als ein Cousin ihres Ehemannes Rainer im vergangenen Jahr das Portrait von Sylvia vor dem Hofbräuhaus in Shanghai entdeckt hatte: Er war damals auf Montage in Chinas Megacity und wollte einer Chinesin etwas Typisches aus seiner bayerischen Heimat zeigen. Natürlich fotografierte er sofort das Plakat.
Nun möchte die junge Frau für diese Werbekampagne vom staatlichen Hofbräuhaus eine angemessene Vergütung erhalten. Durch ihren Anwalt Paul Buchner ließ sie Klage beim Landgericht MünchenI einreichen - zunächst auf Auskunft über den Umfang und die Dauer der Werbekampagne. Vor der 9. Zivilkammer berichtete sie am Mittwoch, dass eine Mitarbeiterin des Hofbräuhauses sie auf der Wiesn 2001 wegen Fotos angesprochen habe: "Das sollte aber nur für eine einmalige Maibock-Werbung sein", beteuerte sie in der Verhandlung. Insgesamt habe sie 600 Euro dafür bekommen.
Christian Markowsky, Anwalt des beklagten Bayerischen Landesamts für Finanzen, bestritt jedoch, dass es sich nur um eine Einzelaktion gehandelt habe. Das Fotomaterial sei für Imagewerbung der Auslandsgesellschaften des Hofbräuhauses gedacht gewesen. Im Übrigen sei HB "doch kein riesiger Laden" - auch professionellen Models würde man kaum höhere Honorare bezahlen.
Die Richter machten Sylvia Mützel dann deutlich, dass sie zwar das tragende Gesicht der HB-Kampagne war, ihre Vorstellung von 20.000 bis 30.000 Euro als Nachschlag trotzdem "zu ehrgeizig" seien. Diese Größenordnung hatte ihr der Chef einer Augsburger Werbeagentur genannt, für dessen Katalogfotos sie gelegentlich vor der Kamera steht.
Die drei Richter sahen sich die HB-Plakatbilder an und lobten sie als "schön und zeitlos": Es sei schon zu verstehen, dass in China und Amerika diese blondgelockte Bayerin besonders gut ankomme.
Das Gericht schlug vor, dass die staatliche HB-Brauerei noch 1500 Euro bezahlt und ihre Auslandspartner bittet, die Bilder künftig nicht mehr zu verwenden. Doch so preiswert möchte sich die Augsburgerin nicht abfinden lassen. Deshalb hat das Gericht den Prozess auf Aschermittwoch vertagt und will dann Zeugen anhören, was genau damals für das Foto-Shooting abgesprochen worden war. Verträge gibt es nämlich nicht.
(SZ vom 21.01.2010/sonn)
Die neueste Antwort
Selbst ein nicht nahmhaftes Model würde keineswegs für 600 Ihr Gesicht für eine weltweite Kampagne die auch noch über 9 Jahre lief, hergeben!!!
Würden die Richter auch so entscheiden wenn es eine Privatbrauerei wäre?
Eine kleine private Brauerei hätte bestimmt viel mehr bezahlen müssen.....
Das HB hat mit dem tollen Gesicht mächtig Profit gemacht und sollte somit auch zu einer angemessenen Bezahlung verdonnert werden.
Das nächste ist ja auch schon wieder, was ist mit dem emotionalen Befinden dieser Dame??? Hat schon mal einer darüber nachgedacht?
Liebes HB-Haus, zeige Charakter und vergüte diesem Mädel auch in angemessenem Sinne ihre "nichtwissende" weltweite Werbekampagne!!!!
nur 30.000, nach 9 jahren? die haben sicherlich mehr als nur 30.00ß profit gemacht, mit ihrem bild. hb soll mehr zahlen. ich würde das unternehmen richtig bluten lassen und sogar bis zm eurpä. gericht gehen. es kann ja wohl nicht sein, dass sie nur 600 bekommt und hb benutzt ihr bild schon 9 jahre!
Die drei Richter sahen sich die HB-Plakatbilder an und lobten sie als "schön und zeitlos": Es sei schon zu verstehen, dass in China und Amerika diese blondgelockte Bayerin besonders gut ankomme."
Na dann soll doch Bayern noch was drauf legen - für die tolle Imagekampagne.
So einen süffisanten Kommentar eines Richters hört man wahrscheinlich nur, wenn der zu den Stammgästen eines Trinkgeschäfts gehört.
30.000 sind angemessen - schon weil offensichtlich von Anfang an mit den wirklichen Verwendungszwecken (bewusst?) hinterm Berg gehalten wurde.
Warum wirbt eigentlich das Hofbräuhaus nicht mit dem Konterfei von Lenin? Der war von der "klassenlosen" Trinkergesellschaft dort durchaus begeistert. Und Lenin wird keine Tantiemen fordern.
Jaja die Copyrightverbrecher schlagen wieder zu..
Selbst den ganzen Tag rumheulen wie schlimm doch alle Raubmordkopierer sind, aber dann junge Mädels mit 300€ abspeisen, um eine Werbekampagne zu fahren, die sicher Millionen eingebracht hat...
Paging