Wie viele Stricher es genau in München gibt, ist unklar. Je nachdem, ob man bei der Polizei, in den Kneipen oder in der Beratungsstelle nachfragt, schwanken die Zahlen von 23 über 100 bis 700. Klar ist jedoch, dass sie alle hinter dem großen Geld her sind. Einige kaufen sich vor allem westliche Statussymbole, andere schicken den Großteil zu ihren Familien ins Ausland - und wieder andere planen damit ganz spießig für die Zukunft.
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René, der junge Tscheche, ist einer von ihnen. Er hat neben Kleidung und "Schnickschnack" von seinem Verdienst schon eine 70 Quadratmeter große Eigentumswohnung in Tschechien gekauft. Den größten Teil des Geldes legt er aber auf die Seite, "für später", wie er sagt. Dann will René in seinem Heimatland eine Bar aufmachen, die Leute sollen zu ihm kommen und sich wohl fühlen.
Wohl fühlen? René wirkt jetzt nachdenklich, sein Fuß hört für einen kurzen Moment auf zu wippen, das Trommeln des Fingers lässt nach. "Ich habe hier meine besten Jahre verbracht", sagt er und schaut sich langsam in der dunklen, verrauchten Kneipe um. "Das hinterlässt natürlich Spuren in der Psyche."
Wirklich guten Freunden würde er deshalb auch nie zu diesem Job raten. "Ob ich glücklich bin?", fragt René ungläubig zurück. Er zuckt mit den Schultern und denkt kurz nach. "Ja, ich meine, glücklich sein ist doch subjektiv." Nach einem kurzen Zögern ergänzt er: "Ich bin nicht unglücklich."
Trotzdem treibt es ihn immer wieder heim, weg von München. Wenn er genügend Geld beisammen hat, fährt er zurück nach Tschechien. Dort behauptet er, "in der Gastronomie" zu arbeiten; nur die engsten Freunde wissen, womit er sein Geld tatsächlich verdient.
"Meine Eltern würden die Wahrheit nicht überleben", sagt er. Doch irgendwann wird das Geld wieder knapp. Dann packt René seine Sachen zusammen, verabschiedet sich von seinen Freunden und von der Familie. Macht sich wieder auf den Weg. Nach Deutschland, auf den Strich.
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(SZ vom 25.08.2009/ksp)
Brasiliens Präsidentin Roussef
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Ein ernsthafter Beitrag im münchen extra, wo es sonst überwiegend um Partyberichte, Clubs und Bars geht?
Selten, aber gerne gelesen.
Hallo Frau Roth,
mich hat dieser Artikel auch sehr berührt. Man lebt jahrelang in München und bekommt diesen Teil der Szene gar nicht so richtig mit. Es ist immer "woanders - aber nicht hier". Doch wie man sieht - sind wir überall davon betroffen. Wir können nur hoffen, dass die Marikas weiterhin gute Arbeit leistet.
Nochmal ein großes Lob an die Autorin - Frau Roth.
Viele Grüße aus München,
Eine echte Überraschung im München-Teil von SZ Online, wo es ja hauptsächlich um Feiern, Clubs, Promis und andere Spaßthemen geht, die einen großen Teil der Wirklichkeit ausblenden.
Ich habe mir daraufhin die Webseite von Marikas (www.marikas.de) angesehen.
Sehr interessant, dass es eine solche Organisation gibt, die sich in München um Stricher und Mädchen/Jungen kümmert, die auf (potentieller) Anbieterseite mit Prostitution in Kontakt kommen. Da hätte ich eher an Berlin, Hamburg, Frankfurt gedacht - dort wird es wohl Ähnliches geben.
Jedenfalls alles Gute für die Marikas-Mitarbeiter/innen! Die Arbeit ist bestimmt nicht einfach, aber es muss auch ein befriedigendes Gefühl sein, ohne bürokratischen Aufwand etwas für Menschen erreichen zu können.
Beste Wünsche
Kai Hamann
eine komplette Einkommenssteuererklärung und kassiert ohne moralische Vorwürfe Steuern.Ergo ist Prostitution ein ehrenwertes Gewerbe und ist staatstragend.Da bin ich mir bei manchem der Politikers nicht so sicher, ob da alles an Nebeneinkünften angegeben wird.