Prozess Frau soll Ex-Schwiegermutter mit einem Kissen erstickt haben

  • Marion D. soll Alkohol- und Drogenprobleme gehabt haben und steht nun wegen Mordes vor Gericht.
  • Bei der Festnahme wirkte die Angeklagte betrunken und habe sofort "mit diesem Pegida-Zeugs" angefangen, sagt ein Polizist.
  • Die ermordete Ex-Schwiegermutter der Angeklagten soll in einer Schwabinger Wohnung zuletzt in menschenunwürdigen Verhältnissen gelebt haben.
Von Susi Wimmer

Menschliche Lebenslinien verlaufen in der Regeln nicht linear, meist gibt es Abweichungen vom Weg. Marion D.s Leben gleicht einem Schlingerkurs. Drogen, Alkohol, Prostitution, zwei leibliche Kinder gab sie zur Adoption frei, und seit die islamfeindliche Pegida in München aktiv ist, marschierte die 51-Jährige immer in vorderster Reihe mit.

Momentan scheint sie an einem absoluten Tiefpunkt ihres Lebens angekommen zu sein: Marion D. sitzt wegen Mordes auf der Anklagebank vor dem Landgericht München I. Sie, die sich zwei Jahre lang um ihren im Koma liegenden Vater gekümmert hatte, soll ihre pflegebedürftige Ex-Schwiegermutter mit einem Kissen erstickt haben. "Aus Mitleid", wie sie dem psychologischen Gerichtsgutachter Jürgen Thomas erklärte.

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Seine Mandantin habe "keine strukturierte Erinnerung an das Kerngeschehen", so umschreibt es Verteidiger Gerald Assner. Es seien lediglich Bilder, Eindrücke und Geräusche an die Tat vorhanden, "aber kein Film". Was unter anderem auch daran liegen kann, dass Marion D. an jenem 11. November 2016 betrunken war. Sie selbst erinnert sich an vier Bier, Weißweinschorle, Wodka und ein Gramm Koks - zwischen 12 und 16 Uhr.

Ihr Ex-Mann, mit dem sie von 2001 bis 2013 verheiratet war, habe sie wie des Öfteren gebeten, in seiner Wohnung in der Elisabethstraße in Schwabing vorbeizuschauen. Im selben Haus wohnte auch die 86 Jahre alte Mutter des Mannes im Erdgeschoss, die mit der Ex-Frau noch Kontakt hatte. Und da die alte Frau in den Tagen zuvor mehrfach gestürzt war, wollten Marion D. und ihr Ex-Mann nach ihr sehen.

Die Verhältnisse, in denen die Seniorin lebte, werden vor Gericht als menschenunwürdig beschrieben. "Sie lebte ohne Strom und fließend Wasser", erzählte Marion D. der Psychiaterin Susanne Lausch während der Begutachtung. Polizisten berichten von einer vermüllten und stinkenden Messie-Wohnung, der Sohn selbst gab an, seine Mutter habe seit vier Jahren das Haus nicht mehr verlassen. "Sie fühlte sich sehr alleine", sagte Marion D. der Psychiaterin, und dass ihr Ex seine Mutter schlecht behandelt habe. Sie habe die 86-Jährige gemocht, "sie war ein Mensch, der sich für jeden eingesetzt hat".

Am späten Nachmittag fanden Marion D. und ihr ehemaliger Mann die alte Frau erneut hilflos auf dem Wohnzimmerboden liegend vor. Der Sohn, der sich davor ekelte, seine Mutter aufzuheben und zu waschen, wollte laut Anklage den Rettungsdienst rufen. Aber Marion D. habe gesagt, sie werde sich schon um die Frau kümmern. Sie legte die Gestürzte aufs Sofa, der Sohn verschwand. Die Staatsanwaltschaft beschreibt weiter in der Anklageschrift, wie Marion D. der alten Frau ein Kissen auf das Gesicht gedrückt habe - und wie sich die 86-Jährige gewehrt haben soll.

Zehn Minuten soll der Todeskampf gedauert haben, währenddessen die Seniorin von der Couch rutschte. Erst als die Frau nicht mehr atmete, soll Marion D. von ihr abgelassen haben und zu ihrem Ex-Mann im dritten Stock zurückgekehrt sein.

Während die Anklage verlesen wird, schlägt Marion D. die Augen nieder. Sie ist komplett schwarz gekleidet, die schwarzen Haare umranden ein spitzes und blasses Gesicht. Ein Polizist im Zeugenstand erzählt, dass sie nach der Tat in der Wohnung im dritten Stock bei ihrem Ex-Mann geblieben sei, so betrunken, "dass sie sich am Türrahmen festhalten musste". Und sie habe sofort "mit diesem Pegida-Zeugs" angefangen. Ihr Ex-Mann habe zuvor erzählt, dass Marion D. vorhin in einem Telefonat mit ihrem Freund gesagt habe, dass sie die Ex-Schwiegermutter erstickt habe.

Nach der Tat soll die 51-Jährige Nachrichten mit dem Handy an ihren Freund geschrieben haben, in denen die Rede war von "ich habe Mist gebaut und lieber Gott gespielt". Der Ex-Mann habe gemutmaßt, dass sie während der zweijährigen Pflege ihres Vaters oft gewünscht hätte, er würde sterben - und sie nun den Wunsch auf seine Mutter projiziert hätte. Der Ex-Mann tritt als Nebenkläger in dem Prozess auf. Laut seinem Anwalt Raimund Förschner will er, dass Marion D. bestraft wird. "Meine Mutter wollte leben", sagte er dem Anwalt. Im Prozess allerdings will er nicht aussagen. Auch der Freund von Marion D. kann nicht mehr als Zeuge gehört werden, er ist vor kurzem verstorben.

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